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Nicht zuletzt in der Parkstraße beschweren sich Anwohner über Aktivitäten von Autofahrern, die der Poser-Szene zugerechnet werden. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Wetterau

Kampf gegen Auto-Poser in Bad Nauheim: BI sieht Nachholbedarf

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Polizei und Stadt Bad Nauheim beschäftigen sich seit Anfang März mit der Frage, wie der Auto-Poser-Szene begegnet werden kann. Die Bürgerinitiative, die den Stein ins Rollen gebracht hat, begrüßt zwar die bisherigen Aktivitäten, sieht aber noch Nachholbedarf. Das gilt vor allem für die Rolle der Stadtverwaltung.

Wenn in den späten Abendstunden oder nachts in der Innenstadt Motoren laut röhren, riskante Fahrmanöver praktiziert werden oder Autos mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind, ruft das einige Bürger Bad Nauheims auf den Plan.

Sie haben sich vor gut zwei Monaten unter dem Motto »Stop!Posing - Gegen Verkehrsterror in Bad Nauheim« zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Gespräche mit der Polizeiführung in Friedberg und Vertretern der Stadt wurden geführt. Die Polizei spricht zwar nicht von einer Poser-Szene, sieht aber gleichwohl eine Belästigung der Anwohner. Seit Anfang März wird verstärkt kontrolliert.

Auto-Poser in Bad Nauheim: BI sieht kein Indiz für Entwarnung

»Wir freuen uns, dass die Polizeibehörde Friedberg ein Maßnahmenpaket gegen Auto-Poser erarbeitet hat und dieses konsequent umsetzt«, betonen die BI-Sprecher Sven Diederichs und Vincent El-Haidag. Die Verantwortlichen hätten allerdings immer noch nicht erkannt, dass das Risiko Auto-Posing nicht allein über die Anzahl der Verursacher bestimmt werde, sondern im Wesentlichen über die Höhe des potenziellen Schadens. »Unklar bleibt auch, auf welcher Grundlage die Polizeibehörde behaupten kann, dass die Lage nicht so dramatisch ist, wie von den betroffenen Bürgern geschildert wird«, heißt es in der BI-Mitteilung weiter.

Die Schilderungen der Bürger beruhten auf den Erfahrungen des Sommers 2020, die Erkenntnisse der Polizei bezögen sich dagegen nur auf die Monate Februar und März 2021. »Da die öffentliche Wahrnehmung eine Grundmotivation für Auto-Poser ist, wird die Raserei zunehmen, wenn an den Sommerabenden wieder mehr Menschen in der Stadt unterwegs sind. Die aktuellen Zahlen sind also kein Indiz für Entwarnung«, erklären Diederichs und El-Haidag.

Bad Nauheim sei keine gewöhnliche Stadt, sondern ein Kurort, der gegenüber Investoren als Gesundheitsstadt mit hoher Lebensqualität auftrete. Insofern stehe das zentrale Geschäftsmodell der Stadt auf dem Spiel. Ungeachtet dessen zeige die Verwaltung »kein Bestreben, dem Thema Auto-Posing mehr Priorität einzuräumen«. Begründet werde diese Haltung nicht mit Fakten, sondern mit allgemeinen Annahmen und Mutmaßungen über das nächtliche Geschehen, mit Hinweisen auf nicht repräsentative Ergebnisse von Geschwindigkeitsmessungen sowie mit nicht nachvollziehbaren Behauptungen in Bezug auf Zuständigkeiten und Prioritäten. »Im Ergebnis ist das nichts anderes, als die erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität von betroffenen Bürger als belanglos zu erklären«, meinen die BI-Sprecher.

Auto-Poser in Bad Nauheim: BI erwartet „deutlich mehr Engagement“ von Stadt

Bis heute habe die Stadt weder eine Strategie noch einen Maßnahmenkatalog vorzuweisen und - jenseits polizeilicher Mittel - auch kein Konzept, um den Innenstadtverkehr nachhaltig zu reduzieren. Die BI-Anfrage, ob und inwieweit das Ordnungsamt verstärkt gegen Auto-Poser eingesetzt werden soll, sei unbeantwortet geblieben. »Vor diesem Hintergrund erscheinen die täglichen Kontrollen von Falschparkern zulasten sinnvoller Maßnahmen gegen Auto-Poser vielen Bürgern als eine Provokation.«

Die BI sieht das Risiko eines tödlichen Unfalls und erwartet von der Stadt »professionelle Konzepte und deutlich mehr Engagement«.

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