Pfarrer Ulrich Becke hat bald mehr Zeit für seine Ehefrau, die Familie, fürs Fitnessstudio und kulturelle Hobbys - und natürlich für die drei Katzen Toni, Amelie und Zippo. Foto: Weigelt
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Pfarrer Ulrich Becke hat bald mehr Zeit für seine Ehefrau, die Familie, fürs Fitnessstudio und kulturelle Hobbys - und natürlich für die drei Katzen Toni, Amelie und Zippo. Foto: Weigelt

Nach 37 Jahren

Pfarrer Dr. Ulrich Becke geht in den Ruhestand

  • vonCorinna Weigelt
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Nach 37 Jahren Dienst in Bad Nauheim und 16 Jahren als Ökumenepfarrer im Evangelischen Dekanat Wetterau verabschiedet die evangelische Kirchengemeinde Pfarrer Dr. Ulrich Becke am Sonntag in den Ruhestand.

Genießen möchte der baldige Pfarrer im Ruhestand die neu gewonnene Zeit mit seiner Ehefrau, der Familie und den drei Katzen Toni, Amelie und Zippo. Ebenso pflegt Dr. Ulrich Becke viele kulturelle Hobbys: Opernbesuche, Literatur und Reisen. Aber auch mit den Menschen in der Bad Nauheimer Gemeinde möchte er weiterhin in Kontakt bleiben, erzählt er im Gespräch mit der WZ.

Geboren und aufgewachsen ist Becke im Vogelsbergkreis, im kleinen Dorf Burg-Gemünden. Schon in jungen Jahren verschlug es ihn das erste Mal nach Bad Nauheim. "Als Ibn Saud in der Kurstadt war", wie er sich erinnert. "Meine Eltern wollten sich das alles mal anschauen." Relativ früh stand für Ulrich Becke auch fest, dass er später einmal den Beruf des Pfarrers ausüben möchte. Diesem Wunsch ging er zielstrebig nach. Seine Vikariatszeit verbrachte er bis Ende 1981 in Butzbach, am 1. Oktober 1982 begann er seinen Dienst als Pfarrer in der Kurstadt. "Am gleichen Tag wurde Helmut Kohl als Bundeskanzler vereidigt."

Viele Projekte hat Pfarrer Ulrich Becke während seiner Berufsjahre in Bad Nauheim auf den Weg gebracht. Toleranz, Respekt und der interreligiöse Austausch unter den Kulturen standen dabei stets im Mittelpunkt. So auch der Dialog der Religionen, den Becke als Pfarrer der Ökumene aktiv gefördert hat. Die Kooperation und Zusammenarbeit mit jüdischen und muslimischen Mitbürgern war ihm stets ein wichtiges Anliegen. Ebenso die Akzeptanz für Kinder in der Gemeinde. In all seinen aktiven Jahren habe er viele positive Veränderungen beobachten können, sei es in den Kindereinrichtungen oder in den Gottesdiensten. "Heute dürfen Kinder in der Kirche lebendig und fröhlich sein."

Was die zahlreichen Gottesdienste angeht, blickt Becke auf viele besondere Momente zurück. "Der Mitternachtsgottesdienst an Heiligabend, den ich über lange Jahre mit einem Gemeindekreis gemeinsam vorbereitet und gestaltet habe. Und jedes Jahr um 6 Uhr morgens der Osterfrühgottesdienst", schwärmt er. Aber auch viele Trauungen seien ihm in guter Erinnerung geblieben. "Die Segnung des ersten Männerpaares, sehr stilvoll, das hat mir eine große Freude bereitet", sagt Becke. "Ich finde es einfach toll, dass so etwas heute auch möglich ist." Die Dankeskirche sei auch für auswärtige Paare eine beliebte Traukirche.

Sehr am Herzen hätten ihm stets kulturelle Veranstaltungen gelegen. "›Jazz & Texte‹ bleibt immer mein Lieblingskind, niemand hätte geahnt, dass sich die Veranstaltungsreihe so etablieren würde." Auch die Kerb-Andacht, die Becke von Anfang an mitgestaltete, oder die feierliche Andacht des Christkindlmarkts zählt er zu den besonderen Erinnerungen.

Es darf gelacht werden

"Die emotionalste Andacht fand nach den Anschlägen des 11. September statt", sagt Becke. Bad Nauheimer Schüler seien an ihn heran getreten. "600 Menschen sind gekommen." Als alle zu einer Schweigeminute aufstanden, habe ihn das sehr berührt. "Trauer und Schrecken haben die Menschen zusammengeführt. Alle haben gemeinsam dafür gebetet, dass so etwas nicht noch einmal passiert."

Für seinen Abschiedsgottesdienst habe er sich bewusst für den 1. Advent entschieden. "Es soll ein fröhlicher Abschluss werden, da darf auch gelacht werden." Viele Wegbegleiter und Menschen der ersten Stunde werden am Sonntag erwartet. "Manche von ihnen habe ich jahrelang nicht gesehen", freut sich der Pfarrer auf ein Wiedersehen.

Schaue er auf die Jahrzehnte zurück, gehöre dazu die sehr gute Zusammenarbeit im Team. Becke: "Pfarrer Rainer Böhm und ich sind wie ein altes Ehepaar, wir haben uns oft gekabbelt, aber nie wirklich gestritten. Dafür mögen wir uns zu sehr." Er blickt auch auf 26 Jahre als Bordseelsorger auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa zurück. Durch seine Reisen habe er vieles über die Menschen und Kulturen erfahren, so auch Offenheit und Toleranz.

Auch wenn er nun an Kirchenvorstandssitzungen nicht mehr teilnehmen müsse, das Wohl der Gemeinde bleibe ihm eine Herzensangelegenheit. Gerne übernehme er weiterhin Andachten im Alten- und Pflegeheim, auch habe er bereits für eine Taufe und eine Trauung zugesagt. Seine Hobbys will er nun intensiv pflegen, sei es kulturell oder sportlich. Regelmäßig besucht Becke ein Fitnessstudio, angeregt durch einen Gutschein der Gattin. "Da habe ich erst einmal schräg geschaut, das war früher für mich nie ein Thema." Ob es irgendwann eine Andacht im Fitnessstudio gibt? "Warum nicht", sagt Becke, "sie glauben gar nicht, wen man dort alles trifft."

Pfarrer Dr. Ulrich Becke geht nach 37 Jahren in den Ruhestand. Die offizielle Verabschiedung erfolgt am Sonntag, 1. Dezember um 10 Uhr in der Bad Nauheimer Dankeskirche. Den Festgottesdienst leitet Propst Matthias Schmidt.

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