Nieder-Mörlen: Kein Geld für "Trampelpfad"

Bad Nauheim-Nieder-Mörlen (ihm). "Vorsicht!" Ein Ehepaar geht zur Seite, als ein Jogger naht, Schauplatz ist der pfützenreiche Promenadenweg zwischen der Usa und den Schrebergärten in Nieder-Mörlen. Den Zustand dieser und einer anderen Strecke bemängelt der Ortsbeirat, weshalb sich die WZ am Wochenende umsah.

Auf dem nassen Gras läuft der Jogger vorbei, später ist wohl Schuhputzen angesagt. "Wäre der Weg ein bisschen breiter, könnte es nicht schaden", meint die Nieder-Mörlenerin und schaut auf ihre schmutzigen Gummistiefel, während ihr Gatte erzählt: "Ich jogge auch manchmal, mitunter ist es etwas schmal. Man muss aufs Gras ausweichen und denkt, man gleitet aus." Ein anderes Ehepaar ist hingegen zufrieden: "Ein weicher, natürlicher Weg. Man kann schön die Usa beobachten." Dass es regnet und matschig ist, sei eine besondere Situation. "Im Wald sind die Wege derzeit auch nicht so begehbar." Ein Bürger kommt aus seinem Schrebergarten, sieht das etwas anders. "Immer wieder beobachte ich, wie Spaziergänger mit Hunden einander nicht ausweichen können, schlimmer ist es aber auf der anderen Seite der Gärten." Der Mann führt zu einer Art Matsch-Parcours, wo eine Frau mit Hund entgegenkommt, prompt ausrutscht und fast hinfällt. Oft gehe sie hier Gassi, erzählt sie, darum sei sie auf die Situation eingerichtet. "Für Spaziergänger ist das allerdings nichts.

" Der Schrebergärtner schüttelt den Kopf: Schon oft habe der Ortsbeirat versucht, etwas zu ändern. "Es ist eine Lächerlichkeit. Die Leute geben sich Mühe, aber im Magistrat lachen sie nur."

"Wir haben andere Prioritäten"

Als "katastrophal" bezeichnet Ortsvorsteher Albert Möbs (CDU) den Zustand der zwei Wege. Erst vor einigen Tagen hätten ihn Bürger deshalb wieder angesprochen. Wegen des Promenadenwegs direkt am Wasser werde sich so bald aber nichts tun. 2012 hatte der Ortbeirat die Instandsetzung und Ausschilderung als Fußgängerweg beantragt, da es immer wieder zu Konflikten zwischen Passanten und Radfahrern kam. Kurzfristig habe die Stadt den Weg als Fußgängerweg ausgewiesen, wobei der Behörde auffiel: Der Weg ist in keinem Plan verzeichnet. "Die Schilder wurden darum wieder entfernt", berichtet Möbs. Für einen "nicht existierenden Weg" wolle die Stadt keine Verkehrssicherungspflicht übernehmen. Diese Auffassung nehme das Gremium hin, um eine Sperrung zu vermeiden. Der Ortsbeirat beantragte nun aber beim Magistrat, den Wirtschaftsweg parallel hinter den Gärten instandzusetzen.

"Die Sanierung wurde uns immer wieder zugesichert, geschehen ist nichts." In den diesjährigen städtischen Finanzetat seien zwar Mittel eingestellt worden, im Rahmen der Haushaltsberatungen wurden sie aber wieder gestrichen. Das sei bedauerlich.

Laut Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) kann die Verwaltung nicht jeden "Trampelpfad" ausschildern. "Der Promenadenweg ist kein qualifizierter Fußweg." Eine Strecke behördlich auszuweisen, ziehe eins nach dem anderen mit sich – vom teuren Ausbau bis zur Streu- und Reinigungspflicht. Die Qualität des Pfads am Wasser sei ausreichend, das Erscheinungsbild passe zur renaturierten Usa. Hinsichtlich des Wirtschaftswegs hinter den Gärten werde im Rahmen der Haushaltsberatungen über Ausbesserungen nachgedacht – nicht jedoch über einen Ausbau, der 200 000 Euro kosten dürfte. "Wir haben andere Prioritäten", unterstreicht Patscha. Das gelte besonders für Nieder-Mörlen, wo die Gehwege in schlechtem Zustand seien. "Da beschweren sich viele zu Recht.

" Die Stadt repariere seit Jahren kontinuierlich die Bürgersteige, trotzdem bestehe Sanierungsstau. 300 000 Euro stünden pro Jahr für derlei Instandsetzungen in Bad Nauheim zur Verfügung, ein Schwerpunkt liege immer auf Nieder-Mörlen.

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