Blick auf die Felder hinter der "Gickelsburg": Würde die neue Eislauf-Multifunktionshalle in der Talaue zwischen Bad Nauheim und Friedberg errichtet, würde ein wichtiger Naherholungsraum zerstört, befürchten Anwohner aus dem Süden der Kurstadt.
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Blick auf die Felder hinter der »Gickelsburg«: Würde die neue Eislauf-Multifunktionshalle in der Talaue zwischen Bad Nauheim und Friedberg errichtet, würde ein wichtiger Naherholungsraum zerstört, befürchten Anwohner aus dem Süden der Kurstadt.

Multifunktionshalle in der Talaue geplant

Neues Eisstadion in Bad Nauheim: Leiser Widerstand regt sich

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Der EC Bad Nauheim und die Stadt planen den Neubau einer Eissport-Arena. Das Projekt steht ganz am Anfang, doch bereits jetzt regt sich leiser Widerstand der Anwohner.

Das alte Eisstadion im Kurpark ist marode, verschlingt Millionen an Sanierungskosten. Seit Jahren gibt es Pläne, eine neue Arena an einem anderen Ort zu bauen. Vor zwei Wochen stellten Stadt und EC eine Projektskizze vor. Die WZ schrieb: »Jetzt beginnt die Überzeugungsarbeit in Gremien, bei Investoren, Standortnachbarn und in der Bevölkerung.«

Markus Theurer, Maike Neuendorff und Daniel Höfelmann haben nichts gegen Eishockey. »Beachtlich für unsere Stadt, dass wir eine Mannschaft in der 2. Liga haben«, sagt Theurer. »Zu den Derbys gehe ich ins Stadion«, sagt Höfelmann. Die Vorstellung aber, dass in der Talaue auf einem 3 Hektar großen Areal, auf dem gerade Mais wächst, eine Multifunktionsarena samt Parkplätzen entstehen soll, behagt ihnen weniger. Man sei »in mehrerlei Hinsicht besorgt«, heißt es in einem Brief an die Stadt und die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung.

Die Bürger wünschen sich mehr Informationen und eine öffentliche Diskussion über das Bauprojekt. Schließlich gehe es um eine Entscheidung, mit der die Bürger der Stadt jahrzehntelang leben müssten. Höfelmann fragt sich, ob die Stadt ein solches Projekt neben dem Bau der Therme finanziell stemmen kann. »Die Kosten tragen am Ende die Steuerzahler.« Neuendorff: »Wir haben viele Fragen und wollen Antworten.«

Neues Eisstadion in Bad Nauheim: Bürger erwarten Lärm und Müll

Wünscht sich die Mehrheit der Bad Nauheimer tatsächlich eine neue Multifunktionshalle? Darüber könne eine Bürgerversammlung Klarheit verschaffen, heißt es in dem Brief an die Politik, der von rund 50 Bürgern unterschrieben wurde. Ein Bürgerentscheid solle in Betracht gezogen werden. Mehr Transparenz wird gefordert. Die vorliegenden Studien sollten auch den Bürgern öffentlich gemacht werden.

Auch zur Wahl des Standortes gibt es Fragen. Die Anwohner befürchten »Lärm und Verkehrsbelastung für Hunderte von Familien« im Griesbrei-Viertel und in Bad Nauheim-Süd. Ziehen Fans nach dem Spiel Richtung Innenstadt, erwarten die Unterzeichner »gravierende Probleme mit Vandalismus, Vermüllung und Belästigungen durch Fans unter Alkoholeinfluss«, Staus am Esso-Kreisel und »Wildparker«. Welche Alternativen gibt es? Ist eine Modernisierung des alten Stadions ausgeschlossen?

Neues Eisstadion in Bad Nauheim: Kann sich die Stadt das leisten?

Nächster Fragenkomplex der Bürger: die Finanzen. Der nächste Schritt der Stadtverwaltung soll sein, eine Vorentwurfsplanung für 190 000 Euro an ein Architektenbüro zu vergeben. Sind diese Steuergelder zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich gut angelegt?

»Wer schließt mögliche finanzielle Lücken im Betrieb der Anlage, wenn das Geschäftskonzept nicht aufgeht?« Und was, wenn sich der EC »sportlich und wirtschaftlich schlechter entwickelt als erhofft«? Die Bürger machen sich Sorgen, dass durch das Großprojekt das Geld für andere Zwecke fehlt.

Bleibt ein vierter Kritikpunkt in dem Schreiben an die Politiker, »Natur und Landschaft« überschrieben. »Die Talaue ist für die Bewohner des Griesbreiviertels enorm wichtig«, sagt Maike Neuendorff. »Hier sind Spaziergänger mit Hunden, Jogger und Radfahrer unterwegs, es gibt Störche Reiher, Hasen und Pferde. Die Talaue hat eine wichtige Erholungsfunktion.«

Im Brief heißt es, die Talaue sei im Flächennutzugsplan als »Regionalparkkorridor« ausgewiesen. Die Multifunktionsarena würde den Grünraum »unwiederbringlich« durchschneiden und den Lebensraum vieler Tierarten angreifen. »Dies stellt einen unwiederbringlichen Verlust dar, der sehr gut begründet sein sollte.«

Neues Eisstadion in Bad Nauheim: Dialog statt Konfrontation

Theurer, Neuendorff und Höfelmann wünschen sich einen Dialog der Politik mit den Bürgern. Eine Bürgerinitiative zu gründen haben sie derzeit nicht ins Auge gefasst. Die »Schlammschlachten« um die Ludwigstraße und die Wohnbebauung am Sprudelhof lassen die Initiatoren des Schreibens davon erst einmal abrücken. Höfelmann: »Wir wollen keine Fronten aufbauen.« Überrascht sind die Bürger gleichwohl, dass es bislang von der Stadtverwaltung keine Reaktion auf ihr Schreiben von vor zehn Tagen gibt. »Allerdings meldete sich der EC bei uns, an den wir den Brief gar nicht geschickt hatten«, sagt Theurer. Rückmeldungen gab es außerdem von CDU, FDP und Grünen.

Neues Eisstadion geplant

Von einer »Arena-Vision« schrieb die WZ, als Stadt und EC vor gut zwei Wochen eine Studie zum Bau einer Multufunktionsarena in der Talaue vorstellten: Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Auf einem rund 3 Hektar großen Acker zwischen Sportpark und Autohaus Marnet sollen eine zweistöckige Trainingshalle und ein sich anschließendes dreistöckiges Stadion entstehen. Die Halle soll neben dem Eissport auch für Konzerte oder Veranstaltungen von Vereinen genutzt werden. Hinter der »Gickelsburg«, dem Wohnhaus auf dem Gelände des Autohauses, sollen Parkplätze entstehen. Es wird mit Investitionskosten von 35 Millionen Euro gerechnet, der EC führt Gespräche mit Investoren. Die Stadt würde jenen Betrag zuschießen, den sie auch für weitere Sanierungsarbeiten am alten Stadion zur Verfügung stellen würde. Jährlich sollen das 400 000 Euro sein.

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