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Kirsten Rühs hat in ihrer Buchhandlung mit angeschlossenem DHL-Shop im Weihnachtsgeschäft besonders viel mit Päckchen und Paketen zu tun. Foto: Ihm-Fahle

Pakete, wohin man schaut

Bad Nauheimer Paketshops in der heißen Phase

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Paketshops in Geschäften,das gibt es auch in Bad Nauheim - zum Beispiel in der Buchhandlung Rühs in der Karlstraße. Was reizt die Inhaber daran, einen Paketshop zu betreiben?

Haben Sie eine Toilette?" - neulich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts überkam eine Kundin plötzlich ein dringendes Bedürfnis. Kirsten Rühs, Inhaberin der Bad Nauheimer Buchhandlung Rühs mit DHL-Paketshop, hat keine Kundentoiletten; in Notfällen lässt sie die Leute ins Büro zum Personal-WC. Diesmal stapelte sich dort aber ein Haufen Postpakete, die Tür zum Klo ging kaum auf. "Vielleicht fragen Sie bei der Pizzeria gegenüber…", riet Rühs. Solange konnte die Frau nicht warten, weshalb die Buchhändlerin das WC freiräumte.

Die Sache mit der Kundenfrequenz

"Normalerweise haben wir nicht so viele Pakete - jetzt im Weihnachtsgeschäft ist es aber sehr viel", erzählt Rühs. Seit bei ihr in der Karlstraße 17A der DHL-Paketshop angesiedelt ist, hat sie schon mehrfach überlegt, ob sie ihn wieder aufgeben sollte.

DHL hatte vor ein paar Jahren angefragt und mit der Kundenfrequenz geworben, die sich dadurch erhöhe. "Es stimmt, die Frequenz ist mehr geworden, allerdings geben die Leute ihr Paket ab, kaufen aber keine Bücher", sagt Rühs und schmunzelt. Sie nimmt es mit Humor, denn abgesehen von den kleinen Provisionsgebühren, die sie für die Paketannahme und -abholung sowie die verkauften Briefmarken bekommt, hat der DHL-Shop einen großen Vorteil: Rühs kann ihre eigenen Pakete ebenfalls mitgeben. Täglich kommt ein Paketmann, holt die Sendungen ab, im Weihnachtsgeschäft sogar zweimal.

Den Kunden wiederum gefällt, dass die Warteschlange nicht so lang ist. Und für Anekdoten eignet sich der kleine Postbetrieb allemal - eine Kostprobe: "Können Sie die Briefmarke für mich ablecken?", fragen manche Kunden. Rühs lacht, "dann tun wir es eben", sagt sie. Im Grunde soll die Buchhandlung keine Briefe annehmen, da es dafür keinen Scanner-Nachweis gibt, anders als für Pakete und Päckchen.

Unangenehme Erfahrungen

Rühs hat Briefe trotzdem eine Zeit lang entgegengenommen, dem Paketmann mitgegeben oder selbst zur Post gebracht. "Aber wir machen das nicht mehr, nachdem einige Leute so getan haben, als würden wir ihre Briefe veruntreuen, weil irgendwas nicht angekommen ist." Eine Kundin habe einmal etwas kündigen wollen, der Brief habe sein Ziel aber nicht erreicht. Sie habe Rühs daraufhin beschuldigt, den Brief "unterschlagen" zu haben, um sie zu ärgern. "Ich habe gesagt, wenn ich etwas kündige und es so wichtig ist, würde ich es per Einschreiben machen", sagt die Buchhändlerin trocken. Was ein Päckchen oder Paket wiegt und kostet, muss der Kunde schon zu Hause wissen. "Wir dürfen nicht selber wiegen, da wir keine geeichte Waage haben", sagt Rühs. Mittlerweile habe sie aber ein gutes Gespür für das Gewicht und gebe Tipps.

Öfters kommt es auch vor, dass Leute Gegenstände bringen und die Buchhändlerin bitten, das Postpäckchen zu packen. "Die Leute denken, das gehört zum Service, und sagen: ›Ich habe keinen Kleber und keinen Karton.‹" Bei Stammkunden helfe sie diesbezüglich, etwa älteren Leuten, nicht aber fremden Personen, sagt Rühs. Faltkartons führt sie indes nicht, da DHL diese nicht an sie liefert. "Mir wurde gesagt, wenn ich welche wollte, könnte ich zur Post gehen und sie dort kaufen. Ich könne sie dann weiterverkaufen." Daran hatte Rühs dann eher kein Interesse. Auch die Briefmarken sind nicht die Gleichen wie bei der Post. "Wir bekommen nur Blumen-Briefmarken."

Um das große Geld zu verdienen, eignet sich der DHL-Shop nach Ansicht von Rühs nicht wirklich. Als vor ein paar Jahren ein Einbrecher die Briefmarken stahl, wurde es sogar sehr teuer: Sie musste alles bezahlen, über 1000 Euro.

Ein Shop ist geschlossen

Viele Pakete zur Weihnachtszeit hat auch Foto Stöber in der Stresemannstraße 20, wo es ebenfalls einen DHL-Shop gibt. Wie Thorsten Stöber erklärt, bewerbe er dies nicht offensiv, halte es als Service für seine Kunden aber aufrecht. "Wir haben nicht so viel Platz für große Mengen", sagt Stöber und zeigt das Räumchen, in dem er Kunden fotografiert: Es steht voller Pakete. Ähnlich ging es auch der Shell-Tankstelle in der Frankfurter Straße 135, wo der Hermes-Shop kürzlich schloss: Dort hieß es: "Der Platz zur Lagerung wurde immer knapper."

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