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Das Figurentheater vom »kleinen Raben Socke« fasziniert und lässt Corona ganz entspannt vergessen.

Ohne Freunde ist alles nichts

  • vonAnnette Hausmanns
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Bad Nauheim (hau). Gebannt schauen die kleinen und die großen Gäste auf die idyllische Waldlichtung im Scheinwerferkegel. Kaum hat sich Puppenspieler Mario Klimek in der Trinkkuranlage unter Beifall vorgestellt, schlüpft er auch schon hinter die Kulisse seines traditionsreichen Figurentheaters. Im Handumdrehen haucht er den kleinen Figuren putzmunteres Leben ein und nimmt alle mit auf eine amüsante Fantasiereise.

Selbst auf den hinteren Plätzen hängen die Kinder förmlich am Schnabel des pfiffigen »Raben Socke«.

Der kleine Frechdachs ergaunert sich von allen Tieren im Wald deren Lieblingsstücke: hier eine Perlenkette, dort eine Mütze, Inlineskates, Spieluhr, Schnuffikissen und ein knallrotes Feuerwehrauto. Den Freunden schwatzt der Kleine Rabe so lange das Ohr ab, bis sie ihm ihre Schätze mehr oder weniger freiwillig überlassen. Der Rabe triumphiert laut singend »Alles meins und nix Dir«. Im Rabennest türmen sich die Gegenstände.

Aber wozu? »Ich bin ein armes Schwein und würd’ so gern mal glücklich sein«, singt »Rabe Socke«. Angeführt vom klugen Bären, ziehen die Tiere zum Rabennest, um sich ihr Hab und Gut wiederzuholen - und tatsächlich fällt es »Socke« wie Schuppen von den Augen: Nicht Besitzen macht glücklich, sondern Freundschaft, teilen und einander respektieren. Ohne Freunde ist eben Alles nichts. Die glücklichen Freunde erhalten ihre Schätze zurück, und auch von den Zuschauern im Saal wird der kleine Rabe mit großem Beifall bedacht.

Mit Maske und Fantasie

Dass ein Figurentheater der alten Schule - Mario Klimek inszenierte »Alles meins« nach dem Bestsellerbuch im Jahr 1986 als weltweit Erster - derart in seinen Bann ziehen kann, spricht nicht nur für den Künstler vom Duisburger »Theater Mario«, sondern ganz besonders auch für die Fantasiebegabung der Kinder, für ihren unverstellten Blick und ihre Intuition. Auch pandemie-bedingt vorgeschriebene Masken für alle ab sechs Jahren ändern da nichts. Die komplette Figurentheaterstunde auf den Stühlen sitzen zu bleiben, scheint ein Kinderspiel. Die kleinen Theaterbesucher sind ganz Ohr, sie fiebern mit, lachen und rufen, kuscheln mit der Mama und klettern auf Papas Schoß.

»Endlich wieder Kindertheater«, seufzt eine Mutter, kaum dass das Saallicht angegangen ist. Eine schöne Vorstellung, findet sie, und auch ihre beiden Sprösslinge wirken zufrieden und beseelt. Als die Vorhänge und die Türen aufgehen, strömen Große und Kleine nach draußen, atmen tief durch und scheinen die Weite der Trinkkuranlage einzusaugen - ein kostbares Stück Freiheit in Ergänzung zur gehaltvollen Nahrung für die kulturhungrige Seele.

Weiter geht die Kindertheater-Reihe der Stadt am Montag, 5. Juli, (15.30 Uhr) im Konzertsaal der Trinkkuranlage mit dem poetischen-musikalischen Theaterstück »Der Grüffelo«.

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