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Beim 11. Deutschen Orgeltag am Sonntag steht die Dankeskirche und das Orgelprojekt im Mittelpunkt. Kantor Frank Scheffler lädt alle Interessierten ein.

Neue Einblicke zum Orgeltag

  • VonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Im Jahr der Orgel dreht sich alles um die Königin der Instrumente. Der 11. Deutsche Orgeltag am Sonntag, 12. September, findet in Bad Nauheim unter den besonderen Vorzeichen des Orgelprojekts statt: mit Orgelführungen, einem Orgelkonzert und Informationen am Stand des Orgelbaukreises.

Das Projekt »Große Orgel Dankeskirche« ist mit den ersten Angeboten der Orgelbauer in eine spannende Phase getreten. Kantor Frank Scheffler, der Orgelsachverständige der EKHN Thomas Wilhelm und der Orgelbaukreis beschäftigten sich in den vergangenen Monaten mit Prospektentwürfen, Registeranzahl, Aufbau, Klangmöglichkeiten und vielen weiteren Details. Danach werden sich Favoriten ergeben, die den Vorstellungen für das neue Instrument am nächsten kommen. Erst nach Abschluss der Angebotsphase können Einzelheiten bekannt gegeben werden.

Viele fiebern aber schon konkreten Entwürfen entgegen. Und auch Kantor Frank Scheffler hat klare Vorstellungen von dem neuen Instrument, wie er im Interview deutlich macht.

Herr Scheffler, müssen wir uns langsam von der alten Orgel in der Dankeskirche verabschieden?

Ja, das ist wirklich so. Im Grunde hat das Verabschieden für mich als Spieler schon lange begonnen, doch die Einschränkungen sind mittlerweile auch für die Zuhörer deutlich wahrnehmbar. Ich bin froh, wenn die Orgel noch bei der Darstellung der letzten Bach-Werke im Rahmen der Bach-Gesamtaufführung durchhält. Für die virtuosen Goldberg-Variationen ist die Traktur jedoch jetzt nicht mehr präzise genug.

Was bedeutet das?

Dass ich die Goldberg-Variationen leider verschieben muss. Schon heute freue ich mich unheimlich auf die Darstellung dieses Meisterwerks mit dem neuen Instrument.

Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei der Auswahl der Orgelbauer?

Es ist zum einen ein sehr umfangreiches Material auszuwerten. Dabei versucht jeder Orgelbauer, seine eigene Handschrift mit für ihn bewährten Lösungen möglichst weitgehend durchzusetzen. Es liegt an uns, auszuwerten, wie gut das jeweils zu unserer eigenen Orgeltradition und zu unserer Vision des neuen Instruments passt, und wie genau die Ausschreibung umgesetzt wurde.

Dem Orgelprospekt wird gerade von den Laien eine große Bedeutung zugemessen. Wie sehen Sie das?

Das ist verständlich, denn anders als beim Klang der Orgel ist die Optik immer präsent im Raum und nicht vom Spieler abhängig. Und ein gelungener Prospekt trägt zur Identifikation der Gemeinde mit dem Projekt ganz entscheidend bei. Deshalb schauen wir da besonders genau hin.

Es war ja einmal daran gedacht, gute Pfeifen aus der ersten Orgel von 1906 zu verwenden. Ist das möglich?

Ja, das ist möglich und es wird die neue Orgel einzigartig machen. Neben dieser starken Verwurzelung in der Blütezeit unserer Stadt streben wir aber auch innovative Elemente an.

Haben Sie schon konkrete Vorstellungen?

Es gibt viele äußerst interessante Vorschläge, von denen ich noch nicht weiß, ob sie alle umgesetzt werden können, da die Entscheidung ja noch nicht gefallen ist. Wir wünschen uns einen Midi-Ausgang, der eine Kommunikation mit Notenschreibprogrammen ermöglicht. Das würde uns weitere Chancen im digitalen Bereich eröffnen.

Erwarten Sie damit interessante Kooperationen?

Ja, die Mission unseres Neubaus umfasst auch eine besondere Förderung der Orgel-Nachwuchsarbeit, die dringend nötig ist. Wir könnten zum Beispiel durch eine Zusammenarbeit mit der Musikschule verstärkt Kinder und Jugendliche ansprechen. Auch wollen wir im Bereich der Musikvermittlung kreativ tätig werden.

Welche Überlegungen gibt es außerdem?

Eine Kooperation mit dem Kino wäre sehr spannend - etwa im Rahmen von Stummfilm-Improvisationen in der Dankeskirche. Nicht zuletzt können endlich wieder renommierte Gastorganisten in unserer Konzertreihe auftreten. Das sind alles reizvolle neue Möglichkeiten, die dem gesamten kulturellen und geistlichen Leben in der Stadt vielversprechende neue Impulse vermitteln können.

Wie sieht es aktuell mit Pfeifenpatenschaften und Spenden aus?

Durch die coronabedingten Konzertpausen mussten wir hier leider Einbußen hinnehmen. Inzwischen zeichnet sich zum Glück wieder ein wachsendes Interesse ab. Wir suchen aber weiterhin mit Nachdruck Unterstützer, die uns helfen, den Neubeginn der Kultur in der Stadt zu ermöglichen.

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