agl_har_Kneipp_Fusz_1_280621
+
Vor dem von Kneipp-Rosen umgebenen Kneipp-Denkmal zeigen Lutz Ehnert (l.) die Kneipp-Sandale und Gabor Szalay den hohen Schuh, den man besser nicht tragen sollte.

»Passt auf eure Füße auf!«

  • VonHarald Schuchardt
    schließen

Bad Nauheim/Friedberg (har). Am letzten Mittwoch im Juni wird seit 2004 der »Tag des Fußes« begangen, initiiert vom Zentralverband der Podologen und Fußpfleger, inzwischen vom Kneipp-Bund Deutschland bundesweit propagiert. Auch der Kneipp-Verein Bad Nauheim-Friedberg-Bad Salzhausen beteiligt sich mit zahlreichen Aktionen. Damit geht es bereits heute Abend los.

Im Kneipp-Jubiläumsjahr 2021 - Sebastian Kneipp wäre 200 Jahre alt - will der Kneipp-Bund mit fünf Aktionstagen auf die Philosophie der fünf Elemente Wasser, Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung und Lebensordnung aufmerksam machen. »Bewegung, gehen und stehen ist für jeden Menschen enorm wichtig«, sagt der Bad Nauheimer Internist und Kneipp-Arzt Dr. Lutz Ehnert, sowohl Vorsitzender des örtlichen Kneipp-Vereins, als auch des Kneipp-Landesverbandes, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dazu eingeladen war auch Prof. Gabor Szalay. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie leitet seit Januar die Sportklinik Bad Nauheim. »Beim Thema Fuß ist die Zusammenarbeit zwischen Internisten und Orthopäde sehr wichtig«, erklärt Szalay. Ehnert ergänzt: »Das gilt insbesondere für den diabetischen Fuß.« Aus Szalays Sicht wird der Fuß oft vernachlässigt: »Für fast alle medizinischen Bereiche gibt es Vorsorge, nur nicht für die Füße. Die werden sozusagen mit Füßen getreten.« Schließlich laufe und stehe der Mensch den ganzen Tag auf den Füßen, und irgendwann bekomme man die Quittung, sagt der Orthopäde, der dafür plädiert, oft barfuß zu gehen oder zumindest gutes Schuhwerk zu tragen. »Kneipp war ein begeisterter Barfußläufer«, ergänzt Ehnert, der sich bei einem Besuch im Kneipp-Ort Bad Wörrishofen eine Kneipp-Sandale gekauft hat. Kneipp hatte sich schon vor 150 Jahren Gedanken über die Fußgesundheit gemacht und bei einem Schumacher in seinem Heimatort eine Sandale herstellen lassen. Diese besteht aus rund 80 Einzelteilen, verwendet werden natürliche Materialien wie Kork und Leder. Eine Schuhmanufaktur stellt die Schuhe so noch heute in Handarbeit her.

Ansonsten raten die beiden Ärzte zu festem Schuhwerk mit gutem Fußbett. Szalays Meinung nach sind High Heels für die Füße tabu. Anhand von Fußskeletten und eines Schuhs mit hohem Absatz erklärt er warum: »Bei High Heels geht die gesamte Energie auf den Vorderfuß und drängt so den Fuß in die Breite, wodurch Fehlstellungen entstehen.« Für beide Ärzte sind Füße weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Die beiden Mediziner raten zu regelmäßigen Übungen, denn »Füße bestehen nicht nur aus Knochen. Muskeln, Sehnen, Gefäße und Nerven - alle leiden, wenn die Füße nicht gepflegt werden«, macht Szalay deutlich, der in seiner Sprechstunde festgestellt hat, dass nur noch fünf Prozent aller Patienten sicher auf einem Fuß stehen können. »Das zeigt mir, dass die Füße nur zum Latschen gebraucht werden.« Schon kleine tägliche Übungen, wie sich beim Zähneputzen auf die Zehenspitzen stellen, könnten da helfen. »Viel barfuß laufen und drei Mal in der Woche mindestens 45 Minuten am Stück laufen oder walken«, empfiehlt Ehnert - mit einer Ausnahme: Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom müssen beim Barfußlaufen aufpassen, da sie an Beinen und Füßen unter Gefühlsstörungen leiden.

Ferner empfehlen beide Ärzte, Sport zu treiben, jedoch keine Kontaktsportarten wie Fußball, da hier die Gelenke extrem gefordert und belastet werden. »Und das sagen wir, wo gerade die Fußball-EM läuft«, fügt Ehnert lachend hinzu. Szalay sagt abschließend: »Meine Message heißt: Passt auf eure Füße auf!«

Veranstaltungen des Kneipp-Vereins

Der Auftaktvortrag findet am heutigen Montag um 19 Uhr via Zoom über die Internetseite des Kneipp-Vereins Bad Nauheim-Friedberg-Bad Salzhausen statt. Anja Päsel vom Schuhhaus Kreißl wird über »Barfußgehen - warum eigentlich? Gesunde Füße als Basis unseres Körpers« sprechen. Für Mittwoch, 30. Juni, bereits um 6.45 Uhr lädt der Verein zum »Early-Bird-Tautreten« ein. Treffpunkt ist die Brücke an der Ecke Ludwigstraße/Stiftstraße (Eingang Kurpark). Los geht es mit einer Morgengymnastik mit Kneipp-Bademeister und Physiotherapeut Kurt Hartig. Danach lädt Erlebniswanderführerin Ingrid Gerstengarbe-Hartig zu einer kleinen Wanderung mit Tautreten ein. Ferner kann der Barfußpfad ausprobiert werden. Den Abschluss bilden im Gesundheitsgarten Wassertreten oder Armbaden und ein kleines Frühstück. Um 15 Uhr fordert auf der Fußballgolf-Anlage in Wölfersheim Dr. Lutz Ehnert zusammen mit seiner Tochter die Anwesenden zu einem Fußballgolf-Spiel heraus. Im Anschluss kann der daneben liegende Barfußpfad genutzt werden. Die Präsenz-Veranstaltungen finden unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln statt. Eine Voranmeldung für beide Aktionen ist unter der Telefonnummer 0 60 32/9 37 05 65 oder per Mail an kontakt@kneipp-bn.de erforderlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare