Diese älteren Radfahrer - vorneweg Seniorenbeirats-Vorsitzender Hans-Ulrich Halwe, an dritter Stelle Radverkehrsbeauftragte Therese Dahlke - halten den neuen Radschutzstreifen in der Frankfurter Landstraße für eine Fehlplanung.
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Diese älteren Radfahrer - vorneweg Seniorenbeirats-Vorsitzender Hans-Ulrich Halwe, an dritter Stelle Radverkehrsbeauftragte Therese Dahlke - halten den neuen Radschutzstreifen in der Frankfurter Landstraße für eine Fehlplanung.

Frankfurter Straße

Schutzstreifen für Bad Nauheimer Radfahrer: Fehlplanung? „Völlig ungeeignet!“

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Radfahrschutzstreifen sollen Radfahrer schützen. Doch tun sie das wirklich? Die Betroffenen zweifeln das in vielen Fällen an. Ein Beispiel ist die Situation in der Frankfurter Landstraße in Bad Nauheim.

Bad Nauheim - Beim Ortstermin an der Ecke Frankfurter Landstraße/Feldbergstraße in Bad Nauheim versteht man oft sein eigenes Wort nicht. Ständig kommen Lastwagen vorbei, teils mit hoher Geschwindigkeit. »Hier fahren viele Lkw, das ist nicht ohne«, sagt Hans-Ulrich Halwe, Vorsitzender des städtischen Seniorenbeirats.

Wenn er auf den neuen Radfahrschutzstreifen, die Stellplätze und den breiten Fußweg auf der Bahnseite schaut, dort, wo zusätzliche Gewerbegrundstücke entstanden sind, schüttelt er den Kopf. »Dieser wunderbare Weg wird nicht genutzt, weil es hier keine Fußgänger gibt.« Der Beiratsvorsitzende zitiert den Bundesverkehrsminister: Es dürfe keinen Straßenneubau ohne Radweg geben. Diese Regel sei am Ortseingang Bad Nauheims missachtet worden. Nach Ansicht Halwes handelt es sich bei der Umgestaltung der Frankfurter Landstraße um einen Neubau.

In ihrer Bewertung der Lage sind Halwe und die städtische Radverkehrsbeauftragte Therese Dahlke einer Meinung. »Das ist eine Fehlplanung«, betont Dahlke. Ihrer Ansicht nach hätte auf die neuen Stellplätze verzichtet werden können. Dann wäre genug Platz gewesen, um ab dem Ortsschild einen kombinierten Fuß- und Radweg anzulegen. Vergleichbar mit der Situation auf der anderen Seite der Frankfurter Landstraße.

Bad Nauheim: Streifen günstiger als Radwege

Halwe und die Radverkehrsbeauftragte vermuten, dass die Stellplätze mit Rücksicht auf die Firmen angelegt wurden, die sich dort ansiedeln werden. Die schmalen Parzellen böten zu wenig Raum für Besucherparkplätze. Die Stadtplaner setzten auf Schutzstreifen, weil sie viel günstiger seien als Radwege.

Dahlke lehnt Radfahrschutzstreifen nicht rundheraus ab: »Sie sind besser als nichts, aber nur eine Notlösung.« In der Verlängerung der Frankfurter Landstraße (Frankfurter Straße, Weingartenstraße) sei diese Variante okay, weil es mangels ausreichender Straßenbreite keine Alternative gebe. Zudem werde dort langsamer gefahren. Einige Senioren, die am Ortstermin teilnehmen, sind anderer Ansicht. Ein Mann bezeichnet den Schutzstreifen in der Frankfurter Straße als »lebensgefährlich«, weil Autofahrer den Mindestabstand von 1,50 Meter missachteten oder auf dem Streifen parkten.

Am Ortseingang hätte die Stadt laut Dahlke einen ordentlichen Fuß- und Radweg bauen können. »Radfahrer, die sicher unterwegs sind, können den Schutzstreifen nutzen, für Senioren und Kinder ist er völlig ungeeignet«, sagt sie. Auf dem Papier handele es sich zwar um eine innerörtliche Straße, tatsächlich werde dort aber zu schnell gefahren. Besonders gefährlich, weil besonders eng sei es dort, wo die Straße einen Schwenk mache, oder vor Querungshilfen. Zu bemängeln seien zudem die zahlreichen Unterbrechungen der Streifen. An Kreuzungen wüssten viele Radler nicht, wie sie sich verhalten sollten.

Bad Nauheim: Seniorenbeirat sieht viele Missstände

Dahlke und Halwe wünschen sich eine Korrektur am Ortseingang. Sollte dies nicht gewünscht sein, schlagen sie Gespräche mit der Stadt Friedberg vor. Auf Friedberger Gemarkung sollte ein Überweg gebaut werden, damit Radfahrer die Straße sicher queren können. Dann müssten sie nicht den Schutzstreifen auf der Ostseite nutzen, sondern könnten auf dem Rad-/Fußweg im Westen der Frankfurter Landstraße nach Bad Nauheim fahren.

Die Förderung des Radverkehrs wird zwar im Verkehrsentwicklungsplan als Ziel Nummer eins genannt, Halwe zufolge ist davon in der Praxis aber oft nicht viel zu sehen. So sei die Radverkehrsbeauftragte an der Planung des Straßenumbaus am Ortseingang nicht beteiligt worden. »Immer mehr Leute fahren Rad. Doch im Stadtgebiet gibt es in Sachen Radverkehr einige Missstände«, sagt der Seniorenbeirats-Vorsitzende.

Zur Kritik an der Planung nimmt Bürgermeister Klaus Kreß keine Stellung. Er verweist auf Aussagen von Fachbereichsleiter Jürgen Patscha von Ende März. Er bekannte sich zur Förderung des Radverkehrs. Die Frankfurter Landstraße sei ab dem Ortsschild eine Stadtstraße. Deshalb hält er den Schutzstreifen für die richtige Lösung. Insgesamt sieht Patscha allerdings viele Defizite. Bislang mache der Radverkehr in Bad Nauheim nur sechs Prozent des Gesamtaufkommens aus, das seien zehn Prozent zu wenig.

Schutzstreifen für Radfahrer: Seit 1977 Teil der StVO

Der Schutzstreifen für Radfahrer wurde 1977 in die Straßenverkehrsordnung (StVO) aufgenommen. In Paragraf 42 heißt es: »Wird am rechten Fahrbahnrand ein Schutzstreifen für Radfahrer so markiert, dann dürfen andere Fahrzeuge die Markierung bei Bedarf überfahren; eine Gefährung von Radfahrern ist dabei auszuschließen. Der Schutzstreifen kann mit Fahrbahnmarkierungen gekennzeichnet sein.« Die StVO unterscheidet eindeutig zwischen Schutzstreifen und Radweg, denn die Streifen seien Bestandteil der Fahrbahn. Eigentlich sollen Radfahrschutzstreifen nur dort angelegt werden, wo der Bau eines Radwegs nicht möglich ist. Außerdem ist darauf zu achten, dass in Straßen mit Schutzstreifen kein zu hohes Verkehrsaufkommen herrscht und nicht zu viele Lkw unterwegs sind.

Der Radfahrschutzstreifen muss mindestens 1,25 Meter und darf höchstens 1,60 Meter breit sein. Für die restliche Fahrbahn ist eine Breite von mindestens 4,50 und höchstens 5,50 Meter vorgeschrieben. Radler, die auf einem solchen Streifen fahren, dürfen andere Fahrzeuge rechts überholen. Dagegen dürfen sie nicht gegen die Fahrtrichtung unterwegs sein und nicht nebeneinander fahren. Andere Fahrzeuge dürfen die Streifen bei Bedarf nutzen. Das soll aber nur im Ausnahmefall geschehen, vor allem um Begegnungsverkehr auszuweichen.

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