Die komplette Puzzle Picnic Family "La deutsche Vita", hier mit dem Projektleiter Klaus Ritt (hinten, 2. v. links) und seiner Frau Irmgard. Das Foto entstand bei der Auszeichnung von Monik Mlynarski (Mitte) als Ehrenbürger der Stadt.
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Die komplette Puzzle Picnic Family »La deutsche Vita«, hier mit dem Projektleiter Klaus Ritt (hinten, 2. v. links) und seiner Frau Irmgard. Das Foto entstand bei der Auszeichnung von Monik Mlynarski (Mitte) als Ehrenbürger der Stadt.

Puzzle Picnic Family: Ein starkes Team schreibt ein Buch

Bad Nauheim (pm). Mit »Das Leben ist kein Sprudelhof« der Kulturgruppe »Die Verdichter« bekommt die Bad-Nauheim-Literatur Zuwachs. Das Buch ist im Zuge des multikulturellen Mehrgenerationenprojekts Puzzle Picnic Family der Bürgerstiftung »Ein Herz für Bad Nauheim« entstanden.

Am Freitag, 21. November (19 Uhr), wird das Gemeinschaftswerk von acht Autoren in der Trinkkuranlage präsentiert. Zu den Inhalten der Veranstaltung gehören Musik, Tanz, Gesang, Kunst und Infos zur zweiten Auflage des Puzzle-Picnic-Family-Projekts. Gelesen wird unter anderem aus der Lebensgeschichte von Monik Mlynarski, dem langjährigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Buchs kommen der Flüchtlingsbetreuung zugute.

Rückblick: Im Rahmen des Puzzle-Picnic-Projekts bildete sich 2013 unter anderem die Familie »La deutsche Vita«, die sich für das Buch nun Kulturgruppe »Die Verdichter« nennt. Ziel der Puzzle-Initiative, die im kommenden Jahr fortgesetzt werden soll, ist eine Begegnung der Generationen und Kulturen. Nach einem Auftritt 2013 in der Trinkkuranlage, bei dem »La deutsche Vita« zur Lieblingsfamilie des Publikums gewählt wurde, schlug »Vater« Ernesto Filippelli vor, ein Buch zu schreiben. Jedes Familienmitglied sollte seine Geschichte erzählen, wobei sich rasch abzeichnete, dass der Weg nach Deutschland eine Rolle spielen würde.

»Als ich letztes Jahr auf dem Jakobsweg pilgerte und Notizen anfertigte, kam ich auf die Idee. Ich fragte mich: ›Warum machen wir so etwas nicht?»«, sagt Filippelli. Seine Anregung kam an. Die acht Puzzle-Freunde machten sich an die Arbeit, wobei sie einander regelmäßig die Texte vorzulesen. »Mutter« Adela Yamini schildert: »Es war gar nicht so einfach, mit dem Schreiben anzufangen, wie ich zunächst dachte.« Schließlich brachte die 37-Jährige aber viel über ihre Kindheit in Afghanistan aufs Papier, hätte noch deutlich schreiben können.

Für »Sohn« Benjamin Pizarro ist die Sache anders. Mit 24 Jahren eine Biografie zu schreiben, sei schwierig – auch habe er keine typische Integrationsgeschichte. »Ich bin ziemlich deutsch, mein Name nicht. Darum habe ich mich mit der Frage befasst, wie sich meine kolumbianischen Wurzeln auf mein Leben auswirkten.« Die Puzzle-Picnic-Aktion habe sich als intensive Erfahrung erwiesen. Filippelli: »Es ist wunderschön, dass wir uns alle getroffen haben. Zeigt man einander Respekt, kann man zusammenwachsen, egal zu welcher Kultur man gehört.

« Yamini gefiel es, Menschen zu treffen, die wie sie nachts noch am PC sitzen und arbeiten. »Wir sind uns näher gekommen wie Freunde oder eine Familie.«

Autoren sind außerdem Monik Mlynarski, Natalia Volkova, Niko Gözüpekli, Jennifer Hirbod und WZ-Mitarbeiterin Petra Ihm-Fahle. Mlynarski, 91-jähriger Ehrenbürger der Stadt, erzählt auf über 30 Seiten von seinem Überlebenskampf in Nazilagern und wie er die jüdische Gemeinde Bad Nauheim wiederaufgebaut hat. Volkova schildert, wie sie und ihr Mann Valeri nach der Ausreise aus Russland Fuß in Deutschland fassten, Gözüpekli berichtet über seine Herztransplantation und seine Kindheit in Istanbul. Jennifer Hirbod schreibt über drei Facetten ihres Lebens, darunter das Geheimnis ihres Namens, Ihm-Fahle über ihre Empfindungen als Ausländerin in Italien und Kanada.

Als Familiengründerin freut sie sich über die Förderung des Buchs durch die Bürgerstiftung: »Für Autoren ist es nicht selbstverständlich, für ihre Manuskripte einen Verleger zu finden. Oft landen die Werke in der Schublade oder der Druck muss selber bezahlt werden.« In diesem Fall übernehme »Ein Herz für Bad Nauheim« dankenswerterweise die Druckkosten. »Dass die Einnahmen am Ende an die Flüchtlingshilfe der Stadt gehen, krönt das Ganze.« Der Erfinder und Leiter des Puzzle-Picnic-Projekts, Klaus Ritt, ist ebenfalls angetan: »Wichtig war uns der Nachhaltigkeitsaspekt, der hier gegriffen hat: Bei dieser ›Family» hat sich etwas Wertvolles entwickelt.«

Für die Fortsetzung in 2015 hofft Ritt auf viele weitere Familiengründer, die sich jetzt schon melden können. Infos: www.stiftung-bad-nauheim.de.

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