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Parkplatz-Bau für die Sporthalle Steinfurth: Ein teurer Spaß

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Von: Bernd Klühs

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Direkt vor der Steinfurther Sporthalle können nur wenige Autos abgestellt werden, die Vereine warten deshalb schon lange auf den Bau eines Parkplatzes. ARCHIVFOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Politikern freuten sich, als 2020 der Bau eines Parkplatzes für die Sporthalle Steinfurth beschlossen wurde. Das Projekt wird immer noch begrüßt, doch die enormen Kosten sind ein Wermutstropfen.

Im Jahr 2018 hatte der Ortsbeirat die Sportvereine in Steinfurth eingeladen, um über einen Parkplatz für die Sporthalle zu diskutieren. Die Situation mit wenigen Stellplätzen direkt vor dem Gebäude ist seit Jahrzehnten unbefriedigend. Die Nutzer der Halle - neben Sportlern auch andere Vereine - müssen ihr Auto meist in der Umgebung abstellen, oft nach einer längeren Stellplatzsuche.

Wie Ortsvorsteher Markus Philippi in der Bauausschuss-Sitzung am Donnerstag sagte, hätten die Vereine damals drei mögliche Orte für den Parkplatz geprüft und sich letztlich für die Fläche schräg gegenüber der Halle entschieden. »Uns schwebte eine geschotterte Fläche vor, mit geringen Kosten. Doch das war aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht machbar.«

Geltungsbereich des B-Plans verkleinert

Im Herbst 2020 wurden die ersten Beschlüsse zum Bau der Parkplatzes mit 46 Abstellmöglichkeiten gefasst. Grundlage war die Aufstellung des Bebauungsplans »Steinfurth Süd«. Ursprünglich sollte das gesamte, rund 10 000 Quadratmeter große Gelände an der Straße Am Sauerbrunnen in den B-Plan einbezogen werden. Zurzeit ist das Gelände, das der evangelischen Kirchengemeinde gehört, an einen Rosenanbaubetrieb verpachtet. Dieser Unternehmer wollte 3000 Quadratmeter für den Parkplatz abtreten und auf dem Rest des Areals eine neue Lagerhalle errichten. Diese Pläne haben sich allerdings zerschlagen, deshalb wird der Geltungsbereich des Bebauungsplans auf die Parkplatz-Fläche begrenzt.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Änderung hat sich der Baubeginn verzögert. Ursprünglich sollte der Parkplatz bereits im vergangenen Jahr errichtet werden. Doch der Bauausschuss konnte erst jetzt den Satzungsbeschluss fassen, was einstimmig erfolgte. Nun fehlt nur noch das Votum des Stadtparlaments, dann kann der B-Plan in Kraft gesetzt und mit dem Bau begonnen werden.

Diskussion über Fußweg

Für die lange Planungsphase war auch die Frage verantwortlich, wie Fußgänger vom Parkplatz aus sicher zur Sporthalle gelangen. Auf der Straßenseite, wo der Parkplatz zu finden sein wird, gibt es nämlich keinen Fußweg. Einen Bürgersteig anzulegen, ist nach Angaben von Heiko Heinzel, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, zu vertretbaren Kosten nicht möglich. Wie Hessen Mobil, das für die Kreisstraße zuständig ist, mitgeteilt habe, müsste die Straße verbreitert werden, um einen Fußweg bauen zu können - ein teurer Spaß. Heinzel will eine günstigere, aber trotzdem sichere Lösung zur Straßenüberquerung realisieren.

Der Ortsbeirat hatte sich am Mittwoch erneut mit dem Thema befasst und war, so Ortsvorsteher Philippi, erstaunt über die hohen Kosten. »Ursprünglich waren mal 330 000 Euro veranschlagt. Uns wurde zugesichert, dass diese Summe ausreichen wird.« Tatsächlich wird der Parkplatzbau wohlrund eine halbe Million Euro verschlingen. Mehr als 10 000 Euro für einen überirdischen Stellplatz - ein außergewöhnlich hoher Betrag.

Archäologische Grabungen

Wie Heinzel erläuterte, spielten die gestiegenen Baupreise nur eine untergeordnete Rolle für die Kostenerhöhung. Vielmehr seien die notwendigen archäologischen Grabungen auf dem Gelände ausschlaggebend. Probeuntersuchungen hätten vielversprechende Ergebnisse erbracht. »Der Kreisarchäologe freut sich, wir sind nicht so erfreut«, sagte Heinzel. Diese Aussage bezieht sich auf die Kosten, die von der Stadt getragen werden müssen und auf 100 000 Euro geschätzt werden. Wie viel Geld dafür unter dem Strich aufgebracht werden müsse, hänge von den Funden ab.

Ganz überraschend sind die Mehraufwendungen allerdings nicht. Das ließ auch Bürgermeister Klaus Kreß durchblicken: »Überall, wo in Bad Nauheim gegraben wird, stößt man auf die Spuren der Vergangenheit.« Die Frage eines Ausschussmitglieds, ob bei einem Parkplatz-Projekt, bei dem es sich ja nicht um klassischen Tiefbau handele, überhaupt eine archäologische Untersuchung vorgeschrieben sei, erbrachte nicht die erwünschte Antwort. Laut Heinzel kommen die Altertumsforscher ins Spiel, sobald bei einer Baumaßnahme auch nur geringfügig unter die Oberfläche vorgedrungen werde.

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