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Zugeparkt: Die Wettertalstraße, fotografiert aus Richtung Römerstraße. Die Anlieger befürchten eine Verkehrsüberlastung des Wohngebiets, wenn auf dem Holzberg-Gelände 38 Häuser gebaut werden.

Enttäuschte Anlieger

Neubaugebiet in Rödgen: Rechtsstreit ist absehbar

  • Bernd Klühs
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Viele Nachbarn des Neubaugebiets Am Holzberg in Rödgen sehen das Projekt kritisch. Von der Bürgerbeteiligung sind die Anlieger enttäuscht, sie wollen rechtlich gegen den Bebauungsplan vorgehen..

Den Bad Nauheimer Stadtverordneten lag in ihrer jüngsten Sitzung jede Menge bedrucktes Papier vor, als es um die endgültige Beschlussvorlage zum Bebauungsplan »Am Holzberg« in Rödgen ging. Letztlich wurde das Konzept, das einem Investor erlaubt, 38 Wohnhäuser mit zweieinhalb Geschossen zu errichten, mit großer Mehrheit gebilligt. Nur die SPD votierte mit Nein. In Kürze könnte mit dem Bau begonnen werden, falls die Kritiker aus der Nachbarschaft (vorwiegend Römerstraße und Am Ellenberg) den Startschuss nicht noch verhindern.

19 Anwohner hatten im Oktober ausführliche Stellungnahmen mit vielen Kritikpunkten und Änderungsvorschlägen zum B-Plan »Am Holzberg« abgegeben. Verwaltung und Politik hätten sich aber nicht ernsthaft damit befasst. Über die Stellungnahmen der Kritiker hatte der Bauausschuss abgestimmt. Ergebnis: Der B-Plan bleibt in seinen wesentlichen Punkten unverändert.

Den Anliegern zufolge steht diese Art der Bürgerbeteiligung nur auf dem Papier. Obwohl die Stellungnahmen, in denen auf »Unzulänglichkeiten und künftige Gefahren« hingewiesen werde, vor Monaten ans Rathaus geschickt worden waren, habe die Stadt erst jetzt geantwortet, nachdem der Bebauungsplan bereits endgültig verabschiedet wurde. Nach Auskunft von Bürgermeister Klaus Kreß hat das rechtliche Gründe: Die Antworten der Stadt dürften erst nach der Abstimmung über den B-Plan verschickt werden.

Keine Fundamentalopposition

Die Anwohner hatten sich eine Diskussion über ihre Bedenken und Vorschläge erhofft, dazu sei es aber nicht gekommen. Die Bürger sehen sich nicht als Fundamentalopposition: »Uns geht es nicht um die Verhinderung eines Neubaugebiets, sondern darum, die Folgen für das Dorf erträglich zu gestalten.«

Befürchtet wird in erster Linie eine Überlastung der Straßen rund ums Neubaugebiet. Da der Großteil der 38 Häuser auch Einliegerwohnungen haben wird, werde die Einwohnerzahl Rödgens von 1000 auf etwa 1200 anwachsen. Bisherige Anlieger, Neubürger und Eltern, die Grundschule oder Kita ansteuern, müssten eine einzige »unzureichende Zuwegung« (Wettertalstraße/Römerstraße) nutzen. »Das ist eine sicherheits-und verkehrstechnische Zumutung für alle Beteiligten«, betonen die Anwohner.

Die Zufahrt zu Schule, Kita und Wohngebiet beginne mit einer unübersichtlichen und nicht ungefährlichen Einmündung von der Rödger Hauptstraße in die Wettertalstraße. Die Fahrbahn der Römerstraße sei an manchen Stellen nur 3 Meter breit, die Wettertalstraße 5 bis 6 Meter. Ein Ausbau dieser Straßen, in denen häufig geparkt werde und die sich nicht für »massiven Begegnungsverkehr« eigneten, sei unmöglich.

Gefahr für Kinder durch mehr Verkehr?

Das erhöhte Verkehrsaufkommen durch Neubürger und Eltern (die Wettertalschule wurde kürzlich erweitert) werde vor allem zu einer Gefahr für Kinder führen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs seien. »Die Sicherheit von Grundschul- und Kita-Kindern ist seit Jahren immer wieder Inhalt von Elternabenden«, betonen die Anwohner, die das Verkehrsgutachten für unzureichend erachten. So sei das Wachstum der Wettertalschule darin nicht berücksichtigt.

Die Stadt habe dem B-Plan zwar Vorschläge zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beigefügt. Diese Anregungen sind nach Ansicht der Kritiker aber »unsinnig, nicht realisierbar und teilweise gefahrensteigernd«.

Das Bauvorhaben des Investors beurteilen die Anlieger als »überdimensioniert«. Das werde sich auch auf das Kanalsystem auswirken. Vor allem die »prekäre Situation« des an manchen Stellen schadhaften Abwasserkanals, auf die Anwohner rechtzeitig hingewiesen hätten, werde im Bebauungsplan und Gutachten nicht erwähnt.

Abwasser- und Regenwasserkanal müssen nach Auffassung der Anwohner vergrößert und zum Teil verlegt werden. Verwiesen wird auf Keller in Römer- und Wettertalstraße, die vor einigen Jahren aufgrund eines Rückstaus im Kanal überflutet gewesen seien.

Die Bürgerbeteiligung zum B-Plan-Verfahren sei für die Stadt eine reine Formalität. Die Stellungnahmen »haben weder eine Bedeutung noch einen Einfluss auf das Bauvorhaben«. Anwohner und besorgte Eltern könnten dieses Verhalten nicht hinnehmen. »Deshalb werden nun Rechtsmittel gegen das Vorgehen der Stadt eingelegt«, kündigen die Kritiker an.

Investor kann loslegen

Vor gut einer Woche hatte das Stadtparlament den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan »Am Holzberg« gefasst. Der Investor aus Gießen kann damit beginnen, das 2,6 Hektar große Areal im Norden Rödgens zu bebauen. Im Herbst 2019 hatten sich Magistrat und Stadtparlament für die Aufstellung des B-Plans entschieden. Nachdem der Fachbereich Stadtentwicklung den Entwurf fertig hatte, wurden Bürger und beteiligte Behörden Ende September 2020 aufgefordert, Stellungnahmen abzugeben. 19 Anwohner des geplanten Neubaugebiets nutzten diese Gelegenheit und reichten ihre Schriftsätze im Oktober ein. In den Monaten danach bewertete die Verwaltung die Bedenken und Vorschläge der Bürger und Behörden und sprach eine Empfehlung an die parlamentarischen Gremien aus, wie damit verfahren werden sollte. Am 19. Januar stimmte der Bauausschuss über diese Beschlussvorschläge ab, am 28. Januar das Stadtparlament.

Der Bebauungsplan wird somit rechtskräftig. Den Kritikern bleibt nur noch die Möglichkeit, vor dem Verwaltungsgericht dagegen vorzugehen.

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