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Neues Max-Planck-Institut eingeweiht

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Bad Nauheim (lk). »Wir liegen hinter Havard auf dem zweiten Platz - und die haben viel mehr Geld als wir«, sagte ein lachender Prof. Herbert Jäckle, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, bei seiner Festansprache anlässlich der Einweihung des neuen Forschungsgebäudes des Max-Planck-Instituts (MPI).

In Scharen waren sie nach Bad Nauheim gekommen, die Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Forschung, um bei der Eröffnung dabei zu sein. Nachdem das 27,5 Millionen Euro teure Institutsgebäude in der Ludwigstraße 43 nach rund vier Jahren Bauzeit im November 2009 fertiggestellt worden war, wird hier nun Herz- und Lungenforschung betrieben.

Prof. Thomas Braun, Geschäftsführender Direktor des MPI, wies in seinen Grußworten darauf hin, dass bei der Planung des neuen Gebäudes Wert auf eine möglichst offene und transparente Struktur gelegt worden sei. »Die Wissenschaft, die wir hier betreiben, soll neben dem Erkenntnisgewinn zuvorderst dem Menschen dienen.« Dabei sei es wichtig, gewonnene Kenntnisse mit der Allgemeinheit zu kommunizieren. »Um Ängste abzubauen, die mit technischem und medizinischem Fortschritt häufig einhergehen«, erklärte Braun.

Das MPI für Herz- und Lungenforschung, William-G.-Kerckhoff-Institut, verfügt derzeit über drei Abteilungen: Im Altbau an der Parkstraße wird sich mit der Entwicklung und dem Umbau der Lunge beschäftigt (Prof. Werner Seeger). Die Abteilungen Pharmakologie (Prof. Stefan Offermanns) sowie Entwicklung und Umbau des Herzens (Prof. Braun) sind im neuen Institutsgebäude beheimatet, das über eine Nutzfläche von 3900 Quadratmeter verfügt. Im Erdgeschoss des Neubaus soll in diesem Jahr eine weitere Abteilung eingerichtet werden. Die insgesamt 250 Wissenschaftler am Institut kämen »aus fast allen Kontinenten und Kulturen«, sagte Braun.

Mit der neuen Forschungseinrichtung sei »ein Zentrum mit einzigartigem Charakter in Deutschland gebaut« worden, sagte Staatsminister Michael Boddenberg. Staatssekretär Dr. Helge Braun betonte, dass jeder Euro des Steuergeldes, das in das neue Institutsgebäude fließe, gut angelegte Geld sei, um Wissenschaft und Forschung in Deutschland voranzubringen. Und Bernd Witzel sprach von einem der schönsten Tage in seinem Leben, den er als Bürgermeister der Stadt Bad Nauheim erleben dürfe.

Bei der anschließenden Führung durch das achtgeschossige Institut wurde in der vierten Ebene des Neubaus, der den Tierhaltungsbereich beheimatet, kurz innegehalten. »Wenn die Einwohner der Stadt Bad Nauheim Mäuse wären, würden sie alle hier in dieses Gebäude passen«, sagte Prof. Braun, der ergänzte, dass ausschließlich an genetisch manipulierten Nagern geforscht werde. »Unter Laborbedingungen wird eine Maus maximal drei Jahre alt«, erklärte der Geschäftsführende Direktor noch, bevor es zum kulinarischen Teil des Abends überging: Spanische Tapas, Honigschinken am Stück, maurische Hähnchenspieße mit frischen Kräutern und Limone, Meeresfrüchtepfanne, Knoblauch-Kartoffeln und viele weitere Köstlichkeiten wurden aus der Küche der Kerckhoff-Klinik geliefert, um die anspruchsvollen Gäste bei Kräften zu halten.

Beim letzten Programmpunkt des Abends, einer interaktiven Physikshow, wurde es nicht nur laut, sondern auch lustig: Die beiden »Physikanten« Marcus Weber alias Herr Marcus« und Engelbert Kobelun als »Prof. Dr. Otto Liebermann« bezauberten das Publikum mit Experimenten aus dem Grundlagenbereich der Physik. Warum Superabsorber Wasser bindet, wie die Zentrifugalkraft wirkt, wieso Strom durch eine Menschenkette fließen kann und warum eine an 230 Volt angeschlossene Essiggurke plötzlich zu leuchten beginnt, wurde hier kinderleicht erklärt.

Und sogar das Dritte Newtonsche Axiom, das besagt, auf eine Kraft folge immer eine Gegenkraft, wurde nachvollziehbar bewiesen.

Bei Apfel- und Mandelkuchen, frischem Obstsalat, Avocado-Bananencreme und anderen Leckerbissen ließ man den Abend ausklingen.

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