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Einen Chef gibt es nicht im Weltladen. Gemeinsam besprechen Ulrike Niemann (l.), Agnes Römer (Mitte) und Christina Ponto weitere Planungen.

Weltladen

Warum sich Bad Nauheimer Senioren für den Weltladen engagieren

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Viele Senioren suchen nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung. Etliche Bad Nauheimer engagieren sich im Rentenalter für den Weltladen, sehen darin eine Aufgabe, die den Alltag bereichert - ganz ohne Chef.

Rund 40 Ehrenamtliche sind im Weltladen in den Kolonnaden aktiv, zwei von ihnen sind Ulrike Niemann und Christina Ponto. "Die Arbeit hier bereitet uns großen Spaß", sagen die beiden Damen. Jeder finde im Weltladen seine Nische und Aufgaben, die auch den persönlichen Alltag bereichern.

Dank ihres Engagements machen die Ehrenamtlichen die Vielfalt des "Fairen Handels" erlebbar und setzen Vision und Leitbild der Agenda 21 und der Lokalen Agenda Bad Nauheim praktisch um. Dies geschieht in ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen wie dem Verkauf im Laden, bei Veranstaltungen, Bildungsarbeit, Bestellungen, Öffentlichkeitsarbeit und vielen weiteren Teilbereichen. "Es war schon immer mein Wunsch, im Rentenalter ehrenamtlich etwas für die Gesellschaft zu tun", betont Christina Ponto.

Weltladen Bad Nauheim: Angenehmes Arbeiten ohne Chef

Als sie vor einigen Jahren von Frankfurt nach Bad Nauheim zog, suchte sie gezielt nach Aufgaben, die auch Verantwortung bedeuten. Sie entschied sich für die Hospizhilfe Wetterau, für die Sterbebegleitung und das Projekt "Hospiz macht Schule". Im Weltladen übt sie ihr zweites Ehrenamt mit großer Leidenschaft aus, mit dem Berufsleben sei dies nicht vergleichbar. "Hier gibt es keine Konkurrenz", erklärt Ponto, "alles ist viel entspannter als im Arbeitsalltag." Im Weltladen gibt es auch keinen Chef, der das Sagen hat. Durch den Weltladen seien viele Freundschaften entstanden, wie Ulrike Niemann ergänzt.

Mit außergewöhnlichen Geschenkideen hat sich der Weltladen über die Stadtgrenzen Bad Nauheims hinweg etabliert.

Hinter den Ideen und deren Umsetzung stecken viele kreative Köpfe. In regelmäßigen Besprechungen werden Ideen und Themen angeregt, Veranstaltungen geplant, Einsatzpläne erstellt und Aufgaben zugeteilt. Engpässe gab es dank der vielen engagierten Ehrenamtlichen noch nicht. Jeder sei mit Herzblut dabei. "Wir sind von Anfang an mit großem Zuspruch gestartet", erklärt Agnes Römer, Vorsitzende des Vereins Bad Nauheim fair wandeln. Das Konzept des "Fairen Handels" sei auch bei älteren Mitbürgern der Stadt gleich auf Interesse gestoßen. "80 Prozent unserer Ehrenamtlichen sind Senioren", sagt Römer.

Weltladen Bad Nauheim: Genaue Info über Herkunft der Ware

"Wir tragen alle diese Vision des Weltladens in uns, sonst könnten wir das gar nicht machen", ergänzt Ponto. Ulrike Niemann lebt diese Vision seit sechs Jahren, neben ihren festen Aufgaben übernimmt sie auch Tagesabschlüsse und führt viele Gespräche mit Interessenten und Kunden. Längst habe sich ein fester Kundenstamm gebildet. Zu den Kunden zählen auch Reha- und Kurgäste, die das Angebot der "Fundgrube für qualitativ hochwertige und handgearbeitete Geschenke" nutzen, wie Agnes Römer es formuliert. Die Kunden erfahren ganz genau, wo die Produkte hergestellt werden und wie sie ihren Weg nach Bad Nauheim finden. Der "Faire Handel" wird sichtbar gemacht, nicht zuletzt beim "Bad Nauheimer Stadtkaffee" von der Kooperative "Aprolma" aus Marcala (Honduras) und bei der "Bad Nauheimer Teestunde" von der Kleinbauern-Kooperative "Sanjukta Vikas" aus Darjeeling (Indien). Immer wieder begrüßt der Weltladen Repräsentanten von Fairhandels-Organisationen.

Dank der Einnahmen und Mitgliederbeiträge konnten viele Projekte und Initiativen unterstützt werden, darunter Frauenkooperationen in Namibia, Afghanistan und Honduras, Behinderteneinrichtungen in Palästina und Nepal, Katastrophenhilfe für die Philippinen und Mexiko.

"Unser Blick ist bei allen Aktivitäten auch in die Region gerichtet", betont Römer. "Die sozialen Probleme hier dürfen nicht vergessen werden." Aktuell wirbt der Weltladen daher um Spenden für "faire Schultüten". Damit sollen benachteiligte Familien unterstützt werden. Der Weltladen kooperiere hier unter anderem mit der Friedberger Tafel, dem Mütter- und Familienzentrum, dem Notmütterruf und der Flüchtlingshilfe. "Wir werden die Schultüten fair und sinnvoll füllen", sagt Römer. "Im letzten Jahr konnten wir dank der Spenden 30 Schultüten verteilen."

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