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Das Kissel-Gelände hat zur Überraschung des Klinik-Unternehmens eine geringfügige Schadstoffbelastung aufgewiesen. Die Altlasten sind inzwischen beseitigt, dem Neubau steht nichts mehr im Wege. ARCHIVFOTO: PETRA IHM-FAHLE

Ausschuss beschließt Bebauungsplan

Neue Salus-Klinik in Bad Nauheim: Baubeginn absehbar

  • Bernd Klühs
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Politiker haben an Bad Nauheim vor Jahren den werbewirksamen Titel »Gesundheitsstadt« vergeben. Das Angebot wird um einen Baustein erweitert: Das Projekt »Klinik an der Usa« startet bald.

Mit seinen 75 Jahren hat Alfons Domma, Seniorchef der Salus-Klinik-Gruppe, beruflich schon einiges erlebt. Doch ein solch schwieriges Bauvorhaben wie das in Bad Nauheim ist ihm noch nie untergekommen. Eigentlich wollten Domma und seine Mitstreiter bereits 2018 mit der Realisierung ihres Neubauprojekts auf dem etwa 3,2 Hektar großen Gelände zwischen B 3 und Schwalheimer Straße beginnen. Doch aus außergewöhnlichen Gründen kam es zu enormen Verzögerungen. In diesem Jahr soll der Grundstein für die Klinik an der Usa endlich gelegt werden. Der städtische Bauausschuss hat den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan am Donnerstagabend einstimmig gefasst. Wenn das Stadtparlament diesem Votum kommende Woche folgt, können die Bagger endlich anrollen.

Schon 2015 hatte die Leitung der Salus-Klinik-Gruppe Kontakt mit dem Bad Nauheimer Rathaus aufgenommen. Weil am jetzigen Standort der Reha-Klinik für Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen und Suchtproblemen in Friedrichsdorf keine Erweiterung möglich ist, wollte das Unternehmen das Stoll-Gelände erwerben. Dieses Areal war allerdings bereits an Fachmarkt-Investor Werner vergeben. Unter Vermittlung der Stadtverwaltung konnte Salus schließlich das benachbarte Kissel-Grundstück und einige Äcker erwerben.

Zu einer schnellen Verwirklichung des Mammutprojekts - drei Gebäude und 100 Stellplätze sollen entstehen - kam es allerdings nicht. Der Bauboom machten dem Investor einen Strich durch die Rechnung. Zum einen suchte Domma zunächst vergeblich nach einem Generalunternehmer, der an dem Auftrag interessiert war. Sämtliche in Frage kommenden Firmen in der Region waren ausgelastet. Es dauerte etliche Monate, ehe der Generalunternehmer gefunden war.

Investitionskosten enorm gestiegen

Zum anderen trieb die große Nachfrage die Kosten immer weiter in die Höhe. Statt den ursprünglich geplanten 40 Millionen müssen rund 50 Millionen Euro investiert werden. Wegen dieses enormen Anstiegs muss die Salus-Gruppe auf das ursprünglich geplante Schwimmbad verzichten, um die Finanzierung überhaupt bewerkstelligen zu können. »Ich bin seit 30 Jahren selbstständig, aber solch verrückte Zeiten habe ich noch nie erlebt«, hatte Seniorchef Domma diese Vorgeschichte vor einem Jahr gegenüber der WZ kommentiert.

Die Erarbeitung des Bebauungsplans stellte sich das Unternehmen ebenfalls leichter vor. Auch der neue Termin für den Baubeginn - drittes Quartal 2020 - verstrich. Dem städtischen Fachbereich Stadtentwicklung stellten sich vor allem zwei große Probleme. Im Fokus stand die Lärmbelästigung durch den starken Verkehr auf der B 3. Ein klassisches Krankenhaus, in dem bettlägrige Patienten behandelt werden, wäre an dieser Stelle wohl gar nicht genehmigungsfähig gewesen. Nur weil die mobilen Reha-Patienten der Salus-Klinik keine Bettruhe benötigen, darf unter Berücksichtigung aufwendiger Lärmschutz-Vorgaben nun doch gebaut werden. Schwierigkeiten bereitete auch der Hochwasserschutz. Letztlich müssen 0,5 Hektar am westlichen Rand des Geländes unbebaut bleiben - diese Fläche wird im Flächennutzungsplan als »Grünfläche, Parkanlage« ausgewiesen. Sollte es zu einem Hochwasser kommen, kann sich die Usa auf diesem Teilstück breit machen.

Bauzeit etwa 18 Monate

Die Ausschuss-Mitglieder nickten den Bebauungsplan am Donnerstag ohne Diskussion ab. Zuvor hatte Bürgermeister Klaus Kreß erneut den großen Stellenwert des Projekts unterstrichen. Die Reha für Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen gewinne immer mehr an Bedeutung. »Die Patienten werden die Innenstadt beleben und dort Geld ausgeben«, sagte Kreß. Gastronomie und Einzelhandel würden davon profitieren.

Wenn das Parlament am kommenden Donnerstag den Satzungsbeschluss fasst, kann der Investor in diesem Jahr loslegen. Domma geht von einer 18-monatigen Bauzeit aus, eröffnet wird die Reha-Klinik somit vermutlich 2022.

Flächennutzungsplan geändert

Ab 2022 wird es in Bad Nauheim und Friedberg zwei Salus-Reha-Kliniken geben, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen. An der B 455 betreibt das Unternehmen in der Dorheimer Gemarkung seit etlichen Jahren eine Einrichtung, die ein ähnliches therapeutisches Angebot umfasst wie das geplante neue Haus in der Kurstadt. In beiden Kliniken geht es in erster Linie um Menschen, die mit Suchtprobleme zu kämpfen haben.

Das Kissel-Gelände an der Schwalheimer Straße war ursprünglich für einen anderen Zweck vorgesehen. Vor gut zehn Jahren verfolgte der damalige Bürgermeister Bernd Witzel das Ziel, Stoll- und Kissel-Gelände von einem Investor bebauen zu lassen. Entstehen sollten verschiedene Fachmärkte und ein neues Eisstadion. Letztlich scheiterte Witzel mit diesen Plänen, die Parlamentsmehrheit entschied sich 2010 für eine Sanierung des alten Stadions.

Um auf dem Kissel-Gelände eine Klinik errichten zu können, musste deshalb zunächst ein zeitaufwendiges Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans in Gang gesetzt werden. Aus der alten Festsetzung »Sport und Einzelhandel« wird die neue Sonderbaufläche »Klinik«, ein kleiner Randbereich wird als »Grünfläche, Parkanlage« ausgewiesen. Auf diesem Teilstück soll nicht gebaut werden, weil dort ein geringes Hochwasserrisiko besteht.

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