An Ringen hangeln ist keine leichte Übung: Julia Meyer (Mitte) bekommt es hin.
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An Ringen hangeln ist keine leichte Übung: Julia Meyer (Mitte) bekommt es hin.

Powerfrau auf Wolke sieben

Bad Nauheim-Steinfurth (ihm). Durch Matsch robben, über schwierige Hindernisse steigen, das Ganze mit Tempo und über eine längere Distanz: Das war Tough Mudder, ein kräftezehrender Lauf, der in Hirzenhain veranstaltet wurde und in die Kategorie der Strongman Runs einzuordnen ist. Mit dabei war Rechtsanwältin Julia Meyer aus Steinfurth. Demnächst startet die Ausdauersportlerin im Team Deutschland bei einem Wettbewerb in Kanada.

Mit gleichmäßigen, schnellen Schritten joggt Julia Meyer den Weg entlang. Kurze Sporthosen, T-Shirt, Laufschuhe, wehendes Haar. Regelmäßiges Training ist jetzt besonders wichtig, denn eine erneute sportliche Herausforderung steht vor der Tür. Im November nimmt die 38-jährige Steinfurtherin an der Fulda Challenge teil, eine Kraftprobe, die im kanadischen Yukon veranstaltet wird. Um ins zweiköpfige Team Deutschland zu kommen, musste sie sich bewerben und vorab ihre sportliche Fitness unter Beweis stellen.

Meyer beendet den Trainingslauf, schnürt die Schuhe auf, stellt ein Glas Wasser vor sich. Für Sport interessierte sie sich schon immer, war bereits als Kind im Judo aktiv und trat für den Judoclub Wiesbaden später in der Bundesliga an. Während ihres Jura-Studiums stellte sie Judo etwas zurück, trieb Sport nur ab und an. Eines Tages surfte sie im Internet, stieß durch Zufall auf den Strongman am Nürburgring, einen sportlichen Wettbewerb, bei dem es anders als beim Ironman nicht nur auf Ausdauer ankommt, sondern in besonderem Maß auch auf Kraft und Geschicklichkeit. Die Teilnehmer müssen eine Strecke laufen, die zwischen 16 und 24 Kilometern lang sein kann. Dabei gilt es, zahlreiche Hürden zu überwinden, die nicht ohne sind.

Die Strongmen müssen beispielsweise durch Wasser tauchen, an Seilen klettern, über Reifenstapel steigen und Berge erklimmen. "Ich dachte, das wäre doch was für mich", erzählt Meyer.

Blut geleckt

Man glaubt es ihr sofort. "Du brauchst eine Hantel nur anzuschauen, schon hast du Muskeln", sagte mal jemand zu ihr. Seit einiger Zeit trainiert sie Cross Fit, eine Trainingsart, die sich noch nicht überall etabliert hat. Dafür muss sie nach Neu-Isenburg, was sie momentan einmal pro Woche tut, neben ihrem Judo- und Joggingtraining. Den Strongman schaffte sie seinerzeit, hatte Blut geleckt und meldete sich zu weiteren Läufen an. Dazu gehört auch der Tough Guy, der noch härter ist und in der Nähe von Birmingham auf die Beine gestellt wird. Härter vor allem wegen der Jahreszeit, im Januar. "Für mich war spannend zu sehen, ob ich die Temperaturen aushalte", schildert Meyer.

Auch beim Tough Guy gilt es zu tauchen und zu schwimmen, in Funktionskleidung und Schuhen. "Die Wasserhindernisse sind gefroren, das ist nicht sehr angenehm. Bei Tough Mudder in Hirzenhain war man hingegen froh, wenn Wasserhindernisse kamen, da es warm war." Die Läufe zu schaffen, beschere ihr ein Glücksgefühl. "Hinterher ist man auf Wolke sieben." Dreimal hat sie den Tough Guy schon mitgemacht.

Als sie nun auf die Fulda Challenge in Kanada stieß, musste sie sich zunächst bewerben. "Ich musste angeben, was ich an Sport mache und mich selber bewerten. Welche Note gebe ich mir in Laufen, Skifahren, Schwimmen und so weiter." Sie wurde zum Test nach Bad Wiessee eingeladen, musste sich mit zwei anderen Frauen messen, Läuferinnen oder Triathletinnen. Zunächst – als Jogging anstand – erwiesen sich die beiden als etwas stärker. Als Kraft abgefragt wurde, hatte aber Meyer die Nase vorn, beispielsweise bei den "maximalen" Liegestützen, bei denen der Oberkörper fast den Boden berührt und den maximalen Kniebeugen. Die Steinfurtherin bekam den Zuschlag, lernte ihren männlichen Teampartner kennen, der ihr bekannt vorkam. Auch er glaubte, sie schon zu kennen. "Vermutlich haben wir uns bei Läufen bereits gesehen."

Was im Yukon auf sie zukommt, weiß die Rechtsanwältin noch nicht. Skifahren, mit Schneeschuhen einen Berg hochlaufen, Schlittenhunde lenken, teilweise auch im Freien campieren – und das bei eisigen Temperaturen. Aufgeregt ist sie nicht – höchstens wegen des Flugs nach Kanada.

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