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Mit Arien und Orgelmusik von Haydn und Bach startet die Musik in der Dankeskirche neu. Sopranistin Gabriele Hierdeis und Kantor Frank Scheffler sind glücklich, wieder vor Publikum gespielt zu haben.

Neues Musikleben

  • VonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Geplant waren festliche Arien aus dem Weihnachtsoratorium und dem Messias. Das war im Dezember als der Lockdown kam. Am Mittwoch entsprang der Dankeskirche mit dem hellen Gesang der Sopranistin Gabriele Hierdeis nun neues Musikerleben mit fröhlichen Arien aus Haydns Schöpfung.

Was könnte besser passen zu einem Neuanfang nach langen Entbehrungen als die Stimme der Natur: »Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar. Den anmutsvollen Blick erhöht der Blumen sanfter Schmuck. Hier duften Kräuter aus, hier sproßt den Wunden Heil.« Die Sopranarie perlte wie frischer Quell aus der Sängerin Mund.

Hörte man bei diesem auferstandenen musikalischen Live-Ereignis anders? Waren die Ohren besonders aufnahmebereit für die lieblichen Töne? Oder war es einfach nur beglückend, wieder den klangerfüllten Kirchenraum um sich zu spüren, die ebenso dankbaren Musikmenschen um sich zu wissen und gemeinsam zu genießen?

Die Stücke, die Gabriele Hierdeis und Kantor Frank Scheffler ausgesucht hatten, sprachen auch von Dank, der so manchen auf dem Herzen lag. Aus Haydns Marienzeller Messe ertönte das »Gratias agimus tibi«. Ebenso bedeutungsvoll aus der Bachkantate »Weichet nur betrübte Schatten« zwei Arien: »Sich üben im Lieben« und »Sehet die Zufriedenheit«. Leicht flossen die Koloraturen, zärtlich gelangen Hierdeis die Crescendi, die Töne schwangen sich in glasklare Höhen, die Triller zwitscherten lebhaft und unbekümmert.

Dazu das Orgelsolo aus der Fantasie G-Dur von J. S. Bach, das schnell im Manual mit Echoeffekten beginnt, Vogelsang imitiert, um sich dann voll zu entfalten und danach in rasante Auf- und Abwärtsbewegungen überzugehen.

Zittern, ob Orgel durchhält

Bei dem maroden Instrument in der Dankeskirche ist das immer mit dem Zittern verbunden, ob es durchhält. Allein der Orgelklang geriet zum Geschenk. Insbesondere in der textmalenden Begleitung der Arie, in der es heißt: »Den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied, und Liebe gurrt das zarte Taubenpaar«, eine der schönsten und fröhlichsten Arien aus der Schöpfung. Gut, dass der Text zum Mitlesen abgedruckt war. In Begrüßung und Gebet erinnerte Pfarrerin Susanne Pieper daran, dass man aufatmen könne, diese Melodien das Leben trügen und Gott es sei, der in uns Tag und Nacht schwinge. Für Hierdeis und Scheffler waren diese ersten Momente nach der Pause kostbar. »Für mich fühlte es sich schon ein bisschen normal an, anders, als noch bei den Proben und viel besser, als wenn man Ein- bis Zwei-Minuten-Stücke für den Livestream spielt«, sagte der Kantor. Auch Hierdeis betonte, dass es etwas ganz anderes sei, wenn man zu Hause ohne Aufführungsziel die Stimme trainiere, als wenn man Publikum vor Augen habe: »Man will sich doch mitteilen.«

»Endlich raus aus der Isolation«, freute sich Zuhörerin Rositta Pfeffer. Sie habe das alles traurig gemacht. Als Chorsängerin hofft sie, dass auch das bald wieder in alter Form möglich werde. »Da hängen die ganzen Sozialkontakte dran und das Gemeinschaftserlebnis beim Singen«.

Bei 45 Besuchern blieben diesmal allerdings noch Plätze frei, was vielleicht auch mit der herrschenden Maskenpflicht am Platz zusammenhängen mochte.

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