sda_stangl2_300621_4c
+
Wegen Lieferengpässen ist der Preis für Holz in den vergangenen Monaten gestiegen, berichtet Jörg Stangl. Der Geschäftsführer des Bauzentrums Gerhardt in Butzbach sagt aber auch: Die Situation entspannt sich allmählich, auch wenn es noch ein wenig dauern wird, bis das auf dem Markt spürbar wird.

Baubranche

Preiserhöhungen und Lieferengpässe im Baugewerbe treffen die Wetterau

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
    schließen

Die Preiserhöhungen kamen schnell und unerwartet. Ob Holz, Dämmstoffe oder Kanalrohre - die komplette Baubranche ist betroffen. Hartmut Möller und Jörg Stangl sprechen über die Gründe.

Bad Nauheim – Höhere Preise, fehlende Waren, ungewisse Wartezeiten bei Bestellungen - »das konnten wir uns in Deutschland bisher gar nicht vorstellen. Weil wir seit Jahren immer alles haben«, sagt Hartmut Möller. Er ist Geschäftsführer Einkauf und Gesellschafterbetreuung der Eurobaustoff mit Sitz in Bad Nauheim. Als Kooperationszentrale für derzeit rund 450 mittelständische Fachhändler für Baustoffe, Holz und Fliesen kennt Möller die aktuellen Probleme in der Baubranche gut.

In den vergangenen Monaten hat sich die Situation zugespitzt - Preise haben sich erhöht, zum Teil verdoppelt, und manche Produkte - sei es die Dachlatte, das Kanalrohr oder der Farbeimer - sind nicht immer erhältlich.

Mangel auf Baustoffmarkt lässt Preise in der Wetterau steigen

Gründe dafür gibt es laut Möller viele: Der Baustoffmarkt ist ein globaler. Wenn es an einer Stelle hakt, macht sich das in der Produktionskette bemerkbar. Und wenn es, wie zurzeit, gleich mehrere Probleme gibt, schlägt sich das in der gesamten Branche nieder. Zahlreiche Faktoren seien dafür verantwortlich. Ein großer sei die Pandemie, sagt Möller: »Die hat weltweit zu einem Produktionsrückgang geführt«; wegen des Infektionsrisikos seien Fabriken über längere Zeit geschlossen gewesen bzw. mit weniger Personal betrieben worden. »Die Wirtschaft kam nahezu zum Erliegen.«

Ein weiterer Faktor sei der Rohstoffmangel: Zu wenige Rohstoffe gelangten in die Produktion, »dementsprechend können nicht genug Endprodukte produziert werden«. Das Resultat: »Das Produkt fehlt im Regal. Und da Angebot und Nachfrage das Preisgeschehen bestimmen, müssen alle mehr bezahlen.«

Noch vergangenes Jahr habe keiner diese Entwicklung voraussehen können, sagt Jörg Stangl, der Geschäftsführer des Bauzentrums Gerhardt in Butzbach. »Es kam Schlag auf Schlag. Zuerst gab es kaum mehr Dämmstoffe, dann waren es die Kanalrohre.« Ein weiteres Beispiel ist Holz: Hat eine drei Meter lange Dachlatte im vergangenen Dezember noch 1,46 Euro gekostet, lag der Preis am 1. April bereits bei 2,96 Euro. Ähnlich sieht es bei den Kanalrohren aus: 4,35 Euro mussten Kunden am 1. Dezember 2020 dafür zahlen. Zum 1. Juni waren es schon 6,60 Euro.

Knappe Baustoffe: Auch Wetterauer Heimwerker sind betroffen

Was laut Stangl hinzukommt: Wegen ungewisser Lieferzeiten könne er seinen Kunden keine verbindlichen Zusagen machen. Auch das ist ungewohnt für den deutschen Markt. Normalerweise sei, wenn etwas gefehlt habe, bestellt worden, und drei Tage später sei die Ware geliefert worden.

Spürbar wird das vor allem für Hausbauer, die ihre Finanzplanung gerade nach oben korrigieren müssen. Wer zum Beispiel vergangenes Jahr einen Neubau geplant und im Herbst Angebote eingeholt habe, müsse inzwischen rund 10 Prozent draufschlagen.

Aber nicht nur Bauherren sind von den Preissteigerungen betroffen. Auch für Heimwerker macht sich die Situation im Geldbeutel bemerkbar. Renovierungsarbeiten in der Wohnung, Gartenverschönerung - »die gesamte Branche ist betroffen«, sagt Möller.

Neben den Liefer- und Produktionsschwierigkeiten sei der »Run auf Produkte« zur Verschönerung des Zuhauses ein weiterer Faktor gewesen, der »den Flaschenhals noch enger gemacht hat«, wie Möller sagt. Wegen ausgefallener Urlaube durch die Pandemie habe es vergangenes Jahr einen regelrechten Heimwerker-Boom durch alle Sortimentsbereiche hindurch gegeben. »Manche haben die Wohnung gestrichen, andere habe sich eine Gartenhütte gebaut.«

Baustoffmangel: „Situation wie jetzt gab es noch nicht“

Es habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder Segmente gegeben, in denen es zur vorübergehender Materialknappheit gekommen sei, sagt Möller. Das habe sich jedoch relativ schnell wieder eingependelt. »Aber eine Situation wie jetzt gab es noch nicht.«

In vielen Fällen - und damit beginne der Teufelskreis - führe die Knappheit zu Hamsterkäufen: Handwerkerbetriebe, die Sorge haben, Aufträge nicht mehr ausführen zu können, kaufen frühzeitig die benötigten Materialien und lagern sie ein. »Dann liegt die Ware dort, wo sie aktuell nicht gebraucht wird.« Dennoch, glauben Möller und Stangl, wird sich die Situation wieder beruhigen. Die Preise würden zwar nicht mehr das vorherige Niveau erreichen. Doch was die Lieferengpässe angehe, entspanne sich die Situation. Gerade, weil nach wie vor viel gebaut werde: »Im Handwerk haben wir eine volle Auslastung« - das schaffe eine dauerhafte Nachfrage. Und damit werde die Produktion wieder angekurbelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare