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„Querdenker“ kündigen Groß-Demo in Bad Nauheim an

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Von: Jürgen Wagner

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Und den Klimawandel gibt es auch nicht: Corona-Leugner auf einer Demo am Mittwoch in München. (Symbolbild)
Und den Klimawandel gibt es auch nicht: Corona-Leugner auf einer Demo am Mittwoch in München. (Symbolbild) © Sportfotodienst GmbH/imago

„Querdenker“ kündigen eine Groß-Demo in Bad Nauheim an. Sie wollen unter anderem gegen die Corona-Regeln protestieren – mit dabei auch die rechtsextreme Szene.

Bad Nauheim – »Querdenker«, Corona-Leugner und Rechtsextreme haben für Samstag (21. Mai) zu einer Groß-Demo in Bad Nauheim aufgerufen. Hintergrund der Aktion ist offenbar, die Gesundheitsstadt zu einem Sammelbecken des Protests zu machen.

Initiatoren der Demo sind die »Allianz pro Grundgesetz«, die Initiativen »Büdingen steht auf«, »Hanau steht auf« und »Ortenberg läuft« sowie die rechte Sammlungsbewegung »die Basis« aus dem Wetterau- und dem Main-Kinzig-Kreis. Beim Anmelder soll es sich nach Informationen dieser Zeitung um einen rechten Aktivisten aus dem Ostkreis handeln, der bei der Kommunalwahl auf AfD-Listen antrat.

Corona-Demo in Bad Nauheim: Forderung nach Friedensgesprächen

Die Veranstaltung wird hessenweit beworben. Erwartet werden 600 Menschen. Dem Vernehmen nach hat die Stadtverwaltung versucht, die angemeldete Demo zu verhindern. Ohne Erfolg. Ursprünglich sollte sie auf dem Parkplatz am Großen Teich starten. Das wurde geändert. Nun wird um 11 Uhr auf dem Parkplatz am Usa-Wellenbad gestartet. Von dort wollen die »Querdenker« über Friedberger, Schwalheimer und Homburger Straße in die Innenstadt laufen, wobei mehrere Schleifen eingeplant sind. »Wir werden laut sein, bringt mit, was Lärm macht«, schreiben die Initiatoren in einer Ankündigung.

Die Demonstranten fordern unter anderem »Friedensgespräche statt Kriegspropaganda«, die »sofortige bedingungslose vollständige Wiederherstellung aller Grund- und Menschenrechte« sowie die Aufhebung sämtlicher Corona-Maßnahmen. Außerdem wird »gegen den Missbrauch der Digitalisierung zur Kontrolle der Menschen« demonstriert und gefordert, dass Kinder »ein Recht auf natürliche Kindheit ohne Genderwahn und Frühsexualisierung« hätten.

Demo in Bad Nauheim: Entwicklung eines „Corona-Protesttourismus“

Die Protestgruppen sind gut vernetzt. Viele der Demonstranten, die etwa mittwochs noch durch Friedberg ziehen, kommen von Außerhalb. Ein Beobachter meint, es habe sich ein »Corona-Protesttourismus« entwickelt.

Was sich hinter der »Allianz pro Grundgesetz«, die sich im Namen staatsbürgerlich gibt, verbirgt, hat die Frankfurter Rundschau (FR) am Beispiel des Main-Kinzig-Kreises recherchiert. Es sind die ewig gleichen Behauptungen, die auf Demos oder in sozialen Netzwerken vorgetragen werden: Corona ist gar nicht gefährlich, die Staatsmedien lügen, die Politiker wollen das Volk in Angst versetzen. Im Netz wird über einen Umsturz schwadroniert, dazu tauchen immer wieder Plakate mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Inhalten oder NS-Vergleichen auf.

Kritiker betrachten die Aktivisten der »Allianz« als Antidemokraten, die die Versammlungsfreiheit lediglich benutzten, um sie abzuschaffen. Die Sorgen und Nöte der Menschen in der Corona-Krise würden instrumentalisiert, um das demokratische System und deren Vertreter verächtlich zu machen. Letztlich werde hier der »Schulterschluss mit rechts« vollzogen. Die »Allianz pro Grundgesetz« hat sämtliche Vorwürfe gegenüber der FR zurückgewiesen. (jw)

Zum Jahresbeginn gab es immer wieder Demos in der Wetterau. Die meisten Teilnehmenden protestierten gegen die Corona-Maßnahmen in Bad Nauheim.

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