Diskussion um Außenbewirtschaftung in Bad Nauheim

Public Viewing für viele Fans »wie ein großes Geschenk«

  • VonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Die Stadt Bad Nauheim duldet die Außenbewirtung für Lokale bis 24 Uhr. Das gilt während der Fußball-EM im gesamten Stadtgebiet. Der FDP-Fraktion geht das nicht weit genug.

Die Tische vor den Bad Nauheimer Lokalen waren während des EM-Spiels gegen Ungarn am Mittwoch voll besetzt. Angesichts des Resultats war die Stimmung unter den Gästen nicht top, was heute (18 Uhr) gegen England vielleicht anders wird. Schlecht war die Atmosphäre aber auch nicht. »Wir sitzen fröhlich beisammen und haben Spaß«, erklärte ein 32-Jähriger vor »Willy’s Pub« am Burgplatz.

Er und seine Freunde hatten sich über ein Jahr nicht gesehen. Daher findet der Bad Nauheimer die Idee der FDP-Fraktion gut, die Außenbewirtung während der Fußball-Europameisterschaft zu verlängern. Bis 24 statt bis 23 Uhr soll es nach Ansicht der Freidemokraten auf dem Markt- und dem Burgplatz möglich sein, Getränke und Snacks im Freien serviert zu bekommen.

Sofern sich das Ganze bewährt, plädiert die FDP dafür, die Erlaubnis über die EM hinaus zu verlängern. Die Liberalen hatten am Donnerstag einen Antrag ins Stadtparlament eingebracht, der aus Zeitgründen nicht mehr behandelt wurde. Mitte Juni hatte der Magistrat allerdings bereits beschlossen, die Außenbewirtung bis 24 Uhr zu dulden: Nicht nur auf den zwei Plätzen, sondern im ganzen Stadtgebiet, aber nur während der Dauer der EM.

Der FDP geht das nicht weit genug, wie Fraktionsmitglied Sven Klausnitzer dieser Zeitung erklärt. »Prinzipiell war die Idee, dass bei der EM einige Fußballspiele um 21 Uhr anfangen und mit Nachberichten zwei Stunden dauern.« Da die Fans pandemiebedingt hauptsächlich draußen sitzen, wäre es laut Klausnitzer sinnvoll, die Bewirtungszeiten zu verlängern. »Zusätzlich kann man schauen, dies bei einem guten Verlauf in Zukunft beizubehalten.« Ziel sei dabei auch, die Gastronomie zu stärken.

»Im Moment ist es ja immer besser, sich draußen aufzuhalten als drinnen. Man ist am Ende ja gezwungen, dass man reingehen muss, obwohl es vom Wetter her vielleicht noch gar nicht notwendig ist«, sagt Klausnitzer. Dass der Magistrat die Verlängerung duldet, sei das eine, »aber man braucht eine Rechtssicherheit - und das für alle.« Manch ein Gastronom sage: »Ich mache es, egal.« Andere hätten vielleicht Angst, ein Bußgeld zu kassieren.

Wirte wissen nichts vom Beschluss

Wie Stefan Ott von »Willy’s Pub« berichtet, ist das Lokal während der EM bis Mitternacht draußen offen. »Wir haben das Okay bekommen. Wir mussten fragen, hatten keinerlei Infos, nur von Politikern, die bei uns Stammgäste sind. Die haben uns zugetragen, dass es genehmigt ist und wir das jetzt machen dürfen.« Eine offizielle Mitteilung der Stadt sei nicht gekommen.

Laut Ott wäre es »absolut und definitiv« ein Wunsch, auch weiterhin bis 24 Uhr zu öffnen. »Gerade im Sommer ergibt das Sinn. Hören wir um 23 Uhr draußen auf, können wir eigentlich schließen. Danach kommt keiner mehr rein.« Die wenigsten Gäste nehmen laut Ott den Aufwand in Kauf, einen Corona-Test zu machen, um sich nach innen zu setzen. »Für uns ist diese Stunde wirklich ein gutes, ein großes Geschenk. Wir und die Gäste nehmen das sehr gerne an, gerade wenn es so schön warm draußen ist.«

Nachtruhe soll eingehalten werden

Wie Natalie Pawlik (SPD) schildert, befürwortet ihre Fraktion die Verlängerung bis 24 Uhr während der EM-Phase. »Natürlich schätzen wir auch die Nachtruhe - daher nur, solange EM ist.« Laut Markus Theis (FW/UWG) hatte seine Fraktion das Thema im Magistrat bereits angesprochen. »Da dies allein im Ermessen der Ordnungsbehörde liegt, kann das Stadtparlament das nicht beschließen«, sagte Theis. Nach der EM müsse man auf die gemachten Erfahrungen schauen. »Leider werden solche Regelungen manchmal nicht richtig gelebt«, gab Theis zu bedenken. Christdemokrat Manfred Jordis erklärte: »Die CDU begrüßt die Verlängerung der Außenbewirtung während der EM.« Allerdings dürfe es nur eine temporäre Maßnahme sein, da ansonsten eine unzumutbare Situation für die Anwohner entstünde.

Lee-Roy Kahnert aus Nieder-Mörlen, ein Gast von »Willy’s Pub«, sieht das anders: »Im Sommer sollte generell draußen bis 24 Uhr offen sein, bei schönem Wetter, von Juni bis Ende August.«

jw_Krank2_290621_4c

Rubriklistenbild: © Petra Ihm-Fahle

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare