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"Hallo, ich bin der Lutz aus Bad Nauheim": Mit Charme und Witz zeigt Lutz Krüger in einem Video, wie man Türen öffnet, ohne die Klinke zu berühren. Eine pfiffige Idee in Zeiten der Pandemie. 

Tüftler im Video

Bad Nauheimer Tüftler geht viral: Wie man sich mit einer Klorolle vor Corona schützt

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Seit Sonntag verbreitet sich per WhatsApp ein Video, das zeigt, wie man in Corona-Zeiten Türen öffnet, ohne die Klinke anzufassen: mit einer Klopapierrolle. Die Idee eines Tüftler aus Bad Nauheim.

Ich bekomme ständig Anrufe", sagt Lutz Krüger. "Dabei ist das Video doch erst am Sonntag viral gegangen." "Viral gehen" bedeutet, dass sich eine Botschaft, ein Video im Internet rasend schnell verbreitet. Der Begriff leitet sich von "Virus" ab, und genau darum geht es hier. Wenn auch mit einem Augenzwinkern, wie Krüger der WZ sagt.

Der 62-jährige Architekt und Diplom-Ingenieur aus Nieder-Mörlen ist ein Tüftler, im Geiste und ganz praktisch im Bastelkeller. "In meinem Alter darf ich schon ein bisschen in Rente sein. Da macht es mir Spaß, über ein paar Dinge nachzudenken und Lösungen für Probleme zu finden."

Die Idee zu "Clinkie", wie er seine Corona-kompatible Türöffner-Hilfe getauft hat, sei ihm ganz plötzlich gekommen. "Ständig muss man etwas anfassen. Dafür wollte ich etwas erfinden." Erste Versuche mit einem Stöckchen mit zwei Haken und einem Schlitz drin misslangen. Doch hinter jedem genialen Erfinder steht eine Frau, die ihm im richtigen Augenblick auf die Sprünge hilft. So war's auch hier. "Meine Frau hatte diese leere Klopapierrolle in der Hand." Es wurde hin und her überlegt, bis die Lösung gefunden war: Man nehme eine Klopapierrolle mit wenigen Restblättern, hänge diese an eine Schnur und die Schnur über die Schultern, so dass die Klorolle vorm Bauch hängt und ständig griffbereit ist. Muss man einen Türgriff betätigen, umgreift man die Klorolle, stülpt sie über den Griff und öffnet die Tür ohne Berührung. Einfach und genial. "Die Leute haben jetzt soviel Klopapier zu Hause, da bietet sich meine Erfindung geradezu an", sagt Krüger mit einem Lachen in der Stimme.

Nach ein paar weiteren Gedankenblitzen und eingehenden Beratungen mit seinen Schwiegersöhnen stand der Tüftler wieder im Bastelkeller. Der Prototyp sollte serienreif gemacht werden. "Ich hatte da noch diesen Isolierungsschlauch für Heizungsrohre", schildert Krüger. Ein einfacher PVC-Schlauch, im Baumarkt für ein paar Cent erhältlich.

Video Bad Nauheim: Corona-Klorolle, die nächste Generation

In seinem Video zeigt Krüger, wie ein Stück dieses Plastikschlauchs durch einen einfachen Längsschnitt in einen Handgriff für Einkaufswagen umfunktioniert wird. Die Teile funktionieren auch bei Türgriffen, und selbst Schlüssel kann man damit umdrehen.

Krüger hat den Film auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Für den Influenza-Influencer ist es nicht das erste Video. Vor gut fünf Jahren veröffentlichte er auf seinem Youtube-Kanal kurze Filme über das Schützenhobby. Die Videos wurden deutschlandweit beachtet, "das war eine gute Aktion für den Vereinssport". Nachdem er sein jüngstes Video per WhatsApp verschickt hatte, verbreitete es sich in Windeseile. Es gibt Wetterauer, die das Video erst selbst verschickt und dann von fünf anderen Bekannten zugeschickt bekommen haben.

Auch Krüger bekam Fotos und Videos zugeschickt, auf denen Kinder seine "Clinkies" nachgebaut haben. Beim Spaziergang wird er von fremden Leuten mit Namen begrüßt, und das Telefon steht nicht mehr still. "Ist doch toll, wenn das so eine große Resonanz hat", sagt er. Ihm geht es übrigens nicht ums Geschäftemachen. "Wenn ich 2 Millionen Stück für 99 Cent auf den Markt werfen würde, wäre ich morgen Millionär." Aber er weiß: Wenn man bei einer guten Idee nicht sofort handelt und "alle Maschinen anwirft, von der Herstellung bis zur Vermarktung, dann klappt das nicht." Außerdem, sagt Krüger, und man kann sein Grinsen durchs Telefon hören, "muss man eine Klorolle mit einem Bändel dran nicht neu erfinden. Es geht eher ums neu verwenden."

Video Bad Nauheim: Tüftler hat neues Projekt in Arbeit

In Sachen Erfindungen soll's das zunächst gewesen sein. Krüger hat aber ein neues Projekt in Arbeit: "Das wird ein Internet-Blog. Der Titel lautet: ›Lutz, de Hess‹ - ein Leben mit Handkäs’ ist möglich, aber sinnlos‹." Er werde über alles mögliche, das ihm durch den Kopf gehe, schreiben, kündigt Krüger an. "Die Internetseite ist schon fertig. Vielleicht ist jetzt ja der richtige Zeitpunkt, um loszulegen." Jetzt, wo jeder zu Hause hockt, bestenfalls mal endlich den Keller aufräumt oder auf die verrückte Idee kommt, das Fußballtraining aus Platzgründen zu Hause mit Klopapierrollen fortzusetzen.

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