Auf Stefan Schachner und seine Kolleginnen Kerstin Schubert, Tanja Thyssen, Daniela Opel und Karin Petermann dürfte angesichts der Corona-Regelungen und ihren Auswirkungen auf die Finanzen auch künftig viel Arbeit zukommen.	FOTO: PM
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Auf Stefan Schachner und seine Kolleginnen Kerstin Schubert, Tanja Thyssen, Daniela Opel und Karin Petermann dürfte angesichts der Corona-Regelungen und ihren Auswirkungen auf die Finanzen auch künftig viel Arbeit zukommen. FOTO: PM

Nicht über alle Regelungen erfreut

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Bad Nauheim (pm). »In den vergangenen Jahren haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Beim GZW und seinen acht Tochtergesellschaften sind deshalb kurzfristig keine Liquiditätsengpässe zu erwarten«, sagt Prokurist Stefan Schachner vom Gesundheitszentrum Wetterau. Gemeinsam mit seinem 14-köpfigen Team im Finanz- und Rechnungswesen sorgt er sich gleichwohl um die Frage, wie die coronabedingte Entwicklung der Finanzen gemanagt werden kann und welche Auswirkungen die aktuellen Ereignisse mittelfristig haben werden.

Bund und Länder haben in den vergangenen Wochen Milliarden für unterschiedliche Wirtschaftsbereiche bereitgestellt. Auch die 2000 Kliniken in Deutschland dürfen auf Liquiditätshilfen hoffen. »Nicht alle Mittel allerdings sind nachhaltig«, heißt es in einer GZW-Pressemitteilung.

Kosten für Personal pro Monat: 6,5 Mio.

So habe das Hessische Sozialministerium unter anderem beschlossen, die turnusmäßigen Auszahlungen der Pauschalförderung für Juni und Juli 2020 auf den April vorzuziehen, erläutert Schachner. »Für die Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH bedeutet dies eine zusätzliche Liquidität im April von 1,18 Millionen Euro. Das hilft natürlich im Augenblick, denn durch die Absage der geplanten stationären Eingriffe fehlen uns - wie allen Krankenhäusern in Deutschland - aktuell 30 Prozent unserer Einnahmen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass im Juni und Juli diese Zahlungen fehlen.«

Damit werde die Verschlechterung der Liquidität aufgrund einer geringeren Zahl von Patienten bei gleichzeitigem Anstieg der Ausgaben beispielsweise für Schutzmaterial sowie gleichbleibenden Fixkosten »in die Zukunft geschoben«. Allein die Personalkosten des GZW als einem der größten Arbeitgeber der Region mit 1860 Beschäftigten schlagen nach Angaben des Prokuristen monatlich mit 6,5 Millionen Euro zu Buche.

Unabsehbar - weil als Konstrukt völlig neu - sei die pandemiebedingte teilweise Verschiebung der Aufgabenstruktur der Krankenhäuser von der Leistungserbringung hin zur Vorhaltung von Betten. »Ein Krankenhaus behandelt Patienten und erhält dafür nach einem komplexen Berechnungssystem von den Krankenkassen die Erlöse bzw. Geld ausgezahlt. Nun wird dieses System teilweise auf den Kopf gestellt. Wir mussten nicht nur geplante Therapien absagen, sondern uns in Erwartung der Pandemie rüsten: Betten freihalten, Personal bereithalten, weitere Beatmungsgeräte kaufen, zusätzliche Intensivplätze einrichten«, argumentiert Schachner.

Ob das vom Bundestag beschlossene Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz die Mehrkosten beziehungsweise den Erlösrückgang kompensieren könne, sei ungewiss und werde auch von der Dauer der Pandemie abhängen. Auf seine Abteilung sieht Schachner erhebliche Mehrarbeit zukommen, weil der pandemiebedingte Mehraufwand nachgewiesen, teils sogar mit einem Testat eines Wirtschaftsprüfers versehen werden müsse.

Problem mit dem Ausbildungsfonds

Dazukommen laut GZW »paradoxe« Einnahmen- und Ausgabensituationen, etwa bei der Ausbildungsfinanzierung von Krankenpflegeschülerinnen und -schülern. Nicht alle Krankenhäuser bildeten aus, denn Ausbildung bedeute immer auch Aufwand und Kosten. Das Gesetz verpflichte deshalb alle Krankenhäuser zu monatlichen Pauschalzahlungen in einen Ausbildungsfonds. »Aus diesem Fonds erhalten ausbildende Krankenhäuser ein Ausbildungsbudget, das über Zuschläge zu jedem abgerechneten Fall finanziert wird«, heißt es weiter in der Pressemitteilung. »Für das GZW konkret bedeutet das, dass wir im Augenblick monatlich zwar unsere 200 000 Euro in den Ausbildungsfonds einzahlen, aber wesentlich weniger Fälle abrechnen können, infolgedessen auch wesentlich weniger Zuschläge erhalten und deshalb das Ausbildungssystem zu einem guten Teil vorfinanzieren müssen«, betont Schachner. Ähnliche Strukturen gebe es bei der Finanzierung der Hygiene-Fort- und -weiterbildung. Schachners Fazit: »Vieles ist neu, vieles nicht absehbar - wir alle fahren auf Sicht und müssen das Beste hoffen!«

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