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Nichts als die Wahrheit

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Von: Hanna von Prosch

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»Auf ein Wort, Herr Luther!« – In der 34. Folge von »Jazz und Texte« kam der große Reformator höchstpersönlich zu Wort. Dr. Ulrich Becke schlüpfte verbal in seine Rolle, während Hermann Römer mal einen scharfen Kritiker, mal seinen Widersacher gab. Vielleicht nicht immer politisch korrekt, zuweilen respektlos aber auch anerkennend, etwas ratlos oder bitter ernst – immer aber mit der üblichen Prise Humor verarbeiteten sie zusammen mit Constanze Cymmek Wahrheit und Dichtung um Dr. Martin Luther. Evelyn Fay, Gesang, und Shanaka Perera am Klavier gaben der sonntäglichen Stunde die passende Note.

»Auf ein Wort, Herr Luther!« – In der 34. Folge von »Jazz und Texte« kam der große Reformator höchstpersönlich zu Wort. Dr. Ulrich Becke schlüpfte verbal in seine Rolle, während Hermann Römer mal einen scharfen Kritiker, mal seinen Widersacher gab. Vielleicht nicht immer politisch korrekt, zuweilen respektlos aber auch anerkennend, etwas ratlos oder bitter ernst – immer aber mit der üblichen Prise Humor verarbeiteten sie zusammen mit Constanze Cymmek Wahrheit und Dichtung um Dr. Martin Luther. Evelyn Fay, Gesang, und Shanaka Perera am Klavier gaben der sonntäglichen Stunde die passende Note.

Luther gegen den Strich zu bürsten fällt nicht schwer. Ist doch inzwischen vieles bekannt und belegt, was so gar nicht in das Bild des hochverehrten Reformators passen will. Becke und Römer legten den Finger in die Wunde, die dann doch ziemlich schmerzte. Sie räumten mit Legenden auf, die über fünf Jahrhunderte gepflegt worden waren. In einem Sketch spannen sie eine Begegnung, die, hätte es sie gegeben, die Welt ganz anders verändert hätte: Im Himmel treffen sich Luther und Kaiser Karl. Nach einem kurzen Schlagabtausch, wie es beim Wormser Schau-Reichstag wirklich war, gestehen sie sich ihre gegenseitige Bewunderung.

Dem Kaiser hatte imponiert, dass Luther »eine dicke Lippe riskierte«. Und als der Reformator nach seiner nur wenige Minuten dauernden Rede die Faust nach oben reckte, hätte Karl gerne ›Bravo‹ gerufen – wenn er denn seine Sprache verstanden hätte. Das Öffnen von Luthers Grab sei »postfaktisch« gewesen, erntete Lachen in der voll besetzten Wilhelmskirche.

Luthers Dickköpfigkeit wurde in einer »Talkshow« deutlich, aber auch seine Hilflosigkeit, wenn etwas anders als gewollt lief. »Die Reformation war kein Sieg sondern brachte Krieg und Streit«, konstatierte Römer. So geschehen in den blutigen Bauernkriegen, für die Luther erst die ethische Rechtfertigung gegeben hatte. »Dem Traum nach einer gerechteren Welt sind wir 500 Jahre danach keinen Schritt weitergekommen«, gab er zu bedenken.

Eines der dunkelsten Kapitel des Reformators war die Judenfrage. Da konnte es einem eiskalt über den Rücken laufen, wenn er wortgewaltig in sieben brutalen Forderungen zitiert wird, die quasi die Konzentrationslager vorhersagten. »Sie machen es einem schwer, Sie zu mögen«, stellte »Talk-Gegner« Römer fest. »In der Tat«, mag mancher Zuhörer gedacht haben. Etwas wohlwollender und als Stand der damaligen Wissenschaft wurde seine Haltung zur Hexenverfolgung beurteilt, denn er habe hier bisweilen klug und belehrend agiert.

Fest steht: Luther hat uns unsere Sprache geschenkt, deftig und klar, nachdenklich und tief auf Gottes Wort gründend. Das belegen viele heute gebräuchliche Redewendungen und Zitate aber auch das »Vaterunser«. Neben einer Passage aus dem Korintherbrief zu Glaube, Liebe, Hoffnung unterstrichen vor allem perfekt die besinnlichen Songtexte den Diskurs mit dem Reformator. Einfühlsam sang Evelyn Fay von Liebe, Krieg und Frieden und zum Schluss das Piaf-Lied »Non, je ne regrette rien« – »Nein, ich bereue nichts!« Typisch Luther!

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