Arbeiten im künftigen Greifvogelpark: Das Rohgerüst der ersten Hütte steht. Für Stefanie Friedemann, Stefan Zwätz und Ernst Marscheck gibt es auf dem Gelände im Goldsteinpark aber noch viel zu tun.		FOTOS: HEDWIG ROHDE
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Arbeiten im künftigen Greifvogelpark: Das Rohgerüst der ersten Hütte steht. Für Stefanie Friedemann, Stefan Zwätz und Ernst Marscheck gibt es auf dem Gelände im Goldsteinpark aber noch viel zu tun. FOTOS: HEDWIG ROHDE

Greifvogel-Kehrpfad entsteht

Bad Nauheim: Pläne im Goldsteinpark nehmen Gestalt an - Platz für 20 Uhus, Adler und Bussarde

  • vonHedwig Rohde
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Es geht voran: Bereits im Herbst soll der Greifvogel-Lehrpfad im Goldsteinpark eröffnet werden. Die Greifvogelfreunde Bad Nauheim haben seit Februar 3500 Arbeitsstunden in ihr Projekt investiert.

Nach 13 Jahren stehen Stefan Zwätz und Ernst Marscheck kurz vor dem Ziel: Spätestens im Oktober dieses Jahres hoffen sie ihren Greifvogel-Lehrpark im Goldsteinpark eröffnen zu können. Seit Februar schuften sie dafür zehn Stunden täglich, und inzwischen kann man sich vorstellen, wie das Gelände einmal aussehen wird.

Seit dem Beginn der Arbeiten am 6. Februar haben Zwätz, Marscheck und Stefanie Friedemann jede freie Minute am Goldstein verbracht und schätzungsweise 3500 Arbeitsstunden geleistet. Nun ist das dichte Gestrüpp aus Weiß- und Schwarzdornsträuchern sowie wilden Rosen im 2000 Quadratmeter großen Rund des künftigen Lehrparks gerodet. Der Boden ist nach dem Ausbaggern der tiefen Wurzeln eingeebnet, die Erde darauf fein säuberlich gerade geschoben.

Eine längliche Anpflanzung mit Bäumen und Blumen im Mittelteil wird mehrere Funktionen erfüllen, soll unter anderem der Auflockerung und Strukturierung des Geländes dienen. Eine daneben liegende Wasserstelle, deren Loch bereits ausgehoben ist, dient als Tränke für Vögel und andere Tiere. Auch an Insekten wurde gedacht, durch die Aussaat von Bienenwiesen-Samen auf quadratmetergroßen Feldern.

Für das gerodete Strauchwerk wurde eine neue Verwendung gefunden: Es ist sorgfältig als etwa eineinhalb Meter hohe Benjeshecke am Rand des Areals aufgeschichtet. Schon nach wenigen Monaten bahnen sich neue Triebe ihren Weg durch das Totholz. »Bis das gerodete Material in einigen Jahren verwittert, bildet es die Basis für eine natürliche, dichte neue Einfriedung unseres Parks, die wir auch nur auf der Innenseite beschneiden werden«, erläutert Stefan Zwätz.

Präsentation bei der Landesgartenschau

Bereits 2007, im Vorfeld der Landesgartenschau, hatten er und Ernst Marscheck die Einrichtung ihres Greifvogel-Lehrparks beantragt. Bei der Landesgartenschau durften sie an einem Stand ihre Lieblinge zeigen. Sechs an der Zahl sind es, mehr sind auf dem Privatgelände von Ernst Marscheck nicht zugelassen.

Marscheck selbst wurde bereits als Kind für Vögel begeistert, von seinem Großvater, der Tauben züchtete. Nachdem der Enkel eine kleine Waldohreule gefunden und wieder aufgepäppelt hatte, wollte er allerdings von Tauben nichts mehr wissen. »Mit dem Großvater gab das dann schon einige Konflikte«, räumt Marscheck ein. Er ließ sich zum Falkner ausbilden und ist der offizielle Vogelwart des Vereins Greifvogelfreunde Bad Nauheim, der 2017 als Träger des geplanten Lehrparks gegründet wurde.

Irgendwann hatte sich Marscheck mal wieder mit seinem alten Freund Zwätz getroffen. Der ist seit vielen Jahren Mitglied der Friedberger Sektion der »Schlaraffia«, einer 1859 in Prag gegründeten, weltweiten deutschsprachigen Vereinigung zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor. Deren Wappentier ist der Uhu, und als Zwätz bei Marscheck einen Uhu entdeckte, war er »schockverliebt«. Seither ist er ebenfalls Greifvogelfreund mit Leib und Seele. Inzwischen sind beide Männer in Rente und können deshalb ihr Park-Projekt in Vollzeit vorantreiben, unterstützt von der Kassenwartin Stefanie Friedemann, die Corona-bedingt in den letzten Monaten viel Freizeit hatte.

Zuhause für bis zu 20 Greifvögel

Das Lehrparkgelände liegt direkt oberhalb des Parkplatzes, den bisher vor allem Spaziergänger und die Besucher der Kiks up-Akademie nutzen. Von Westen wird der Zugang erfolgen, durch ein stabiles Tor. Am östlichen Rand des Lehrparks werden sich die großen Volieren aneinanderreihen; bis zu 20 Greifvögel dürfen hier untergebracht werden. Auch eine besonders geräumige Zuchtvoliere wird aufgebaut. »Wir werden nicht in großem Stil züchten, nur für den Eigenbedarf«, erläutert Zwätz. Vorgefertigt werden die Volieren in einer Werkstatt, die Marscheck, von Beruf Schlosser, dafür nutzen darf.

Überhaupt erhalten die Greifvogelfreunde viel Unterstützung, finanziell wie durch Sachspenden oder aktive Hilfe unter anderem bei der Installation der Sanitäreinrichtungen. 15 000 Euro werden sie letztlich aufbringen müssen, vor allem für Material. Elektro- und Wasseranschluss sind gelegt, das Gerüst einer Hütte steht bereits, ebenso das Fundament einer zweiten. Auch das Sicherheitskonzept ist bereits fertig und wartet auf seine Umsetzung.

Im September, spätestens im Oktober soll der Greifvogelpark seine Pforten öffnen und Familien ebenso wie Kindergärten und Schulklassen den direkten Zugang zur faszinierenden Welt der Greifvögel ermöglichen. Wie die Eröffnung aussehen wird? »Das wissen wir noch nicht, das hängt davon ab, wie die Kontaktbestimmungen dann aussehen«, sagt Zwätz. Und dann packen alle Drei wieder ihre Schaufeln und Hacken: Es ist noch viel zu tun!

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