In diesem zentral gegenüber dem Bahnhof gelegenen Gebäude werden Eigentumswohnungen entstehen. Der neue Eigentümer hat kein Interesse, das Pflegeheim weiterzuführen.
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In diesem zentral gegenüber dem Bahnhof gelegenen Gebäude werden Eigentumswohnungen entstehen. Der neue Eigentümer hat kein Interesse, das Pflegeheim weiterzuführen.

Am Bahnhof

Pflegeheim wird geschlossen, Wohnungen entstehen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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An Demenz erkrankte Menschen wollen keine Veränderungen. Doch manchmal geht es nicht anders. In Bad Nauheim wird das Pflegeheim Haus Württemberg II geschlossen, die Bewohner ziehen um.

Im März erhielt der Bad Nauheimer Necati Yapicioglu eine unerfreuliche Nachricht. In den zurückliegenden zwei Jahre wusste er seine an Demenz und Parkinson erkrankte Mutter in einer Pflegeeinrichtung untergebracht, die unweit seiner Wohnung zu finden ist. Die Frau wurde im Haus Württemberg II des Konzerns Dorea-Familie betreut, direkt gegenüber dem Bad Nauheimer Bahnhof.

Damit wird es bald vorbei sein, erfuhr Yapicioglu, denn das Pflegeheim - eine von fünf Senioreneinrichtungen des Unternehmens in der Kurstadt - soll Ende Juni geschlossen werden, wie Heimleiterin Nancy Bonigutt bestätigt. Grund: Das altehrwürdige Gebäude in der Bahnhofsallee 10 ist verkauft worden. Der neue Eigentümer plant die Errichtung von Wohnungen.

»Ein Umzug in Corona-Zeiten. Ist das überhaupt rechtens?«, fragte sich Yapicioglu zunächst. Die Antwort hat er sich inzwischen selbst gegeben, eine Handhabe gegen Verkauf und Auflösung des auf Demenzkranke spezialisierten Hauses gibt es nicht. Der Bad Nauheimer hätte sich gewünscht, früher über die Pläne der Dorea-Familie in Kenntnis gesetzt worden zu sein, um sich ausgiebig über alternative Unterbringungsmöglichkeiten für seine bettlägerige Mutter informieren zu können.

Bad Nauheim: Umzug in Gambacher Heim

Er selbst fand zunächst kein anderes geeignetes Pflegeheim, konnte dann aber ein Angebot des Konzerns nutzen. »Zusammen mit 30 weiteren Bewohnern des Hauses Württemberg II ist meine Mutter bereits am 12. Mai in ein Pflegeheim in Münzenberg-Gambach umgezogen.« Laut Heimleiterin Bonigutt gehört diese Einrichtung ebenfalls zu Dorea.

Möchte er seine Mutter besuchen, muss Yapicioglu künftig eine recht weit Anfahrt auf sich nehmen. »Zudem sind die Kosten höher als bisher. Den Umzug musste ich selbst finanzieren.«

Nach Auskunft der Dorea-Geschäftsführung und von Heimleiterin Nancy Bonigutt ist die Schließung der Einrichtung unvermeidlich, weil der neue Immobilien-Eigentümer die Pflege an diesem Standort nicht fortführen möchte. Von den fünf Dorea-Einrichtungen in Bad Nauheim werde nur das Haus Württemberg II aufgegeben, in den übrigen vier laufe der Betrieb wie gewohnt weiter.

Gegenüber dem Bahnhof standen bislang 65 Pflegeplätze zur Verfügung, »Für die Bewohner haben wir neue Wohnplätze in der Umgebung gefunden. Der Großteil ist in andere Einrichtungen der Dorea-Familie umgezogen«, schreibt Bonigutt.

Ihren Angaben zufolge hat das Unternehmen allen 56 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bislang im Haus Württemberg II tätig waren, eine Weiterbeschäftigung in anderen Dorea-Einrichtungen in der Region angeboten.

Bad Nauheim: Schließung schon 2011 im Gespräch

Seit 22 Jahren ist die Margarethenhof GmbH, die inzwischen Teil des Dorea-Konzerns ist, in Bad Nauheim aktiv. Das Unternehmen betreibt an diesem Standort fünf Senioren- und Pflegeheime, das 1999 eröffnete Haus Württemberg II, spezialisiert auf Demenzkranke, wird Ende Juni aufgegeben. In Haus Württemberg I (Küchlerstraße 4), Haus Christa (Frankfurter Straße 10), Haus Regina (Küchlerstraße 8) und Haus am Sprudelhof (Bahnhofsallee 3) werden in erster Linie Menschen mit psychischen Erkrankungen betreut.

Schon 2011 gab es Pläne, die Häuser Württemberg I und II zu schließen, um in beiden Gebäuden Eigentumswohnungen errichten zu können. Die Bewohner sollten in einen Neubau umziehen, den ein Investor am Kaiserberg hochziehen wollte. Diese Pläne scheiterten am Widerstand der dortigen Anlieger, die kein Pflegeheim in ihrer Nachbarschaft haben wollten. Dieser Teil des Projekts wurde gestrichen, stattdessen baute die Wiesbadener Domus Real GmbH am Kaiserberg zusätzliche Eigentumswohnungen.

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