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Trotz einer Liberalisierung der Verordnung zur Notbetreuung wird es in den Bad Nauheimer Kitas nicht zur Bildung von größeren Gruppen kommen. 

Liberalisierung

Notbetreuung in Zeiten von Corona: Mehr Kinder in Bad Nauheim erwartet

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In Zeiten der Corona-Krise wird eine Anordnung liberalisiert - auch das gibt es. Seit Montag hat sich der Kreis der Kinder, die in Kitas und Schulen notbetreut werden können, deutlich vergrößert.

Am Wochenende hat sich das hessische Sozialministerium zu Wort gemeldet und eine Lockerung der Kriterien verkündet, die für die Notbetreuung von Kindern in Kitas und Schulen (bis 6. Klasse) gelten. Bislang durften diesen Service nur Eltern (und Alleinerziehende) in Anspruch nehmen, die beide in Einrichtungen der "kritischen Infrastruktur" arbeiten.

Zu diesen Berufsgruppen, die unverzichtbar sind, um das öffentliche Lebens aufrechtzuerhalten, gehören alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Feuerwehrleute, Polizisten, Justizbeschäftigte, Apotheker oder Verkäufer in Lebensmittel-Geschäften. "In Bad Nauheim zählen wir zu dieser Gruppe auch Mitarbeiter der Müllabfuhr", ergänzt Bürgermeister Klaus Kreß.

Corona Notbetreuung: In Bad Nauheim: 41 statt 30 Kita-Kinder

Die hessenweite Liberalisierung der Auswahlkriterien dürfte nicht zuletzt auf die Gesundheitsberufe abzielen. Es wäre im Augenblick absolut kontraproduktiv, wenn etwa eine Krankenschwester zu Hause bleiben würde, weil sie sich um ihr Kind kümmern muss. Im Bad Nauheimer Rathaus wurde bereits am Sonntag die Umsetzung der geänderten Landesverordnung geplant. Nach Auskunft von Erstem Stadtrat Peter Krank müssen sich Eltern, die jetzt ebenfalls einen Anspruch auf Notbetreuung haben, in der Tagesstätte anmelden und ihre Berechtigung nachweisen.

Mit einem enormen Anstieg der Fallzahlen rechnet die Stadtverwaltung offenbar nicht. Laut Krank werden sich jetzt allerdings 14 Kitas (inklusive freie Träger) um die Notbetreuung kümmern. Zuvor waren es acht Einrichtungen. Damit sind alle Stadtteile abgedeckt. Nach der bislang gültigen rigiden Verordnung hielten sich in diesen Kindergärten rund 30 Kinder auf. Aufgrund der Lockerung waren es am Montag bereits 41, einige davon mussten gestern allerdings in Quarantäne. Manche Eltern, die eigentlich einen Anspruch hätten, haben nach Auskunft von Bürgermeister Kreß von sich aus verzichtet.

Gute Nachrichten gibt es für Eltern, deren Kinder ihren Kita-Platz zurzeit nicht nutzen. Kreß und Krank haben ihre zuständigen Mitarbeiter per Eilentscheid angewiesen, die seit der Kita-Schließung angefallenen Gebühren für den Monat März zurückzuerstatten. Für die folgenden Monate wird die Abbuchung der Beträge vorerst gestoppt. Dies betrifft auch die Zahlungen für die Verpflegung der Kinder. "Keiner soll in dieser Krisensituation auch noch einen finanziellen Nachteil durch die ausgefallenen Betreuungszeiten erleiden", sagt Krank.

Corona Notbetreuung: Schulen: Kein großer Anstieg zu erwarten

Nach Auskunft des Bürgermeisters müsste für die Rückerstattung und den Verzicht auf künftige Zahlungen eigentlich die Kita-Gebührensatzung geändert werden. Das ist aber derzeit nicht möglich, weil die März-Sitzung des Stadtparlaments ausfällt. "In der Satzung gibt es bereits einen Passus, der den Wegfall der Betreuung bei einem Streik des Personals regelt", sagt Kreß. Von einer Pandemie sei in dem Papier dagegen keine Rede. Normalerweise hätten die Eltern bislang deshalb keinen Anspruch auf Gebührenfreiheit. Der Parlamentsbeschluss soll nachgeholt werden, sobald die Stadtverordneten wieder tagen.

Auch die Schulen im Kreis müssen sich auf mehr Schüler einstellen, die sich trotz Schließung betreuen lassen möchten. "Mit einem explosionsartigen Anstieg rechne ich nicht", betont Dr. Rosemarie zur Heiden, Leiterin des Staatlichen Schulamts für Wetterau und Hochtaunus. Sie verweist auf Erfahrungen von Bundesländern, in denen die Notbetreuung von Beginn an anders organisiert worden sei als in Hessen. Zur Heiden nennt das Beispiel Hamburg, wo es keine Beschränkungen gebe. "Trotzdem werden dort nur unwesentlich mehr Kinder betreut als bei uns. Offenbar fürchten die Eltern eine Ansteckung ihrer Kinder", sagt die Schulamtsleiterin. Vor der Liberalisierung der hessischen Verordnung wurden alle Wetterauer Schulen jeweils von weniger als zehn Kindern besucht.

Corona Notbetreuung: Verdachtsfall: Kita geschlossen

In der Bad Nauheimer Kindertagesstätte "Villa Bach" (Frankfurter Straße), in der seit Montag ebenfalls eine Notbetreuung eingerichtet war, gibt es einen Corona-Verdachtsfall. Die Kita ist deshalb seit dem gestrigen Donnerstag wieder geschlossen.

Die Stadtverwaltung hat die betroffene Person umgehend in Quarantäne geschickt, ebenso die dort betreuten Kinder und alle Erzieherinnen und Erzieher. Die Kontaktkette der möglicherweise infizierten Person sei sofort analysiert worden. Die notwendigen Vorkehrungen seien in direkter Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Wetteraukreises getroffen worden. Die Einrichtung ist für zwei Wochen geschlossen.

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