Diese Fichten werden vermutlich nicht mehr lange stehen. Insgesamt ist diese Baumart im Bad Nauheimer Stadtwald aber wenig vertreten. Ein größerer Kahlschlag ist deshalb nicht zu befürchten. FOTO: NICI MERZ
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Diese Fichten werden vermutlich nicht mehr lange stehen. Insgesamt ist diese Baumart im Bad Nauheimer Stadtwald aber wenig vertreten. Ein größerer Kahlschlag ist deshalb nicht zu befürchten. FOTO: NICI MERZ

Klimawandel

Bad Nauheimer Stadtwald zeigt sich resistent

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Wer am Winterstein spazieren geht, kann den Klimawandel förmlich greifen. Der Kahlschlag wirkt bedrückend. Im Bad Nauheimer Wald ist die Lage weniger dramatisch, was historisch begründet ist.

Schon vor mehr als 100 Jahren hatte der 171 Hektar große Bad Nauheimer Stadtwald eine Ausnahmestellung in der Region. Damals wurde der Forst - nicht nur der Waldpark Skiwiese - von Landschaftsarchitekten geplant. Er sollte in erster Linie der Erholung dienen. Dieses Uralt-Konzept kommt der Bevölkerung heute noch zugute, denn im Gegensatz zu anderen Regionen wurden hier keine Fichten-Monokulturen gepflanzt, die eine schnelle und ertragreiche Ernte versprachen.

Auch deshalb ist der Bad Nauheimer Stadtwald aktuell trotz dreier Trockenjahre in deutlich besserem Zustand als andernorts. Das wurde aus den Vorträgen des zuständigen Revierförsters Eckhard Richter und von Bernd Reißmann (Leiter Forstamt Nidda) in einer gemeinsamen Sitzung von Bauausschuss sowie Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend deutlich. Auf der Tagesordnung stand der Waldwirtschaftsplan 2021.

"Was die Folgen der Dürre angeht, ist Bad Nauheim recht gut weggekommen", sagte Richter. Fichte und Buche seien von der seit drei Jahren anhaltenden Phase mit hohen Temperaturen und wenig Niederschlag besonders betroffen. Richter zufolge wird die Fichte aus den Wäldern verschwinden. In Bad Nauheim sei diese Baumart aber nur wenig vertreten, ein großer Kahlschlag deshalb nicht zu befürchten.

"Die Buchen zeigen Dürre-Erscheinungen, auch im Bad Nauheimer Wald", erklärte der Revierförster. Deshalb werde das Forstamt bei der im kommenden Jahr um 50 Prozent reduzierten Holzernte den Schwerpunkt auf Buchen legen. In den großen Beständen von Eichen, die der Trockenheit bislang trotzten, werde dagegen nur ein Drittel des Zuwachses entnommen.

Ungemein wichtig: Ein nasser Winter

Weil es im Stadtwald nicht zum großen Baumsterben komme, wenige Stämme entnommen würden und Naturverjüngung funktioniere, müsse wenig Geld in Nachpflanzungen investiert werden. Auch in Bad Nauheim werde die Lage allerdings kritisch, wenn die Trockenheit anhalte. "Wir brauchen wieder einen nassen Winter, sonst droht ein Fiasko", betonte Richter.

Über den Bad Nauheimer Tellerrand hinaus schaute Forstamtsleiter Reißmann. Heute stelle die Forstwirtschaft den ökologischen Wert des Waldes in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. In Städten wie Bad Nauheim komme der Erholungsfaktor hinzu. Der Wald leide unter gestiegenen Durchschnittstemperaturen und geringen Niederschlagsmengen. "Weil es wärmer ist, verlängert sich die Vegetationsperiode um einen Monat, die Blüte beginnt bereits Ende März", sagte Reißmann. Dafür stehe den Bäumen aber deutlich zu wenig Wasser zur Verfügung. Dieser Trend werde anhalten und sich verschärfen.

Nach Angaben des Forstamtsleiters sind der Klimaveränderung zuletzt etwa 5 Prozent der hessischen Waldflächen (50 000 Hektar) zum Opfer gefallen, meist handele es sich um Fichten-Monokulturen. "Gewinner des Klimawandels" seien Eiche, Douglasie, Kiefer, Linde oder Ahorn. Nicht alle kahlen Flächen könnten aufgeforstet werden.

Auf das Fichtensterben und das Kränkeln der Buchen habe sich Hessen Forst schnell eingestellt. Inzwischen lägen eindeutige wissenschaftliche Empfehlungen zur Nachpflanzung vor. Laut Reißmann wird ein Mischwald mit hohem Laubbaum-Anteil angestrebt. Arten aus Südeuropa sollten zum Einsatz kommen. In Bad Nauheim werde künftig zum Beispiel die Pflaumeneiche auftauchen.

Stadtwald bleibt ein Zuschussbetrieb

Der Stadtwald bleibt ein Zuschussbetrieb. 2021 sinken die Erlöse auf das Rekordtief von 31 500 Euro. Dem stehen Ausgaben und interne Leistungsverrechnungen von gut 250 000 Euro entgegen. Unter dem Strich steht ein Minus von 223 000 Euro. Hinzu kommen 91 000 Euro, die im Rahmen des Waldparkpflegewerks investiert werden. Mehrere Hütten sollen saniert, ihr Umfeld neu gestaltet werden. Zudem wird das Wegenetz der unteren Skiwiese denkmalgerecht saniert. Bürgermeister Klaus Kreß verwies auf das langfristige Investitionsprogramm, das zehn Jahre laufen soll. "Der Einschlag wird deutlich reduziert, wir sind auf dem richtigen Weg. Es wird Schritt für Schritt vorangegangen, die Maßnahmen kommen bei den Bürgern gut an."

Der Waldwirtschaftsplan 2021 wurde von beiden Ausschüssen einstimmig gebilligt.

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