Sie kommen aus der Tiefe: Wenn sich Ratten in Wohnvierteln ausbreiten, sind Stadt und Grundstückseigentümer verpflichtet, dagegen vorzugehen.
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Sie kommen aus der Tiefe: Wenn sich Ratten in Wohnvierteln ausbreiten, sind Stadt und Grundstückseigentümer verpflichtet, dagegen vorzugehen.

Besorgte Anwohner

Ratten-Plage in Bad Nauheim: So reagiert die Stadt

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Liebhaber halten Ratten als Haustiere. Viel mehr Bürger ekeln sich aber vor den Nagern oder entwickeln eine Phobie. In der Schwalheimer Straße in Bad Nauheim läuft derzeit eine Bekämpfungsaktion.

Wenn Ratten tagsüber im Garten unterwegs sind, gar über die Terrasse laufen, dann besteht Handlungsbedarf. Auf vier benachbarten Grundstücken in der Schwalheimer Straße - sie liegen in unmittelbarer Nähe des Kernstadt-Friedhofs - treten die Nagetiere nach Angaben einer Anwohnerin derzeit in geballter Form auf. Die Hauseigentümer haben inzwischen eine Firma für Schädlingsbekämpfung beauftragt, auch die Stadtverwaltung reagiert.

»Offenbar haben sich die Ratten unter den Garagen eingenistet, die auf Betonpfählen errichtet wurden«, berichtet die Frau. Aus Erdlöchern schlüpfen die Tiere vermehrt an die Oberfläche. An diesen Stellen platziert der Schädlingsbekämpfer Giftköder, die mit Erde bedeckt werden. Damit will er dem Problem Herr werden.

Ratten-Plage in Bad Nauheim: Bekämpfung kann länger dauern

In die Häuser sind die Nagetiere glücklicherweise noch nicht eingedrungen. »Mein Mann befürchtet aber, dass sie an Regenfallrohren hochklettern und dann über die Fenster reinkommen«, sagt die Bad Nauheimerin. Eine Vorsichtsmaßnahme lautet deshalb zurzeit: Fenster möglichst geschlossen halten. Außerdem hat die beauftragte Firma den Hauseigentümern dringend empfohlen, gelbe Säcke mit Plastikmüll, die ein »gefundenes Fressen« für Ratten seien, nicht im Freien zu lagern.

Die Ratten langfristig von den Grundstücken zu vertreiben, könnte etwas länger dauern. Das hat sich in der Vergangenheit bei ähnlichen Fällen in Bad Nauheim gezeigt. So waren die Nagetiere 2016 im Gebiet rund um die Bodestraße zu einer Plage geworden. Dort dauerte es Monate, bis die Ratten endgültig vertrieben waren. Ähnlich war es Bewohnern des Viertels rund um die Liebigstraße 2014 ergangen. Etwa ein halbes Jahr lang hatten sich die Ratten auf den Grundstücken getummelt und einigen Anliegern manchmal einen gehörigen Schreck eingejagt. Angelockt worden waren die Tiere in diesem Fall offenbar durch Berge von Gelben Säcken auf einem Grundstück.

Ob sich das aktuelle Rattenproblem allein auf die vier Grundstücke erstreckt, lässt sich nicht genau sagen. Nach Angaben der Anwohnerin sind auch auf dem nahen Friedhof einige Tiere gesichtet worden. Dem Rathaus liegen aus dem südlichen Teil der Stadt bislang nur Informationen über das Vorkommen in der Schwalheimer Straße vor. Außerdem sind in der Gutenbergstraße Ratten gesichtet worden.

Ratten-Plage in Bad Nauheim: 5000 Kanalschächte werden geöffnet

Nach Angaben des Ersten Stadtrats Peter Krank geht die Verwaltung bei der Rattenbekämpfung nach einem bewährten Konzept vor. »Einmal im Jahr werden im gesamten Kanalsystem Giftköder ausgelegt. 5000 Schächte müssen geöffnet werden«, berichtet Krank. Die Stadt stelle dafür jährlich bis zu 15 000 Euro bereit. Bei Bedarf - wenn es aus einem bestimmten Gebiet Meldungen gibt - würden die Köder darüberhinaus im betreffenden Abschnitt der Kanalisation platziert. Zudem fordere die Stadt die jeweiligen Hauseigentümer auf, eine Firma zu beauftragen, um oberirdisch gegen die Ratten aktiv zu werden. Nach diesem Muster gehe die Stadt auch jetzt vor.

Ratten-Plage: Pflicht zur Schädlingsbekämpfung

Treten Ratten in Wohngebieten vermehrt auf, sind Hauseigentümer und Stadt verpflichtet, dagegen vorzugehen. Entsprechende Regelungen enthält die Schädlingsbekämpfungs-Verordnung. Danach müssen die kommunalen Verwaltungen etwas gegen die Ausbreitung bestimmter Tiere unternehmen. Dazu zählen Ratten, weil sie Krankheitserreger übertragen können, etwa Salmonellen, die Durchfallerkrankungen auslösen, oder Toxoplasmen, die eine schwere Infektion zur Folge haben können. Die Behörden veranlassen deshalb regelmäßige Bekämpfungsaktionen in der Kanalisation.

n der Pflicht sind aber auch Immobilienbesitzer, wenn die Nagetiere auf ihren Grundstücken in größerer Zahl auftreten. Die Eigentümer dürfen laut Tierschutzgesetz nicht selbst aktiv werden, sondern müssen Fachfirmen beauftragen. Die Kosten, die auf dem eigenen Grund und Boden entstehen, muss der jeweilige Hausbesitzer selbst tragen.

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