Das Teleskop von Hans-Winfried Auel bietet dank Sekundärspiegel eine Brennweite von zwei Metern und ermöglicht eine 250-fache Vergrößerung. Für den 21. Dezember empfiehlt er eine 100- bis 150-fache Vergrößerung, um das Geschehen - dank Erdrotation - nicht zu schnell aus dem Okular zu verlieren.
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Das Teleskop von Hans-Winfried Auel bietet dank Sekundärspiegel eine Brennweite von zwei Metern und ermöglicht eine 250-fache Vergrößerung. Für den 21. Dezember empfiehlt er eine 100- bis 150-fache Vergrößerung, um das Geschehen - dank Erdrotation - nicht zu schnell aus dem Okular zu verlieren.

Seltenes Schauspiel

Hobby-Astronom erwartet seltenes Phänomen: „Stern über Bethlehem“ am 21. Dezember

  • vonAnnette Hausmanns
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Hans-Winfried Auel, Hobby-Astronom aus Bad Nauheim, weist auf ein Phänomen am Himmel hin, das kurz bevorsteht. Zwar ist es reine Astronomie, hat aber dennoch mit der Weihnachtsgeschichte zu tun.

Ein klarer Winterabend. Kurz vor Weihnachten in der Wetterau. Menschen stehen eingemummelt auf einer zugigen Anhöhe. Sehnsuchtsvolle Blicke wandern gen Sternenhimmel. Schweifen in Richtung Südwesten. Tasten den Horizont ab. Heften sich an zwei kleine, dicht beisammen stehende weiße Punkte. Die beiden leuchten wie ein einziger heller Stern. Aber: Kein Kometenschweif, keine jubilierenden Engel, keine Schafe weit und breit. Allenfalls ein Stall irgendwo in der Szenerie. Und doch: Unter der Weite des Alls kehrt Demut ein, und Weihnachtsfreude keimt auf.

So oder so ähnlich könnte es sich am frühen Abend des 21. Dezember in der Wetterau überall dort abspielen, wo man einen freien Blick in Richtung Südwesten hat, mit möglichst wenig Streulicht, mit klarer Luft und kaum Wolken. Dann nämlich kann man mit dem bloßen Auge ein seltenes Himmelsschauspiel erspähen, wie es wohl auch zur Zeit von Jesu Geburt zu beobachten gewesen ist: Die optische »Verschmelzung« der Planeten Jupiter und Saturn zu einem »Stern«, von Fachleuten als Große Konjunktion bezeichnet. Hans-Winfried Auel aus Bad Nauheim-Rödgen ist ein solcher Fachmann. Seit Monaten beschäftigt sich der Hobby-Astronom mit dieser scheinbaren Verschmelzung und beobachtet an klaren Abenden durch sein Himmelsfernrohr, wie sich die Planeten annähern.

Die möglichen Parallelen zur Weihnachtsgeschichte betrachtet Auel aus theologischem Interesse: Er unterrichtet unter anderem evangelische Religion an der Sankt-Lioba-Schule und engagiert sich in seiner Kirchengemeinde Rödgen/Schwalheim.

Astronomie: Komet-Theorie passt nicht so richtig

Auel zufolge sinnierten Himmelsforscher über Jahrhunderte, welches Phänomen der Evangelist Matthäus beschreibt, wenn er von drei Weisen aus dem Morgenland erzählt, die angeblich dem Stern über Bethlehem gefolgt seien. Drei Himmelsereignisse kamen laut Auel in die engere Wahl. Die erste These: »Es könnte ein Komet gewesen sein.« Unzählige Darstellungen von der Geburt Jesu legten diesen Verdacht nahe. In der Antike galten Kometen aber meist als Unheilsbringer. »Unwahrscheinlich, dass Matthäus ein solches Phänomen mit Jesus in Verbindung bringen wollte.«

Auch ein neuer Stern am Himmel, eine Nova oder Supernova, zählt zu den Erklärungsversuchen. Auel: »Im Universum kommt es immer wieder vor, dass Sterne an ihrem Ende die äußeren Gasschichten von sich werfen«. Zur fraglichen Zeit sei ein derartiger stellarer Todeskampf aber nicht beobachtet worden. Daher sei der Deutungsversuch der »Großen Konjunktion« der wahrscheinlichste. Im Jahr 7 vor Christus seien sich Jupiter und Saturn dreimal ganz nahe gekommen. Matthäus könnte diese seltene Konstellation als Hinweis auf das Christusgeschehen aufgegriffen haben.

Himmels-Phänomen: Alle 40 Jahre ein dreifaches Rendezvous

»Gewiss, die Planetenkonstellation hat es gegeben«, räumt Auel ein. Aber, dass Astronomen aus dem Orient Jesu Geburtsstätte besuchten, sei historisch nicht zu belegen. »Kein anderer Evangelist berichtet von diesem Ereignis.« Näher liege, dass Matthäus mit der Himmelskunde vertraut gewesen sei und Jesu Vollmacht habe darstellen wollen. Die Komposition des Matthäus sei literarisch zwar als Legende zu charakterisieren, erklärt Auel. Der Evangelist beschreibe aber bildhaft das Wesen der außergewöhnlichen Person Jesus - zugleich eine Art Zeitenwende.

In diesen Tagen nach der besonderen Planetenkonstellation Ausschau zu halten, hält Auel für höchst interessant. Obwohl Jupiter und Saturn bestenfalls alle 40 Jahre ein dreifaches Rendezvous hätten, erhalte man nur höchst selten den Eindruck der kompletten Verschmelzung. »In diesem Jahr werden die Kirchen zu Weihnachten wegen der Corona-Epidemie so leer sein wie noch nie. Dafür ereignet sich - ausgerechnet in der dunkelsten Nacht des Jahres - eine Planetenkonstellation wie um die Zeit von Jesu Geburt«, merkt Auel an. »Wichtig ist, um 17 Uhr tief nach Südwesten schauen zu können.«. Frei nach Loriot (»Man muss schon sehr genau hinsehen«) sollte man nicht etwas zu Spektakuläres erwarten. »Ein akkurater Blick ist wichtig.«

Hobby-Astronom: Das verbirgt sich hinter einer Großen Konjunktion

Als Große Konjunktion bezeichnet man in der Astronomie das Annähern zwischen den Planeten Jupiter und Saturn. Die beiden Gasriesen sehen dann wie ein auffallend heller Doppelstern aus. Hintergrund sind ihre unterschiedlichen Umlaufzeiten um die Sonne: Saturn braucht für eine Umrundung knapp 30 Jahre, Jupiter etwa zwölf Jahre. Der »flottere« überholt also den kleineren Koloss. Von der Erde aus betrachtet, »treffen« sich die beiden während des Überholmanövers am Himmel. Ein sehenswerter Effekt - und selten so perfekt wie heuer. Eigentlich kommen sich die beiden auf ihren Umlaufbahnen natürlich nicht wirklich nahe. Saturn ist am 21. Dezember etwa doppelt so weit von der Erde entfernt wie Jupiter. Übrigens: Jupiter hat einen elfmal größeren Durchmesser als die Erde, der Saturn ist immer noch neuneinhalb mal so dick wie der blaue Planet.

Das sollte man beachten

Wer am 21. Dezember das besondere Himmelsschauspiel sehen möchte, sollte mit Einbruch der Dämmerung schon ab 16 Uhr Ausschau halten. Ein erhöhter Ort mit möglichst wenig Streulicht ist von Vorteil, denn die beiden Planeten stehen tief im Südwesten und werden nach 18 Uhr bereits untergehen. Jupiter ist der hellere, etwas tiefer stehende »Stern«. Das Schauspiel ist zwar mit dem bloßen Auge zu erkennen, Fernglas oder Teleskop intensivieren das Erleben natürlich. Auch an allen klaren Abenden davor und danach noch bis Ende Dezember sieht man die Gasriesen tief im Südwesten eng beieinanderstehend leuchten.

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