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Neue Vikarin Anne Kampf ins Amt eingeführt

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Von: Axel Angermann

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Am Sonntag hielt Anne Kampf als neue Vikarin der evangelischen Kirchengemeinde Bad Nauheim ihre erste Predigt in der Dankeskirche. Aus diesem Anlass führte WZ-Mitarbeiter Axel D. Angermann ein Gespräch mit ihr.

Frau Kampf, wie war der Gottesdienst?

Anne Kampf : Gut! Der Predigttext aus dem Johannesevangelium war nicht ganz einfach, aber ich mag Herausforderungen. In dem Abschnitt sagt Jesus, seine Nachfolger müssten sein Fleisch essen und sein Blut trinken. Ich bin dem Theologen Heilmann gefolgt, der sagt: Fleisch essen und Blut trinken bedeutet, dass man Jesu Lehre annimmt. Es ist völlig okay, wenn man sich an Jesus »die Zähne ausbeißt« und auf seinen Worten »herumkaut«. Nach dem Gottesdienst haben einige Besucher mir gesagt, sie könnten damit etwas anfangen.

Und der erste Eindruck von Bad Nauheim und der Gemeinde?

Kampf: Ich fühle mich sehr wohl hier und habe mich schnell eingelebt. Die Schönheit der Stadt und die überschaubare Größe haben dazu beigetragen, dass ich diese Stelle angenommen habe. Die Gemeinde ist groß und sehr gut organisiert, was mir entgegenkommt. Außerdem kann ich hier nicht nur von meinem Lehrpfarrer Rainer Böhm, sondern auch von drei weiteren Pfarrern, der Gemeindepädagogin und dem Kantor lernen.

Wie kommt man mit 39 Jahren dazu, Pfarrerin werden zu wollen?

Kampf: Ich habe von 2010 bis 2013 an der Uni Marburg berufsbegleitend Theologie studiert und das Gelernte in meiner Tätigkeit für evangelisch.de in Frankfurt eingesetzt. Dann habe ich allerdings gemerkt, dass ich auch mal hinter meinem Computerbildschirm hervorkommen und mit Menschen in Kontakt kommen möchte, denen ich dort nicht begegnet bin. Deshalb war es Zeit, neu aufzubrechen und Neues zu lernen.

Welche Schwerpunkte werden Sie in Ihrer Gemeindearbeit setzen?

Kampf: Das Ausbildungsprogramm lässt nur wenig Spielraum, es ist ja gut, alle praktischen Seiten des Berufs kennenzulernen. Ich würde aber gern neue Gottesdienstformen ausprobieren und versuchen, die Menschen emotional anzusprechen. Ansonsten gilt: Ich lasse mich von der Ausbildung überraschen.

Sie leben mit einer Frau zusammen. Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist in der Kirche immer noch umstritten. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema?

Kampf: Ich freue mich, dass die Bad Nauheimer Gemeinde schon vor vielen Jahren die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglicht hat. Eine evangelische Trauung ist kein Sakrament, es gibt keinen Grund zu unterscheiden, ob Mann und Frau, zwei Männer oder Frauen vor den Altar treten. Die Kirche sollte weiter daran arbeiten, niemanden auszuschließen. Gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die ich kenne, sind tief verletzt worden, weil man ihre Segnung abgelehnt hat. Das geht gar nicht. Wir sind getauft und Teil der Kirche wie alle anderen.

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