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Ab dem 16. Juni kann im Bad Nauheimer Hotel Dolce by Wyndham wieder übernachtet werden. Damit endet für General Manager Harald Hock und sein Team eine lange Zeit der pandemiebedingten Schließung.

Termin: 16. Juni

Neustart für Hotel Dolce in Bad Nauheim soll kein Schnellschuss werden

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Das Bad Nauheimer Hotel Dolce by Wyndham öffnet nicht von jetzt auf gleich, auch wenn es das darf. Der Neustart-Termin ist erst am 16. Juni. General Manager Harald Hock sagt, woran das liegt.

Bad Nauheim – Nach über sechseinhalb Monaten ohne Gäste müssten im Bad Nauheimer Hotel Dolce die Sektkorken knallen. Die Corona-Inzidenz sinkt, gemäß Landesverordnung dürfte das 160-Zimmer-Hotel zu 60 Prozent ausgelastet sein. Mit dem Schritt in die zweite Lockerungsstufe wären 75 Prozent erlaubt. Alles wunderbar. Oder doch nicht?

»Ich vergleiche das immer ganz gerne mit Schiffen. Wenn Sie ein Schiff haben wie die ›Explorer of the Seas‹, dann brauchen Sie vier bis sechs Wochen, bis Sie ein Haus wieder am Fahren haben«, sagt Dolce-Direktor Harald Hock.

Hotel Dolce in Bad Nauheim: Sukzessive raus aus der Kurzarbeit

Was er damit meint: 90 Prozent des Personals befinden sich in Kurzarbeit, noch laufen Renovierungen, die man nicht eben beenden kann, nur weil das Land kurzfristig das »Go« gegeben hat. Nicht zuletzt: »Wir müssen erst mal wieder Kunden akquirieren, die uns buchen.« Wobei man da auf einem guten Weg sei, sagt Hock. Die Nachfrage gebe es, auch wenn es seiner Prognose zufolge noch eine Weile bis zur 75-prozentigen Auslastung dauern wird.

Am 16. Juni wird das Dolce öffnen. Eventuell klappt bereits ein früherer Start für den Biergarten im Platanenhof und auf den Kurhaus-Terrassen. »Nur, dass man öffnen kann, heißt noch nicht, dass man öffnen muss oder sollte«, begründet General Manager Hock die etwas späten Termine. Sukzessive würden die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt, er hoffe, dass bald alle wieder mit normalem Arbeitspensum an Bord seien.

Hotel Dolce in Bad Nauheim: Monatliche Kosten bis zu 350 000 Euro

Neben dem Personal geht es auch um Speisen und Getränke, die eingekauft werden müssen. Außerdem hat das Dolce einiges erneuert. »Obwohl das Geld sehr sehr knapp ist«, wie Hock sagt. Einerseits keine Einnahmen, andererseits laufende Kosten in Höhe von bis zu 350 000 Euro pro Monat. Es wurden und werden beispielsweise Flure, Lobby und Gästezimmer gestrichen, alle Hotelbetten komplett gegen neue getauscht, die Holzfassade renoviert, das neue Restaurant »Senses« mit euroasiatischer Küche ins Leben gerufen und zusammen mit »satis & fy« aus Karben ein Streaming-Studio für Konferenzen geschaffen. Zudem muss das Hotel immer wieder gereinigt und instand gehalten werden.

Hotel Dolce in Bad Nauheim: Dank an Arbeitsagentur und an den Investor

Damit das »Schiff« Fahrt aufnimmt, sind mehrere Hebel zu bewegen. Auch ein Dolce bleibt abhängig vom Infektionsgeschehen, aber es muss sich eben auch optimal auf den Neustart vorbereiten. Denn, so sagt Hock: »Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn wir drei Tage auf und dann wieder zu hätten.« Bei allen Überlegungen spielt auch der Blick auf die Inzidenzen in benachbarten Landkreisen eine Rolle, sagt der Hoteldirektor. Denn brächten Menschen von dort das Virus hierher, könnten steigende Infektionszahlen und erneute Schließungen die Folgen sein. »Das wäre eine absolute Katastrophe. Wenn wir das ein paarmal machen müssen, sind wir pleite.«

Das droht dem Bad Nauheimer Hotel Dolce jetzt nicht, was neben der bevorstehenden Öffnung auch anderen Umständen zu verdanken ist. »Ich bin sehr stolz darauf, dass wir keine betriebsbedingten Kündigungen gehabt haben. Das ist ein großer Verdienst der Agentur für Arbeit mit dem Kurzarbeitergeld und der Eigentümer, die stark zu Standort und Team gestanden haben«, lobt Hock. Er verweist auf die 1,8 Millionen Euro, die besagter Dolce-Eigentümer aus Irland in laufende Kosten gesteckt habe. »Das hätten viele Eigentümer nicht gemacht.« Eine weitere Hilfe: Um Ostern herum kamen die staatlichen November- und Dezemberhilfen.

Hotel Dolce in Bad Nauheim: Allein 80 Handdesinfektionsstationen im Hotel

Jetzt gilt es, fit für die Zukunft zu sein. Dazu gehört ein Hygienekonzept, und in dieser Hinsicht hat man sich im Dolce ordentlich Gedanken gemacht: Anreise mit negativem PCR- oder Antigen-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist, oder zweimal geimpft oder Schreiben des Arztes, dass eine Corona-Infektion mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate her ist.

Die Mitarbeiter tragen medizinische oder FFP2-Masken und werden getestet. »Ich habe allein bei mir im Büro 2500 Tests stehen«, sagt Harald Hock. Außerdem befinden sich im Hotel 80 Handdesinfektionsstationen, es gibt Plexiglaswände auf den Tresen, die Zimmer werden nach hohen Standards gereinigt. Und: »Kaum ein Haus hat so viele Möglichkeiten zu lüften wie wir.« Im Falle eines Falles geht es um die Kontaktnachverfolgung, wobei die Luca-App ins Spiel kommt.

Großer Aufwand, der im Kampf gegen das Virus notwendig ist. Dafür ist für Hotel-Direktor Hock aber auch klar: »Wir sind auf einer sehr, sehr sicheren Seite.«

Hotel Dolce in Bad Nauheim: Zahl der Mitarbeiter sank - ohne betriebsbedingte Kündigungen

Kaum einer Branche hat die Corona-Pandemie einen solchen Schlag versetzt wie den Bereichen Tourismus und Gastronomie. Das zeigt sich im Bad Nauheimer Hotel Dolce by Wyndham beispielsweise auch beim Personal, das zum einen selbst in den vergangenen Monaten mangels Arbeit gebeutelt gewesen, zum anderen aber auch knapper geworden ist. Und das, obwohl betriebsbedingte Kündigungen vermieden worden sind. Laut General Manager Harald Hock sank die Zahl der Mitarbeiter im Zuge der Pandemie von 140 auf 93. Weil Verträge nicht verlängert wurden und weil viele Kollegen in andere Branchen gewechselt sind. Mitarbeiter zu rekrutieren, sei eine große Herausforderung für die Zukunft, sagt Hock.

Prognose: weniger Urlaub, dafür hochwertiger

Stichwort Zukunft: Für die nächsten Jahre rechnet der Hoteldirektor nicht damit, dass in der Branche die Umsätze aus Vor-Pandemie-Zeiten erreicht werden. Deshalb müssten die Personalkosten sinken. Harald Hock rechnet außerdem mit einer 10- bis 20-prozentigen Preissteigerung bei Übernachtungen. Das müsse auch so sein, »weil es sich ansonsten nicht mehr kostentechnisch darstellen lässt«. Qualität werde sich mehr durchsetzen. »Ich bin der Überzeugung, dass in Zukunft etwas weniger Urlaub gemacht wird, dafür hochwertiger.«

Für das Bad Nauheimer Dolce spielen auch Großveranstaltungen in den eigenen Räumen eine Rolle. In der Pandemie-Lockerungsstufe 2 sei es erlaubt, dass 100 Leute zusammenkommen, sagt Hock. Früher seien es bei Dolce-Veranstaltungen aber bis zu 800 gewesen. »Das ist eine Frage, die noch komplett offen ist«, sagt der Hoteldirektor und verweist außerdem auf das hauseigene Theater mit 730 Sitzplätzen.

Bekannt ist das Dolce darüber hinaus für Tagungen, Konferenzen und kleinere Kongresse. Das Spektrum der Meetings wurde um hybride Formen erweitert, sagt Hock. Einige Teilnehmer sind dann vor Ort, die anderen werden zugeschaltet. In vielen Firmen habe man aber das Bedürfnis, sich wieder persönlich zu treffen. Er gehe davon aus, so Hock, »dass weiterhin das persönliche Treffen Hauptteil unseres Tagungsgeschäftes ist«.

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