Der Pflegeberuf bringt Verantwortung und Belastungen mit sich. Das soll bundesweit durch bessere Bedingenen gewürdigt werden, fordern die Unterzeichner der Pflege-Petition.		SYMBOLFOTO: DPA/FOTO: KERCKHOFF-KLINIK
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Der Pflegeberuf bringt Verantwortung und Belastungen mit sich. Das soll bundesweit durch bessere Bedingenen gewürdigt werden, fordern die Unterzeichner der Pflege-Petition. SYMBOLFOTO: DPA/FOTO: KERCKHOFF-KLINIK

Bessere Bedingungen

Bad Nauheimer Klinik-Mitarbeiterin spricht Klartext: Das muss sich in der Pflege ändern

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
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Beatrix Falkenstein, Pflegedirektorin der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik, hat eine Bundestags-Petition für bessere Bedingungen in der Pflege unterzeichnet. Hier sagt sie, was ihr unter den Nägeln brennt.

Viele Mitarbeiter der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik haben eine Pflege-Petition des Magazins »Stern« unterschrieben. Es geht ihnen darum, dass ihr Job attraktiver, er mehr gewertschätzt wird, die Zeit für die Patienten stärker in den Vordergrund rückt. Bezahlung, Arbeitszeiten, Aufgabengebiete sind Stichworte. Auch wenn die Kerckhoff-Klinik ihren Mitarbeiterin einiges bietet, geht es den Unterzeichnern um bessere Bedingungen für Pflegeberufe bundesweit. Kerckhoff-Pflegedirektorin Beatrix Falkenstein macht deutlich, was sie am Status quo stört und was ihr besonders wichtig ist.

Zeit für Patienten - Unmut verursache zum Beispiel eine fehlende Verbindlichkeit bei den Abläufen, beklagt Falkenstein. »Die Versorgung von Notfällen ist nicht planbar und geht zulasten der Betreuung anderer Patienten, denen man aber auch genügend Aufmerksamkeit, abgesehen von der generellen Pflegetätigkeit, schenken möchte.« Dies ganz besonders während der Pandemie, in der die Patienten keinen Besuch von Angehörigen erhalten können.

Arbeitszeiten - »Alle Mitarbeitenden in der Pflege möchten gerne planbare Freizeiten haben. Das ist aber nicht immer umsetzbar. Wir versuchen dies aber weitestgehend zu ermöglichen«, sagt Falkenstein. Gerade in der aktuellen Situation sei das besonders deutlich. Um die Engpässe aufzufangen, haben laut Pflegedirektorin einige Mitarbeiter freiwillig ihren Urlaub verschoben und Mehrarbeit geleistet. »Das geht an die Substanz.« Der Schichtdienst sei auch in jungen Jahren körperlich und mental anstrengend. Alter und gegebenenfalls Einschränkungen müssten in der Berufslaufbahn berücksichtigt werden

Bezahlung - Die Kerckhoff-Klinik zahlt laut Falkenstein in Anlehnung an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes. »Das ist schon gut. Und dennoch: Die Pflegenden haben große Verantwortung, die adäquat entlohnt werden sollte.«

Tägliche Motivation - »Meine Mitarbeitenden sind meine größte Motivation! Gleichzeitig sehe ich es als meine Aufgabe an, die Motivation der Mitarbeitenden zu halten und zu steigern«, sagt Falkenstein. Ihre Philosophie: »Nur wer gerne zur Arbeit kommt, macht gute Arbeit.«

Resonanz von Patienten - »Es tut gut, wenn man einen Patienten lächeln sieht, wenn er Danke oder sonst ein nettes Wort sagt. Wir erhalten viel Lob, und unsere Patientenbefragung, die sehr positiv ist, zeigt uns die Bedürfnisse auf, die unsere Patienten haben«, sagt die Pflegedirektorin. Die Kerckhoff-Klinik habe derzeit eine Weiterempfehlungsquote von 95 Prozent.

Kompetenzen - Eine der Forderungen in der Petition lautet: mehr Entscheidungsmöglichkeiten an Patienten. Was heißt das? Dem Können der Pflegekräfte sollte nach Ansicht von Falkenstein ein Dürfen folgen. Beispiel Heilkundeübertragung: So könnte eine Pflegerin oder ein Pfleger ohne Rücksprache mit dem Arzt Hilfsmittel verordnen. Durch die Zusammenarbeit etwa mit der Physikalischen Therapie könnten diese Verordnungen, zum Beispiel die Mobilisation eines Patienten nach einem schweren operativen Eingriff, sehr schnell umgesetzt werden. »Auch die Wundbehandlung kann über Wundexperten oder Wundtherapeuten, eine qualifizierte Weiterbildung für Pflegefachkräfte, ohne Verzögerung durchgeführt werden.«

Fehlt der Zivi? - Vor einigen Jahren wurde der Zivildienst abgeschafft. Fehlen in der Pflege heute die Zivis? »Ja, sie fehlten uns, aber die Kerckhoff-Klinik hat sehr schnell für die Entlastung unserer Mitarbeitenden gesorgt, in dem wir Unterstützungsdienste organisiert haben, die dafür sorgen, dass unsere Pflegenden sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können«, sagt Falkenstein und nennt den Patientenbegleitdienst, der Patienten von A nach B bringt, und den patientennahen Service, der die Betten aufbereitet und die Mahlzeiten mit austeilt. »Wir arbeiten mit Medizinischen Fachangestellten in der Stationsassistenz und sind in naher Zukunft auch Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr.«

Bild in der Gesellschaft - »Seit der Pandemie erhält die Pflege mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Beiträge, die für viele Menschen Augenöffner sind«, sagt Falkenstein. »In der Gesellschaft sind wir die Assistenz der Ärzteschaft, aber wir sind eine eigene Profession, die unabdingbar notwendig für die erfolgreiche Behandlung des Patienten ist.«

581 Pflegekräfte

An der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik arbeiten insgesamt 581 Pflegekräfte. Der Altersdurchschnitt liegt bei 40 Jahren. 60 Krankenpflegeschüler sind über die Theodora-Konitzky-Krankenpflegeschule mit der Kerckhoff-Klinik verbunden. Wie Matthias Müller, Kaufmännischer Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik, informiert, gebe es für die Mitarbeiter ein Fort- und Weiterbildungsangebot, es werde nach Tarif bezahlt - inklusive Leistungs- und Sonderzahlungen sowie bereichsabhängigen Zulagen. Dazu biete die Klinik beispielsweise eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge, Verpflegungszuschüsse, regionale Vergünstigungsangebote, flexible Arbeitszeitmodelle und Unterstützungsangebote für Familie und Beruf.

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