Gerhard Hahn
+
Gerhard Hahn, Stadtverordnetenvorsteher von Bad Nauheim, ist an seiner Corona-Erkrankung gestorben.

Erschütternde Nachricht

Bad Nauheimer Parlamentschef und „Steinfurther Bub“ Gerhard Hahn tot nach Corona-Infektion

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

In der Regel bleiben Corona-Tote anonym, kaum jemand kennt einen. Jetzt ist eine prominente Person verstorben: Gerhard Hahn, Stadtverordnetenvorsteher von Bad Nauheim.

  • Gerhard Hahn ist am 28. Dezember an seiner Infektion mit dem Coronavirus verstorben.
  • Der gebürtige Steinfurther engagierte sich jahrzehntelang in der heimischen Kommunalpolitik.
  • Im Oktober bekam er für seine Dienste das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Am 3. Dezember hatte Gerhard Hahn die letzte Sitzung des Bad Nauheimer Stadtparlaments dieses Jahres in der Frauenwaldhalle geleitet, die Kolleginnen und Kollegen mit guten Wünschen für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel in die Pause verabschiedet. Um in Corona-Zeiten genügend Abstand halten zu können, waren die Stadtverordneten bereits vor Monaten nach Nieder-Mörlen ausgewichen. Der 72-Jährige moderierte die Tagung gewohnt souverän und mit hintergründigem Humor. Seine eigenen kleinen Fehlgriffe, etwa beim Auszählen von Abstimmungsergebnissen, nahm er mit einem Lächeln selbst auf die Schippe.

Zehn Tage später, am 13. Dezember, wurde der Steinfurther in die auf schwere Covid-19-Fälle spezialisierte Kerckhoff-Klinik eingeliefert. Wie ein FW/UWG-Parteifreund berichtet, musste Hahn von Anfang an beatmet werden. Ärzten und Pflegepersonal gelang es allerdings nicht, das Leben des »ersten Bürgers der Stadt« zu retten. Kurz nach Weihnachten, am Vormittag des 28. Dezember wurde sein Tod festgestellt. Er hinterlässt seine Ehefrau Maria und zwei erwachsene Kinder.

Gerhard Hahn: Meist bescheiden im Hintergrund

Die Nachricht verbreitete sich in Bad Nauheim und darüber hinaus wie ein Lauffeuer. Nicht nur Kommunalpolitiker, auch viele andere Bürger sind tief getroffen vom Ableben des beliebten Steinfurthers. Gerhard Hahn hatte nie das Auftreten eines Parteipolitikers. Ihm ging es stets um die Sache, er trat charmant auf, war stets um Ausgleich, um einen Kompromiss bemüht. Taktische Spielchen oder Intrigen waren dem Pädagogen fremd. Auch langjährige Beobachter haben nie erlebt, dass der Steinfurther auf einen politischen Gegner verbal einprügelte.

Als die Freien Wähler bei der Kommunalwahl 2016 überraschend die CDU als stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ablösten, war es deshalb folgerichtig, Gerhard Hahn zum Parlamentschef zu machen. Ein Jahr später führte er den neuen Bürgermeister Klaus Kreß und den neuen Ersten Stadtrat Peter Krank in ihre Ämter ein. Bei solchen Gelegenheiten musste Hahn in den Mittelpunkt rücken. Ansonsten hielt er sich bescheiden im Hintergrund, ließ bei den zahlreichen Einweihungsterminen und Feierlichkeiten gerne anderen den Vortritt.

Dabei hatte Hahn allen Grund, auf seine ehrenamtlichen Leistungen für die Allgemeinheit stolz zu sein. Der frühere Lehrer an der Rosendorfschule Steinfurth kam erst spät zur Kommunalpolitik. 1995 trat er in der UWG-Hochburg Steinfurth den Freien Wählern bei. Schon zwei Jahre später wurde Hahn Ortsvorsteher und zog ins Stadtparlament ein. Beide Funktionen behielt er bis 2006 bei. Dann wechselte Hahn als ehrenamtlicher Stadtrat in den Magistrat. 2016 erfolgte mit der Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher ein weiterer Aufstieg.

Gerhard Hahn: „Steinfurther Bub“ engagiert sich in vielen Vereinen

Eine riesige Lücke wird der »Steinfurther Bub« vor allem in seinem Heimatdorf hinterlassen. Dort gibt es fast nichts, was Hahn nicht angepackt hat. Er unterrichtete seit 1978 an der Grundschule (Ruhestand: 2014), engagierte sich als Ortsvorsteher und in mehreren Vereinen, leitete bis zuletzt den Kultur und Sportausschuss (Vereinsring) und war einer der Macher des deutschlandweit bekannten Rosenfests. Seine Liebe galt dem »Steinfurther Blättchen«, das er seit mehr als 20 Jahren einmal im Monat herausgab. Hahn entging im Rosendorf nichts, alles Wissenswerte brachte er für die Steinfurther zu Papier.

Weil er Talente auf vielen Gebieten aufwies, handwerkliches Geschick ebenso mitbrachte wie EDV-technische Fähigkeiten und Wissen auf dem Gebiet der Kunst, wurde stets auf ihn zurückgegriffen, wenn Not am Mann war. Bekanntes Zitat des vor vielen Jahren verstorbenen Ex-Ortsvorstehers Franz Gabriel: »Der Gerhard kann alles.«

Gerhard Hahn: Verdienstkreuz kurz vor seinem Tod

Angesichts der Fülle von Posten und Leistungen blieben Ehrungen nicht aus. 2015 wurde Hahn der Landesehrenbrief verliehen. Ende Oktober, kurz vor seinem 72. Geburtstag folgte die nächste Auszeichnung. Hessens Europaministerin Lucia Puttrich überreichte ihm das Bundesverdienstkreuz.

Bürgermeister Kreß beschrieb die Eigenschaften des Stadtverordnetenvorstehers treffend: unaufgeregt, viel Humor, nie nach Éhrungen schielend. Wie der Steinfurther zwei Monate vor seinem Tod sagte, verstehe er den Orden »als Zwischen-, nicht als Abschlusszeugnis«. Leider lag Gerhard Hahn mit dieser Vorhersage daneben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare