Dort, wo einst die Kiefer stand, hat Pate Konstantin Zobel nur noch einen Baumstumpf gefunden.
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Dort, wo einst die Kiefer stand, hat Pate Konstantin Zobel nur noch einen Baumstumpf gefunden.

Zobels Kiefer weg

Patenbaum vom Sturm gefällt

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Konstantin Zobel war traurig, als sein Patenbaum im Kurpark nicht mehr da war. Was steckt hinter dem Verschwinden der Kiefer, die der Gitarrenlehrer besungen hat und die zur Comic-Heldin wurde?

Ein kleines Drama im Kurpark - der Patenbaum von Konstantin Zobel steht nicht mehr. 2012 hatte der Gitarrenlehrer die Patenschaft für die Kiefer übernommen, nachdem bei der städtischen Patenbaumaktion niemand das kleine Nadelgewächs haben wollte. Aufmerksam war er durch einen Aufruf im Kurstadt-Cocktail dieser Zeitung geworden, sich des übrig gebliebenen Bäumchens anzunehmen.

300 Euro legte er seinerzeit dafür hin, die Kiefer war fortan Kult und stand in der Öffentlichkeit. Sie war »Heldin« in YouTube-Musikstücken wie »Zobel Pine«, »Der kleine Baum« des US-amerikanischen Pianisten Omar Granados und bei einem deutsch-französischen Konzert mit Austauschschülern. Aus und vorbei? Wie kam es zum Verschwinden des Baums?

Ein Comic rankt sich um die Kiefer

Nichtsahnend ging Zobel neulich durch den Park spazieren, um frische Luft zu schnappen. »Ich wollte bei der Kiefer vorbeigehen. Zuerst dachte ich, ich habe mich vielleicht verguckt und bin nicht an der richtigen Stelle«, erzählt er. Doch es sei der richtige Ort gewesen, wie sich herausstellte, als er den Baumstumpf sah. »Ich dachte: ›Huch, was ist das denn?‹« Seine Patenkiefer war weg - darüber sei er traurig.

»Wir hatten so viel Spaß damit, meine Schüler, die Eltern und ich. Gäste vor allem. Für jeden Gast, ob national oder international, der die Gitarrenschule besucht hat, waren ein Gang hierher und ein gemeinsames Foto Pflicht.« Letztes Weihnachten habe er erneut den »Kiefer-Comic« verteilt, den der befreundete Künstler Klaus Gaffkus vor gut sieben Jahren für ihn zeichnete. »So hatte die neue Generation die Kiefer gerade kennengelernt«, schildert Zobel. Um dem Comic einen spannenden Inhalt zu geben, hatte Zobel seine Gitarrenschüler seinerzeit animiert, sich ein Abenteuer rund um den Baum auszudenken. Auf diese Weise ist »Die gestohlene Weihnachtskiefer« entstanden.

Vielleicht sei das Gewächs krank gewesen, überlegt Zobel, »oder stand zu dicht am Nachbarbaum?« Die Antwort liefert Steffen Schneider, Leiter des städtischen Fachbereichs Kur und Service. »Die Kiefer ist am 22. Februar einem Sturmereignis zum Opfer gefallen. Wir haben nur den abgeknickten Baum weggeräumt und sauber abgesägt. Er lag ja schon um«, erläutert er. Bislang habe die Stadt noch keinen Fall Patenbaum verloren.

»Es tut uns leid, dass wir Herrn Zobel nicht informiert haben. Künftig werden wir die Paten bei so etwas unterrichten«, sagt der Fachbereichsleiter. Schneider blickt auf vergangenes Jahr zurück, als es Ende April zu starken Sturmschäden kam. »Da sind richtig massive, hundert Jahre alte Bäume abgeknickt wie Streichhölzer.« Im Winter sei es ebenfalls zu einigen Sturmereignissen gekommen, im Januar/Februar habe es einige orkanartige Böen und entsprechende Schäden gegeben. »Wir sind bei jedem Baum traurig, der verloren geht.«

Baum wird nachgepflanzt

Die Stadt habe einen hervorragenden Baumbestand, den sie hege und pflege. »Wir pflanzen diese Kiefer im Herbst wieder nach. Im Parkpflegewerk ist es so vorgesehen, dass dort wieder eine Kiefer hinkommt.« Zobel bleibe Pate auch für den neuen Baum, was durch ein Schild erneut dokumentiert werde. »Er muss die 300 Euro nicht zahlen - das Angebot machen wir natürlich.«

Zobel freut sich über diese Nachricht, lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und stellt eine Geldspende für den Fachdienst Park- und Grünpflege in Aussicht. Er wolle informiert werden, wann die Kiefer gepflanzt werde - um dies gebührend zu feiern.

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