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Feuerwehrmänner zerschneiden bei einer Übung die Karosserie eines BMW i3. Einsatzkräfte befolgen bei der Annäherung an ein Unfallfahrzeug ganz klare Regeln, weil sie damit rechnen müssen, dass Sicherheitseinrichtungen infolge schwerer Beschädigungen nicht mehr funktionieren.

Herausforderung

Unfälle: Wie gehen Wetterauer Feuerwehren mit E-Autos um?

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Elektroautos sind im Kommen, und auch Feuerwehren müssen sich damit auseinandersetzen. Kreisbrandinspektor Lars Henrich erklärt, wie sich die Wetterauer Wehren auf Unfälle vorbereiten.

Nach zögerlichem Start setzen die Autohersteller zunehmend auf batteriebetriebene Modelle, die Zahl der Elektroautos auf den Straßen steigt. Doch was geschieht bei einem Unfall? Wie gefährlich sind die quasi unter Strom stehenden Fahrzeuge, wenn es kracht? Im Netz kursieren dramatische Beispiele. April 2018: In einem Parkhaus in Shanghai brennt ein am Ladekabel stehender Tesla ab; ein einzelnes Batteriemodul hatte sich entzündet und den Brand ausgelöst. Inzwischen hat Tesla die Ladesoftware nachgerüstet. Mai 2018: In der Schweiz entzündet sich ein Tesla Model S bei einem Unfall. Und in den Niederlanden löscht die Feuerwehr einen rauchenden BMW i8 durch Versenken im Tauchbecken.

"Die Feuerwehren in der Wetterau sind auch für Unfälle mit Elektroautos gerüstet", stellt Kreisbrandinspektor Lars Henrich gleich zum Einstieg in das Thema klar. Unbestritten ist: E-Mobilität sowie alternative Antriebsarten wie Flüssig- und Erdgas oder Wasserstoff stellen die Einsatzkräfte der Feuerwehren und Rettungsdienste vor besondere Herausforderungen. Bereits vor Jahren hat die Landesfeuerwehrschule deshalb den Umgang mit E-Autos und anderen Antriebsarten in ihr Trainingsprogramm aufgenommen, seit 2017 sind die Kreisfeuerwehrverbände mit diesen Schulungen betraut.

E-Autos: Tödliche 900-Volt-Gefahr

Doch was genau sind die besonderen Gefahren bei Unfällen mit E-Autos? "Sie müssen sich vorstellen, dass die Lithium-Ionen-Batterien bis zu 900 Volt Spannung erzeugen", erklärt Henrich. 900 Volt - das liegt noch im Bereich der sogenannten Niederspannung, wäre für Menschen in der Regel aber tödlich. Im Fahrzeug sind die Batterien entweder in den Bodenplatten oder im Heck "berührungssicher" verbaut - will heißen, ohne Weiteres kommt man nicht an sie heran. Alle Hersteller haben laut Henrich zudem Sicherheitseinrichtungen integriert, etwa Trennschalter oder Notabschaltungen, die beispielsweise an den Airbag gekoppelt sind und sekundenschnell den Stromfluss unterbrechen.

Wenn es um E-Autos geht, ist Lars Henrich ziemlich entspannt. Er sieht die Feuerwehren für Unfälle mit diesen Fahrzeugen gut gerüstet.

Trotzdem könnten - im Falle schwerer mechanischer Beschädigungen - diese Sicherheitseinrichtungen versagen. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst befolgen deshalb bei der Annäherung an ein Unfallfahrzeug die AUTO-Regel. A steht für das Achten auf austretende Betriebsstoffe (wie Benzin oder Diesel), U für die Unterbodenkontrolle, T für das Sichten des Tankstutzens beziehungsweise der Ladesteckdose, O für die Oberflächenbeschriftung des Fahrzeugs. "Eine EU-einheitliche Kennzeichnung gibt es leider noch nicht, jeder Hersteller hat sein eigenes System", erläutert Henrich.

Der Smart in der Tiefgarage des Kreishauses, eines von vier E-Autos unterschiedlicher Hersteller, über die Außendienstmitarbeiter der Kreisverwaltung verfügen können, trägt über dem Verschlussdeckel, der für sich genommen nicht von einem Tankdeckel zu unterscheiden ist, ein Stecker-Symbol. Auch das Kfz-Kennzeichen (so es am Unfallwagen noch zu erkennen ist) gibt Aufschluss: E-Autos tragen hinter der Ziffernkombination den Buchstaben E.

Schwierig wird es im Fall eines Brandes. Die Lithium-Ionen-Batterieblöcke bestehen aus mehreren voneinander getrennten kleinen Zellen. Gerät eine von diesen in Brand, heizt sie sich auf und kann so eine benachbarte Zelle entzünden. Es entsteht eine Kettenreaktion, die Batteriezellen wirken ähnlich wie ein Brandbeschleuniger.

E-Autos: Wehr setzt nicht auf Sand

Wie Metallbrände würden sie am besten mit Pulver oder Sand gelöscht, doch das führen Löschfahrzeuge im Regelfall nicht mit sich. "Irgendwann kommen wir mit unserer Ausrüstung an die Grenze der Gewichtsbelastung", sagt der Fachmann. Die für einen Löschvorgang in etwa benötigten 100 Kilo Sand seien "einfach zu viel". Stattdessen wird Wasser in großen Mengen gespritzt, zur Vermeidung eines Stromschlags aus einem Sicherheitsabstand von einem bis fünf Metern, je nachdem, ob auf Sprüh- oder auf Vollstrahl eingestellt ist. Henrich: "Das Wasser wird mit Schaum versetzt, der verstärkt den kühlenden Effekt, durch den wir die Kettenreaktion stoppen."

E-Autos: Bisher nur Theorie in der Wetterau

Bislang mussten die Wetterauer Wehren ihre theoretischen Kenntnisse im Umgang mit E-Autos noch nicht im Ernstfall erproben. 650 im Kreis zugelassene Fahrzeuge tragen das E-Kennzeichen. 445 sind reine E-Autos, 205 Hybridmodelle mit einem zusätzlichen Benzin- oder Dieselantrieb. Am Gesamtfahrzeugaufkommen in der Wetterau, wo - einschließlich Mofas, Motorrädern, Wohnmobilen, Anhängern, Traktoren und Lkw - nicht weniger als 260 000 Fahrzeuge zugelassen sind, haben E-Autos einen Anteil von 0,25 Prozent.

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