Die Trinkkuranlage in der Stadtmitte wird ab 2021 mit noch mehr Leben gefüllt. Kleinkunst und TAF finden hier ihr neues Domizil. Für große Kulturveranstaltungen wird der Konzertsaal (im Hintergrund) genutzt. FOTO: NICI MERZ
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Die Trinkkuranlage in der Stadtmitte wird ab 2021 mit noch mehr Leben gefüllt. Kleinkunst und TAF finden hier ihr neues Domizil. Für große Kulturveranstaltungen wird der Konzertsaal (im Hintergrund) genutzt. FOTO: NICI MERZ

Einstimmig für Trinkkuranlage

Neue Kultur-Spielstätte Bad Nauheim: Mehr als ein Provisorium

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Es wird eine Übergangslösung, die mehrere Jahre andauern wird. Das Bad Nauheimer Theater Alte Feuerwache und die Kleinkunst-Spielstätte werden ihr neues Domizil in der Trinkkuranlage finden.

Ist von einer "Übergangslösung" die Rede, sind meist ein paar Monate gemeint. Im Fall der Trinkkuranlage, die 2021 zur kulturellen Veranstaltungsstätte der Stadt Bad Nauheim werden soll, geht’s um einige Jahre. Der Ausschuss für Sport und Kultur hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, das zentral gelegene Jugendstil-Ensemble zur neuen Heimat der städtischen Spielstätte und des Theaters Alte Feuerwache (TAF) zu machen. Dafür sollen gut 460 000 Euro bereitgestellt werden. Das letzte Wort haben die Stadtverordneten.

Erster Stadtrat Peter Krank verweist zwar auf den gültigen Parlamentsbeschluss, wonach zwischen Badehaus 3 und 4 im Sprudelhof eine neue Spielstätte errichtet werden soll. Doch vor 2025 wird dieser Neubau sicher nicht kommen. Die für dieses Projekt eigentlich vorgesehenen Mittel des Förderprogramms "Hessenkasse", das bis 2024 läuft, wurden bereits für andere Vorhaben eingeplant. "Es wäre nicht seriös, zum jetzigen Zeitpunkt darüber zu spekulieren, wann das Stadtverordneten-Votum umgesetzt werden kann. Die Trinkkuranlage ist jedenfalls mehr als ein Provisorium", betont Kulturdezernent Krank.

Sieben Standorte geprüft

Ende vergangenen Jahres hatten TAF und städtische Kleinkunstreihe das Badehaus 2 räumen müssen. Dieses Gebäude wird Teil der neuen Therme. Seit etlichen Monaten haben TAF-Verein und Stadt sieben potenzielle Ausweichquartiere geprüft - vom Heizkraftwerk über den Bahnhof bis zur Johanneskirche. Einschränkungen durch Denkmalschutz, oder nicht ausreichende Nutzungsdauer waren die Haupthemmnisse. Als das Restaurant "Tafelspitz" in der Trinkkuranlage im März geschlossen wurde, unterzogen die Verantwortlichen den Westflügel dieses Gebäudeensembles einer ernsthaften Prüfung.

"Schwierigkeiten gibt es überall, auf jede Immobilie muss flexibel reagiert werden. Auch das Badehaus 2 hatte Nachteile", sagt der Erste Stadtrat. Am alten Standort sei zum Beispiel nur Platz für 90 Besucher gewesen, während im Konzertsaal der Trinkkuranlage 200 untergebracht werden könnten. Im neuen Domizil fehlen Lagerräume, die notfalls im Umfeld angemietet werden sollen.

Der Konzertsaal soll für große Kulturveranstaltungen genutzt werden, beispielsweise für aufwendige Theateraufführungen des TAF. Für die Kleinkunst oder Lesungen steht der sogenannte Bankettsaal zur Verfügung. Bei schönem Wetter kann die Konzertmuschel im Freien belegt werden. "Die gesamte Trinkkuranlage wird kulturell bespielt. Gerade im Außengelände bieten sich ganz andere Möglichkeiten als am Badehaus 2", erklärt Krank.

Zur Bewirtung der künftigen Besucher soll auf das bewährte Sprudelhof-Modell zurückgegriffen werden. In den früheren "Tafelspitz"-Räumen wollen Mitglieder des Fördervereins Freunde des TAF Getränke, Kuchen oder Snacks verkaufen.

Dank Corona kein Zeitdruck

Unter Zeitdruck stehen TAF und Stadt nicht - das ist einer der wenigen positiven Aspekte der Corona-Krise. Aufgrund der aktuellen Einschränkungen gibt es ohnehin keine Veranstaltungen, deshalb wird auch keine Spielstätte benötigt. Wann sich die Lage ändert, ist zwar nicht absehbar, nach Angaben des Dezernenten soll aber Anfang 2021 mit Sanierungs- und Umbauarbeiten begonnen werden (siehe Zusatzartikel). "Corona wird im kommenden Jahr nicht vorbei sein. Trotzdem planen wir, ein Kulturprogramm auf die Bühne zu bringen - aber sehr vorsichtig."

Das TAF, das sich laut Krank seit über 20 Jahren aufopferungsvoll für die Stadt und ihre Bürger engagiert, war von Beginn an, in die Standortsuche integriert. Die Vorstände von Träger- und Förderverein hätten das Konzept für die Trinkkuranlage bereits im Sommer gebilligt.

Wie sich der Beschlussvorlage für den Kulturausschuss entnehmen lässt, rechnet die Stadt mit weniger Einnahmen bei der Vermietung des Konzertsaals. Wenn dort ab 2021 mehr Kultur geboten wird, sind etwas weniger Privatfeiern möglich. Für Tagungen oder den Hiesbach-Fasching werde der Saal aber auch künftig zur Verfügung stehen. In der Stadtkasse werden außerdem die Pachteinnahmen für das Restaurant fehlen.

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