Auf den Spuren von Hitchcock, Kubrik und Tarantino: Samuel Punto hat mit seinem Debütfilm gleich zwei Preise abgeräumt. Sein Erstlingswerk "The Cycle" ist abrufbar auf www.pinksealproductions.com. FOTO: HANNA VON PROSCH
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Auf den Spuren von Hitchcock, Kubrik und Tarantino: Samuel Punto hat mit seinem Debütfilm gleich zwei Preise abgeräumt. Sein Erstlingswerk "The Cycle" ist abrufbar auf www.pinksealproductions.com. FOTO: HANNA VON PROSCH

"The Cycle"

Bad Nauheimer präsentiert ersten Film und gewinnt gleich zwei Preise

  • vonHanna von Prosch
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Der Bad Nauheimer Samuel Punto hat mit seinem Filmdebüt "The Cycle" auf Anhieb den Sonderpreis der "Visionale19" und den Deutschen Jugendfilmpreis 2020 gewonnen.

Samuel liebt es, Geschichten zu erzählen. Schon immer. In der Familie heißt er von klein auf "Drama King", weil er viel redet, bedeutungsvoll gestikuliert und seine dunklen Augen Feuer sprühen lässt. Vor allem, wenn es um Filme geht. Irgendwann wollte Samuel die Fantasien, die er dem Bruder erzählte, visualisieren. "Mein erstes Projekt war das Video "Herr der Ringe-Fan". Aber das werde ich nie jemandem zeigen", lacht er.

Als Samuel jetzt mit seinem ersten zehnminütigen Kurzfilm gleich zwei Preise einsteckte, war nicht nur er mächtig stolz. Auch seine Familie und diejenigen, denen er es in der Ernst-Ludwig-Schule erzählte, freuten sich. Auf der ELS besucht er die zehnte Klasse und wer ihn kennt, weiß, dass seine Gedanken gerne einmal vom Schulstoff zum Drehstoff abschweifen. Ideen lassen sich eben nicht bändigen, nur im stets griffbereiten Notizbuch. Er sammelt sie in der Natur, im Auto, im Alltag.

Bad Nauheimer gewinnt Filmpreise: Persönliche Geschichte umgesetzt

Das Videorätselspiel "Little Nightmares" inspirierte ihn zu "The Cycle". Die Geschichte, die er umsetzt, ist aber immer seine persönliche: Seltsame Zeichen weisen einem jungen Mann - Samuel spielt sich selbst - den Weg durch den Wald. Dabei folgt ihm jemand. Sein Alter Ego? Sein Gewissen? Hat er Angst? "Jeder kann die Geschichte für sich interpretieren. Mir kam es hauptsächlich auf die ästhetische Darstellung an", erklärt er und wirkt sehr professionell dabei.

Von seinen großen Vorbildern Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick nimmt er die Kameraeinstellungen, von Quentin Tarantino den Sinn für Humor, von Martin Scorsese die Intensität der Szenen.

Festgelegt auf ein Sujet ist Samuel Punto nicht. Er freut sich auf alles, was ihn "anfliegt". "Eine Zeit lang wollte ich Schauspieler werden. Aber es macht mehr Spaß, wenn ich nicht auf einen Regisseur hören muss", bekennt er offen. Und so ist er Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller in einem. Als Hobby schreibt er auch die Musik dazu, die seine Mutter, die Geigerin Charys Schuler, einspielt.

Bad Nauheimer gewinnt Filmpreise: Knappes Budget, wenige Drehtage

Überhaupt unterstützt seine Familie ihn in allen organisatorischen Dingen, macht Kontakte zu Sponsoren, ist hilfreich am Set. Stiefvater Marwan El-Mozayen steht hinter der Kamera und berät den Film-Youngster in allen Dingen des Equipments und des analogen Films. Denn die Umsetzung war eine harte Herausforderung: Das Budget war mit rund 5000 Euro knapp, genauso wie die Drehzeit von wenigen Tagen.

"Es nervt, wenn man sich begrenzen muss, wo man doch eine so tolle Idee hat. Aber es zwingt letztlich zum effizienten Arbeiten. Das Filmmaterial ist teuer, hat aber auch besonders gute Qualität", weiß Samuel inzwischen. 24 Minuten Film hat er aufgenommen und nur eine Szene, die mit seinem Double, zweimal gedreht. Die Preise bestätigen den leidenschaftlichen Jungfilmer, dass er auf dem richtigen Weg ist, sie öffnen ihm Türen.

Wegen der Corona-Pandemie fand die Verleihung des Deutschen Jugendfilmpreises in einem Wuppertaler Autokino statt. "Das war echt cool. Aber schade, dass wir uns nicht mit den anderen austauschen konnten", bedauert Samuel. Und schon geht es weiter zum nächsten Set. Thema: Corona und die Verschwörungstheorien, zurückverlegt in die 50er Jahre in Amerika.

Übrigens: Am Ende der Dreharbeiten zu "The Cycle" hat es doch noch geregnet.

Deutscher Jugendfilmpreis 2020

Der Bad Nauheimer Samuel Punto hat mit seinem Debütfilm "The Cycle" den Sonderpreis der "Visionale19" und den Deutschen Jugendfilmpreis 2020 gewonnen. Das Besondere: Er drehte nicht digital, sondern auf 16-mm-Film, ohne Dialoge, ohne Studio und während eines Amerikaurlaubs. Zum Deutschen Jugendfilmpreis werden jährlich rund 700 Filme eingereicht und in vier Alterskategorien und zwei Sonderthemen prämiert. Die Beurteilung der Jury von "The Cycle": "Samuel Punto beeindruckt mit seinem experimentellen Mysterienfilm durch gekonnte Bildgestaltung und Gespür für filmisches Erzählen. Das verwendete Filmmaterial, das außergewöhnliche Bildformat und das ausgeklügelte Sounddesign - im Zusammenspiel trägt all das zu einer ganz besonderen Stimmung bei, die uns als Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann zieht."

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