Bau von "Kettenhäusern" in Bad Nauheim-Süd: Sieht so die Zukunft der Gesundheitsstadt aus? Ehemalige Magistratsmitglieder haben da ihre Zweifel und fordern ein Leitbild für die Stadt. FOTO: PV
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Bau von "Kettenhäusern" in Bad Nauheim-Süd: Sieht so die Zukunft der Gesundheitsstadt aus? Ehemalige Magistratsmitglieder haben da ihre Zweifel und fordern ein Leitbild für die Stadt. FOTO: PV

"Polit-Opas" fordern Leitbild

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Bad Nauheim(jw/pm). In Bad Nauheim herrscht ein Bau-Boom. Neue Häuser und Wohnungen entstehen, die Stadt prosperiert. Gute Sache. Aber alles hat seine zwei Seiten, wie Dr. Peter Woelfing und Wolfgang Iser vom Freundeskreises ehemaliger Magistratsmitglieder in einer Pressemitteilung schreiben.

Bad Nauheims Aufstieg von der einst - statistisch bzw. einwohnermäßig gesehen - "ältesten Stadt" der damaligen Bundesrepublik zu einer der attraktivsten Wohnorte heute sei genauso bemerkens- wie begrüßenswert.

Dieser Attraktivitätszuwachs habe zahlreiche Gründe, schreiben Woelfing und Iser: "Die zentrale Lage, die gute Anbindung an Rhein-Main, das Gesundheits- wie Freizeitangebot, die Kindergärten, aber auch das liebenswerte Flair des Städtchens selbst, um nur einige zu nennen." Durch die Ausweisung mehrerer Baugebiete in den letzten Jahren hätten viele junge Familien hier eine Heimat gefunden.

Doch genau an diesem Punkt sehen die ehemaligen Magistratsmitglieder auch eine Kehrseite der Medaille. Regelmäßig treffen sich seit mehreren Jahren etwa alle sechs Wochen Ehrenstadträte und diskutieren unter anderem über die Entwicklung Bad Nauheims. Selbstironisch nennen sie sich "Polit-Opas". Mittlerweile ist daraus ein Freundeskreis geworden, über Parteigrenzen hinweg. Gemeinsam ist allen der hohe Identitätswert mit ihrer Stadt, in der sie so lange ehrenamtlich Verantwortung getragen haben.

Aus diesem Kreis fühlen sich zwei ehemalige Magistratsmitglieder aufgrund der Bedeutung dieses Themas für die Stadt "verpflichtet, damit an die Öffentlichkeit zu gehen".

Baugebiet Süd als Denkanstoß

Die Ausweisung bzw. mittlerweile Bebauung des jüngsten Baugebietes Bad Nauheim-Süd gab den Anlass zur Fragestellung, wie weit und um welchen Preis Bad Nauheim noch wachsen soll.

Betrachte man in Bad Nauheim-Süd die "so hochgelobten Kettenhäuser", könne man sich des Eindruckes nicht erwehren, in einem Großstadtviertel zu sein. "Fährt man entlang der B 3 Richtung Friedberg und sieht vor seinem geistigen Auge die umstrittene, aber geplante Bebauung längs der Straße und der Bahn, so liegt der Gedanke nicht mehr allzu fern, dass Bad Nauheim und Friedberg eins werden. Ob dann noch unser Qualitätsmerkmal ›Bad‹ und ›Gesundheitsstadt‹ aufrechterhalten werden kann, dürfte mehr als zweifelhaft sein."

Die Ehrenstadträte zählen aktuelle und künftige Bauvorhaben auf: In unmittelbarer Nähe des Usa-Wellenbades enstehe neben einem Hochhaus ein ebenfalls sehr umstrittenes zweites. Weiter in Planung ist die Umwidmung der ehemaligen Zahnfabrik. Am Taubenbaum sowie rund um den Bahnhof soll gebaut werden, in Prüfung ist auch die Bebauung des dann ehemaligen Eisstadions mit einer derzeit kaum vernünftig lösbaren Verkehrsproblematik. Darüber hinaus in Prüfung ist die Bebauung des Erweiterungsgeländes am Nieder-Mörler Friedhof. Woelfing und Iser: "Irgendjemand kommt vielleicht noch auf die Idee, das Areal um den Johannisberg zu bebauen."

"All dies zwingt nach unserer Meinung zum Nachdenken. Bad Nauheim braucht dringend ein Leitbild für die Zukunft unserer so liebenswerten Stadt." Die Kernfrage dabei laute: "Soll Bad Nauheim um jeden Preis weiter in dieser Rasanz wachsen oder wollen wir die Liebenswürdigkeit und damit Wohnqualität einer Stadt erhalten, die trotz oder gerade wegen ihrer überschaubaren Größe so viel zu bieten hat?"

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