UWG-Vorschlag

Neue Idee: Spielstätte und TAF im "Kulturbahnhof"

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Auf kulturellem Gebiet könnte sich in Bad Nauheim einiges tun. Fest steht der Umzug der Musikschule, ein neues Domizil könnte auch die Bücherei erhalten. Und die UWG will einen "Kulturbahnhof".

Alles fließt, alles ist in Bewegung: Diese altgriechische Weisheit trifft auch auf die Diskussion über die Zukunft des Badehauses 3 zu, die langsam konkrete Formen annimmt. In diesem Monat möchte Erster Stadtrat und Kulturdezernent Peter Krank seine Absichten im Bauausschuss vorstellen und sich einen Planungsauftrag erteilen lassen.

"Es gibt konkrete Überlegungen, mit der Stadtbücherei ins Badehaus 3 umzuziehen, um dort ein Kulturzentrum entstehen zu lassen", sagt Krank. Das seit langem an diesem Standort vorgesehene Jugendstilzentrum und die Bücherei wären im Gebäude angesiedelt, die neue städtische Spielstätte samt Theater Alte Feuerwache (TAF) direkt daneben – in einem Neubau, der das Behälterhaus zwischen den Badehäusern 3 und 4 ersetzt.

Bücherei platzt aus allen Nähten

Der Erste Stadtrat verspricht sich von dieser Lösung kostensparende Synergieeffekte, mehr Besucher und höhere Einnahmen. Zudem wäre eine Lösung für die Kapazitätsprobleme der Stadtbücherei gefunden. "In der Zanderstraße platzt die Bücherei aus allen Nähten. Zudem müsste dort viel Geld in die Sanierung gesteckt werden", sagt Krank. Die Nutzfläche des Badehauses sei dreimal so groß wie die des Zanderstraßen-Gebäudes. Auch wenn sich die Bücherei die Räumlichkeiten mit dem Jugendstilzentrum teilen müsste, wäre genug Platz vorhanden.

Nach Aussage des Kulturdezernenten sind das Kuratorium der Stiftung Sprudelhof und der Jugendstilverein mit dieser Lösung einverstanden. Das Jugendstilzentrum würde Krank zufolge profitieren. Die Bücherei lockt zahlreiche Besucher an, etliche würden beim Jugendstilverein vorbeischauen. Für das bei vielen Bürgern beliebte Bistro wäre im Badehaus allerdings kein Platz mehr. Der Erste Stadtrat könnte sich vorstellen, dafür andere Räume im Sprudelhof zu finden.

Kritische Fragen

Für seine Pläne muss Krank zunächst eine politische Mehrheit finden. Die größte Fraktion, die FW/UWG, zeigt sich skeptisch. "Ein Umzug der Stadtbücherei aus einem Gebäude, das der Stadt gehört, in ein Gebäude, das angemietet werden muss, kann nur dann sinnvoll sein, wenn sich dadurch die Wirtschaftlichkeit erhöht", betont UWG-Fraktionschef Markus Theis.

Kritisch sehen die Freien Wähler den Bücherei-Umzug auch deshalb, weil sich die ohnehin angespannte Parkplatz-Situation am Sprudelhof weiter verschärfen würde. Theis erwartet zudem eine Antwort auf die Frage, was aus dem Gebäude in der Zanderstraße werden soll.

Neuer Standort für Spielstätte?

Die Zukunft von Spielstätte und TAF sieht die UWG nicht im Sprudelhof. Nach Angaben des Fraktionsvorsitzenden führt die Wähler-Gemeinschaft seit einiger Zeit Gespräche mit dem Eigentümer des Jugendstil-Bahnhofs, wo die ehemalige Gaststätte seit Jahrzehnten leersteht. Nach dem Vorbild anderer Städte – etwa Bad Homburg – könnte sich Theis die Gründung eines "Kulturbahnhofs" vorstellen.

"Wir wissen, dass der Eigentümer der Stadt ein attraktives Angebot gemacht hat, das zum einen aus einer geringen Miete, zum anderen aus einer Grundsanierung besteht", erklärt Theis. Der Spielstätte stünden im Bahnhof 30 Prozent mehr Fläche zur Verfügung als im Badehaus 2.

Genügend Parkplätze

Eine solche Lösung hätte nach Ansicht der UWG einige weitere Vorteile. Der Bahnhof wäre abends belebt, Besucher des Kulturprogramms fänden genügend Parkplätze, könnten aber auch problemlos mit Bahn oder Bus anreisen. Der Stadt entstünden keine großen Investitionskosten.

Ganz anders im Sprudelhof: Dort rechnet Fachbereichsleiter Jürgen Patscha mit einer Investition von 2,4 Millionen Euro in den Bau der neuen Spielstätte. Für den "Kulturbahnhof" ist laut Theis keine große Vorlaufzeit nötig, bereits 2020 könnte es losgehen. Über die Kleinkunst hinaus wären dort nach UWG-Auffassung Angebote für Jugendliche möglich.

An Krank stellt die UWG klare Forderungen. "Wir erwarten eine Vorlage, die auf Zahlen, Daten und Fakten beruht und den Gremien als Alternative zur Spielstätte im Sprudelhof die Spielstätte im Bahnhof ergebnisoffen zur Entscheidung vorlegt. Das gilt genauso für eine Umsiedlung der Stadtbücherei."

Meinung

Sinnvolle Vorschläge

Ältere Bad Nauheimer werden sich vielleicht noch erinnern Vor etwa 25 Jahren wurde die Bahnhofsgaststätte geschlossen. Weder der Bahn AG noch dem privaten Eigentümer, der das Jugendstil-Bauwerk 2006 erworben hatte, ist es gelungen, den großen Saal wiederzubeleben. Die Idee der UWG, dort die städtische Kleinkunstbühne und das Theater Alte Feuerwache anzusiedeln, hat einen gewissen Charme. In vielen anderen Städten gibt es bereits "Kulturbahnhöfe". Diese Kommunen haben eher schmuddelige Bahnhöfe aufgepeppt, Raum für kulturelle Angebote geschaffen und die Gebäude zu einem Anlaufpunkt in den Abendstunden gemacht. Ein Beispiel ist die Hochtaunus-Kreisstadt Bad Homburg. Dort gibt es ein interessantes Kulturprogramm, Probleme gibt es mit der gastronomischen Begleitung. Auch in einem Bad Nauheimer "Kulturbahnhof" müsste es ein Mindestangebot an Essen und Getränken für die Besucher geben. Verkehrstechnisch ist ein Bahnhof naturgemäß bestens angebunden, Nachbarn, die sich gestört fühlen könnten, gibt es kaum.

Weil Stadt und TAF den Raum nicht täglich benötigen würden, könnte zudem ein Treffpunkt für Jugendliche entstehen. Das Konzept sollte auf jeden Fall ernsthaft geprüft werden – unter Einbeziehung des Theaters Alte Feuerwache. Sinnvoll erscheint auch der geplante Umzug der Stadtbücherei ins Badehaus 3. Die Einrichtung braucht dringend mehr Platz, eine Erweiterung am jetzigen Standort ist aber nicht möglich. Zwar müsste die Stadt fürs Badehaus Miete bezahlen, könnte das Gebäude in der Zanderstraße aber sicher vermieten oder verkaufen. Zwei gute Vorschläge also, mal schauen, was die Politik daraus macht.

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