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Gerade in Corona-Zeiten leiden viele ältere Menschen unter Isolation und Langeweile. Online-Spiele wie Mahyong sind dann ein unterhaltsamer Zeitvertreib.

Virtueller Besuch

Online-Spiele: »Digitale Engel« verleihen Senioren Flügel

  • vonAnnette Hausmanns
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Die Digitalisierung hat mit Corona an Fahrt aufgenommen. Auch immer mehr ältere Menschen haben daran Interesse. »Digitale Engel« helfen Senioren. In Bad Nauheim waren sie (virtuell) zu Gast.

Dienstag, kurz vor 15 Uhr. Monika Schirmeier und Johannes Diller sitzen in ihrem Berliner Büro am Computer. Via Zoom »beamen« sich die beiden »Digitalen Engel« zur Video-Konferenz ins Bad Nauheimer Mütter- und Familienzentrum (Müfaz). Heute sind die beiden jungen Moderatoren hier, um mit Gastgebern und Gästen den Möglichkeiten von Online-Spielen für Ältere auf den Grund zu gehen. Zugeschaltet haben sich neben Ute Latzel vom Müfaz und Katja Augustin vom Familienbüro der Stadt auch Dietlinde Rack vom Internetverein Bad Nauheim und eine Handvoll interessierter Senioren.

Nach einer kurzen Einführung stellen die Moderatoren Möglichkeiten für Einzelspieler oder gemeinsames Spielen vor, klopfen vom Smartphone über Tablet und PC bis zur Spielekonsole die Geräte ab. Die beiden Profis geben Sicherheitshinweise, schildern Vor- und Nachteile kostenpflichtiger und kostenloser Apps und steigen dann mit einer gemeinsamen Runde »Stadt - Land - Fluss« ins aktive Online-Spielen ein. Weiter geht es mit Beispielen wie Schach oder Skat, mit Sudoku, Rätseln und Quiz.

»Wir haben alle Spiele selbst geprüft«, berichtet Moderatorin Monika Schirmeier im Gespräch mit der WZ. Täglich ist sie für die »Digitalen Engel« unterwegs auf Tour durch Deutschland - zu Corona-Zeiten natürlich nur virtuell -, um den digitalen Wissensdurst älterer Menschen zu stillen oder Interesse zu wecken. Das Teilnehmerfeld in Bad Nauheim sei vom alten Hasen bis zum Anfänger bunt gemischt gewesen. »Wer den Termin verpasst hat, kann auf unserer Homepage unter Tourdaten weitere Veranstaltungen finden und sich fast überall einwählen.« Den »Engeln« könne man aber auch außerhalb dieser »Besuche vor Ort« jederzeit Fragen zu Online-Herausforderungen stellen, betont Schirmeier, dafür seien sie ja schließlich da.

Gelungenes Paket geschnürt

»Die Runde hat großen Spaß gemacht und war sehr informativ«, berichtet Müfaz-Geschäftsführerin Ute Latzel begeistert. Die Teilnehmer hätten viel über Feinheiten und Fallstricke erfahren. Nach dem virtuellen Besuch der »Digitalen Engel« zum Online-Banking vor wenigen Wochen hätten sie erneut ein »rundum gelungenes Paket« geschnürt. Genauso wie das Mehrgenerationenhaus, zu dem das Müfaz gehört, seien die »Digitalen Engel« ein Bundesprogramm. »So haben wir uns kennengelernt«, erzählt Latzel.

Bereits vor Corona habe das Müfaz in Kooperation mit dem städtischen Familienbüro die »Digitalen Engel« nach Bad Nauheim eingeladen. Sie seien dankbar, dass die Besuche dank Internet nicht ganz ausfallen mussten. Unter Pandemie-Bedingungen gewinne die digitale Wissensvermittlung für Ältere sogar an Bedeutung, sagt Latzel. »Online-Spiele halten fit und können ein prima Zeitvertreib sein, gerade in Zeiten von Corona oder wenn man nicht mehr so mobil ist.«

In Bad Nauheim ist auch der Internet-Verein (IVBN) mit digitalen Angeboten super aufgestellt. Vorsitzende Dietlinde Rack bedauert, dass nur wenige Interessenten an der Online-Spiele-Schulung durch die »Digitalen Engel« teilgenommen hätten, »obwohl die Veranstaltung in großem Umfang angekündigt war«.

Digitalisierung ein Segen für Senioren?

Sie sei aber unbedingt für die digitale Wissensvermittlung. »Das machen wir im IVBN seit 20 Jahren«, sagt Rack. Das Online-Spielen sei vielleicht nicht jedermanns Sache. Von Vorteil sei sicher, die Mitspieler bereits aus der analogen Welt zu kennen.

Das schöne Wetter am Veranstaltungstag habe dazu beigetragen, dass der Online-Spiele-Nachmittag nicht so gut besucht gewesen sei, vermutet Katja Augustin. Sie betreut den Seniorenbereich im Familienbüro der Stadt. Neben der aktuellen Schulung durch die »Digitalen Engel« weiß sie den Wert des Miteinanders verschiedener Plattformen zu schätzen. Gerade in Corona-Zeiten, aber natürlich auch danach könne die Digitalisierung für ältere Menschen ein Segen sein.

Es gehe darum, Scheu zu überwinden, den Reiz der Möglichkeiten und den Mehrwert zu erkennen, um schließlich den Mut zu fassen, sich aufs Thema einzulassen. »Viele Hochbetagte gehen mittlerweile wie selbstverständlich mit dem Smartphone und dem Tablet um«, hat Augustin beobachtet. Digital lasse sich oft Kontakt zu Familie und Freunden halten, wo ein echtes Treffen unmöglich sei.

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