WZ-Gespräch mit Abstand und draußen: Regionalvorstand Oliver Pitsch (l.) und Rettungsassitent Claus Zöller stehen Rede und Antwort.
+
WZ-Gespräch mit Abstand und draußen: Regionalvorstand Oliver Pitsch (l.) und Rettungsassitent Claus Zöller stehen Rede und Antwort.

Rettungseinsätze

»Der Plan hat gegriffen«: Wie die Johanniter in Bad Nauheim die Corona-Krise meistern

  • vonHarald Schuchardt
    schließen

Oft ist über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Krankenhäuser gesprochen worden. Doch was ist mit dem Rettungsdienst? Die WZ hat bei den Johannitern in Bad Nauheim nachgehört.

Das Johanniterhaus neben der Feuerwache der Bad Nauheimer Kernstadtwehr ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie für Besucher tabu. »Hier darf nur noch rein, wer hier arbeitet«, sagt Regionalvorstand Oliver Pitsch. So findet das WZ-Gespräch mit Pitsch, seinem Stellvertreter Benjamin Nentwig und Rettungsassistent Claus Zöller vor den Garagen des Johanniter-Komplexes statt: »Wir sind sehr gut aufgestellt. Unsere Mitarbeiter wachsen über sich hinaus«, sagt Pitsch, der seit zwölf Jahren im Regionalverband Rhein-Main der Johanniter an verantwortlicher Stelle tätig ist.

Was Pitsch nicht erwartet hat, ist der bisher niedrigste Krankenstand, den »ich, seitdem ich die Verantwortung trage, noch nicht erlebt habe«. Etwas überraschend ist die Aussage von Pitsch und Zöller, dass sich im Alltag der Rettungsdienstmitarbeiter gar nicht so viel geändert habe. Pitsch führt dies auf den schon lange vor dem Coronavirus erstellten Pandemieplan zurück: »Der Plan hat gegriffen und wurde von uns voll umgesetzt.«

So waren alle Wachen jederzeit mit ausreichender Schutzkleidung und Desinfektionsmittel ausgestattet, auch »wenn es einmal etwas eng war, doch unsere langjährigen Zulieferer haben uns nicht im Stich gelassen«, erläutert Pitsch, der immer wieder die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Wetteraukreises lobt.

Johanniter Wetterau: Zahl der Einsätze ist zurückgegangen

Gegenüber dem April 2019 wurden bei der Johanniter-Unfallhilfe (JUH) im Wetteraukreis rund 100 Einsatzfahrten weniger gezählt. Ein Grund dafür ist der Wegfall der »Hauseinsätze«, wie die Rettungskräfte die Fahrten zu Kranken nach Hause bezeichnen, die nur leicht erkrankt sind und eigentlich zum Hausarzt hätten gehen müssen.

Zugenommen hat die Zahl der Fahrten mit Infizierten, wobei es für Pitsch und Zöller keinen Unterschied zwischen einem an Covid-19 oder einem an einer hochansteckenden Meningitis leidenden Patienten gibt. »Solche Fälle haben wir schon immer unter Vollschutz gefahren. Das ist für uns Alltag«, erzählt Zöller, der seit seinem Zivildienst 1988 bei der JUH tätig ist. Allerdings mussten der 54-Jährige und seine Kollegen den Vollschutz öfter tragen als vor dem Ausbruch der Pandemie. »Es gab Tage, da haben wir drei oder vier Patienten mit Corona-Verdacht transportiert«, sagt Zöller. Oft waren dies Fahrten vom Hochwaldkrankenhaus in die Kerckhoff-Klinik, einer der Corona-Schwerpunkt-Kliniken. »Inzwischen hat das etwas nachgelassen.«

Zöller berichtet, manche Patienten hätten keinen Mund-Nasen-Schutz getragen. »Wenn du schon keine Luft bekommst, willst du halt keine Maske aufsetzen,« erklärt Zöller, der nach jedem Einsatz mit seinen Kollegen den Rettungswagen entsprechend desinfiziert und dann auf den nächsten Einsatz vorbereitet. Letzteres erledigen während des WZ-Besuchs gerade Rettungsassistentin Anna-Lena Röhn und Notfallsanitäter Edwin Klingelhöfer.

Johanniter Wetterau: Unterricht geht online weiter

Mit dabei ist oft ein Auszubildender, denn »die Ausbildung vor Ort geht ja weiter, und wir brauchen den Nachwuchs«, sagt Pitsch. Der Berufsschulunterricht findet online statt, so wie viele weitere Tätigkeiten bei der JUH. »Wir haben die Verwaltung auf Home-Office umgestellt.«

Der Regionalvorstand beklagt einen Wegfall von Einnahmen beim Sanitätsdienst und bei den sozialen Diensten. Die Arbeit der Johanniter gehe aber in allen Bereichen weiter. »Wir versuchen sogar, mehr da zu sein als vor Corona.« Das gilt für den Hausnotruf ebenso wie für den Menü-Service und andere Betreuungsangebote, denn »die Johanniter machen viel mehr als nur das Blaulichtgeschäft«.

Ein aktuelles Zusatzangebot ist das »regionale Zuhörtelefon«. Jeder, der einfach mal reden will und jemanden zum Zuhören braucht, sollte die Telefonnummer 0 60 32/9 14 65 32 wählen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare