Dieses Ackerland birgt Wachstumspotenzial für den Bad Nauheimer Stadtteil Rödgen. In Kürze können an der Römerstraße 38  Zweifamilienhäuser errichtet werden.	FOTO: NICI MERZ
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Dieses Ackerland birgt Wachstumspotenzial für den Bad Nauheimer Stadtteil Rödgen. In Kürze können an der Römerstraße 38 Zweifamilienhäuser errichtet werden. FOTO: NICI MERZ

Bauausschuss stimmt zu

Neues Wohngebiet in Rödgen: Investor kann bald loslegen

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Vor gut 50 Jahren wurde in Rödgen letztmals ein Neubaugebiet ausgewiesen. Jetzt kann der Bad Nauheimer Stadtteil wieder wachsen. Der Fachausschuss segente den B-Plan »Am Holzberg« ab.

Etliche Jahre schlummerte das Gebiet »Am Holzberg« im Norden Rödgens als mögliche Erweiterungsfläche im regionalen Flächennutzungsplan vor sich hin. Einem Investor aus Gießen gelang es dann 2019 etwas überraschend, sich mit allen Eigentümern der 2,6 Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche an der Römerstraße zu einigen. 38 Häuser mit je zwei Etagen und ausgebautem Dachgeschoss, für die sich rund 90 Interessenten meldeten, sollen in dem Neubaugebiet entstehen. Die Eigentümer können jeweils eine zusätzliche Einliegerwohnung vorsehen.

Das Bebauungsplanverfahren ist inzwischen abgeschlossen. Der Bauausschuss befasste sich am Dienstagabend letztmals mit dem Thema. Am 28. Januar soll das Parlament den Satzungsbeschluss fassen.

Bauausschuss: Nur SPD stimmt mit Nein

Nach Auskunft von Bürgermeister Klaus Kreß stimmten im Ausschuss nach kurzer Diskussion acht Mitglieder für den B-Plan, nur die zwei SPD-Vertreter blieben bei ihrem Nein. Auch die Sozialdemokraten sind prinzipiell für das Wachstum Rödgens, hätten es aber vorgezogen, wenn die Stadt und nicht ein Investor bauen würde.

Schon 2019 hatten sich einige Anlieger aus der Römerstraße und der Straße Am Ellenberg kritisch zu Wort gemeldet. Aus diesem Kreis stammen auch 19 ablehnende Stellungnahmen, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung im Rathaus eingegangen sind. Die Kritiker befürchten in erster Linie ein Verkehrschaos, in dem bestehenden Wohngebiet herrsche aufgrund der Grundschule und des Kindergartens bereits heute eine sehr angespannte Situation. Die Sicherheit der Kinder sei in den Stoßzeiten morgens und mittags gefährdet.

Durch das Neubaugebiet mit 250 Einwohnern - diese Zahl wird in mehreren Einsprüchen genannt - werde sich die Belastung deutlich erhöhen. »Ein Verkehrsinfarkt wird unvermeidlich sein«, heißt es in einer Stellungnahme. Das gelte sowohl für die Römerstraße, über die das Wohngebiet erschlossen werde, als auch für die umlegenden Straßen.

Rathaus: Etwa 130 Neubürger

Woher die Zahl von 250 Neubürgern stammt, bleibt das Geheimnis der Anlieger. »Wir rechnen mit 130 bis 140 Bewohnern«, sagt Bürgermeister Kreß. Einem Gutachten zufolge sei das Mehr an Verkehr durchaus zu verkraften. Zurzeit hat Rödgen gut 1000 Einwohner. Legt man die Schätzung der Verwaltung zugrunde, würde die Bewohnerzahl in den kommenden Jahren um etwa 13 Prozent zunehmen. Im Gegensatz zu den kritischen Bürgern befürchtet das Rathaus deshalb auch keine Überlastung von Kita und Wettertalschule.

Die 19 Stellungnahmen sind alle ähnlich formuliert und haben alle weitgehend gleichlautende Inhalte. »Man kann von einer Mustervorlage ausgehen«, mutmaßt der Rathauschef. Neben der Verkehrssituation und einer Überlastung der Infrastruktur befürchten die Anlieger ein Parkchaos in ihrem Viertel und bemängeln die Versieglung wertvollen Ackerlandes. Zudem sei fraglich, ob das Kanalsystem die Abwässer von 38 zusätzlichen Wohngebäuden aufnehmen könne.

Die Stadtverwaltung hält fast sämtliche Einwände für unbegründet und beruft sich auf Gutachten zu allen Aspekten, die bei einem solchen Neubaugebiet eine Rolle spielen. Einige ausgewählte Standardformulierungen, mit denen das Rathaus die Stellungnahmen beurteilt und Vorschläge zurückweist: »Die Hinweise werden zur Kenntnis genommen« - »Die Bedenken werden nicht geteilt« - »Der Anregung wird nicht gefolgt«.

Verfahren dauert 16 Monate

Was bedeutet bei einem Bebauungsplan eine Umsetzung im »beschleunigten Verfahren«? Am Abstimmungsprozess müssen weniger Behörden beteiligt werden, bestimmte, sonst übliche Gutachten sind nicht erforderlich. Dadurch soll alles schneller gehen. Der Bebauungsplan »Am Holzberg« in Rödgen wurde in diesem »beschleunigten Verfahren« entwickelt. Trotzdem hat die Planung 16 Monate in Anspruch genommen. Der Magistrat hatte den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan Ende September 2019 gefasst. Vorausgegangen war eine Anfrage des Investors aus Gießen, der die Grundstücke erworben hatte. Einen Monat später brachte das Stadtparlament das Projekt auf den Weg. Inzwischen ist die Bürgerbeteiligung mit zahlreichen Einsprüchen abgeschlossen. Wie Bürgermeister Klaus Kreß erläutert, seien die Bedenken der Anlieger Hauptgrund für das langwierige Verfahren gewesen. »Jeder Einwand wird einzeln abgewogen, beurteilt und beschieden. Es geht um einen Satzungsbeschluss, deshalb muss Rechtssicherheit herrschen.«

Nach dem Bauausschuss, der am Dienstagabend grünes Licht gegeben hat, wird jetzt noch einmal die Stadtverordnetenversammlung gefragt. Sie entscheidet am 28. Januar abschließend über den B-Plan. Dann kann der Bauherr loslegen.

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