Orgelbaumeister Hubert Fasen und seine Mitarbeiter haben in der Johanneskirche die Orgel demontiert. Das Instrument wird bald in der Kollegkirche der Bischof-Neumann-Schule in Königstein erklingen. FOTO: FRANK SCHEFFLER
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Orgelbaumeister Hubert Fasen und seine Mitarbeiter haben in der Johanneskirche die Orgel demontiert. Das Instrument wird bald in der Kollegkirche der Bischof-Neumann-Schule in Königstein erklingen. FOTO: FRANK SCHEFFLER

Instrument verkauft

Ein Bad Nauheimer Kantor ohne Orgel

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Abschied nehmen: Das gilt nicht nur für Menschen, sondern manchmal auch für Dinge. Das kann genauso schmerzhaft sein - wie beim Abbau der Orgel in der Bad Nauheimer Johanneskirche.

Vorsichtig legen Orgelbaumeister Hubert Fasen und seine vier Helfer die Pfeifen in gepolsterte Kisten. Zuerst die großen Prospektpfeifen, dann die vielen kleinen, die sich in den Reihen dahinter verborgen hatten. Anschließend trennen die Fachleute die elektrische Registersteuerung, lösen Hebel und Verschraubungen und verpacken alles sorgsam, bevor sie das Herzstück, die Windladen, und den Spieltisch demontieren können.

Kantor Frank Scheffler war die Orgel mit dem Engelsprospekt in seinen mehr als 20 Dienstjahren in Bad Nauheim ans Herz gewachsen. Als er kam, habe sie schlecht geklungen, ohne jede künstlerische Ambition, sagt er. Jetzt, nach zwei qualitativ hochwertigen Überarbeitungen in den Jahren 2013 und 2015, verabschiedete er sie mit einem Klang auf hohem Niveau.

Das Loslassen fällt nicht leicht

Was bedeuteten die letzten Stunden mit dem Instrument für ihn? "Ich habe in diesem Moment die Tragweite noch gar nicht wahrgenommen. Erst, als an dieser Stelle eine Lücke klaffte, hatte ich das Gefühl, der Kirchenraum habe einen Teil seiner Seele verloren - das war schon sehr deprimierend. Nur die Einsicht, dass die Kirche ohnehin nicht mehr für die Gemeinde zu halten ist, hat mir etwas Trost gegeben."

Zuvor hatte Scheffler die Orgel noch einmal ausgiebig gespielt: Bach und die französischen Romantiker mit ihren imposanten Werken. Er war erneut von ihrer stilistischen Vielfalt überrascht: "Ich kenne keine Orgel dieser Größe, die mehr kann. Das ist auch der Grund dafür, dass wir einen höheren Preis erzielt haben, als uns alle Marktkenner prophezeit haben." In Bild und Ton bewahrte er das Andenken. Vielen Bürgern wird das Instrument in Erinnerung bleiben. Begleitete doch seine Musik über Jahrzehnte Paare zum Traualtar, später kam die Orgel bei den beliebten sommerlichen Kammerkonzerten zum Einsatz.

"Ein Organist wird sein Instrument immer am Klang wiedererkennen, auch wenn es ein anderes äußeres Erscheinungsbild hat und auf den neuen Raum intoniert ist", erklärt Fasen. Die Kollegkirche wurde in den letzten Jahren grundsaniert, die dortige Orgel war aber nicht mehr reparabel.

Die Königsteiner Schulleiterin Dr. Susanne Nordhofen und der Orgelsachverständige der Bistümer Limburg/Mainz waren durch Empfehlung auf das Bad Nauheimer Instrument gestoßen und sind von der Entscheidung überzeugt: "Sie passt von den Abmessungen gut auf unsere Empore, und Herr Scheffler hat sie uns ausführlich und eindrucksvoll demonstriert."

Orgel-Neubau jetzt im Fokus

In Königstein wird sie in Gottesdiensten, Konzerten, Andachten und für den Unterricht genutzt. Welche Gedanken hat Scheffler der Orgel mit auf den Weg gegeben? "Ich habe mich auf das Loslassen konzentriert. Aber ich freue mich schon, dass auf der Orgel zukünftig viele junge Menschen ausgebildet werden. Das macht es sinnvoll. Und der neue Raum ist für Orgelmusik akustisch besser geeignet als die an Nachklang ärmere Johanneskirche."

Für Scheffler gibt es noch einen Nebeneffekt: "Ich glaube, es war gut, dass ich diese kleinere Maßnahme entscheidend mitgestaltet habe, bevor ich bei der großen Orgel der Dankeskirche gefordert bin. Ich kann mir genauer vorstellen, was auf mich zukommt, und weiß, dass ich auf mein Klanggespür vertrauen kann." Der Verkaufserlös fließt in den Neubau der Dankeskirchen-Orgel ein.

Das half über die einbrechenden Spenden im Corona-Jahr 2020 hinweg. Das große Orgelprojekt kann jetzt zügig vorangebracht werden. Denn bis zur Einweihung in einigen Jahren hat der Kantor kein funktionierendes Instrument mehr zur Verfügung.

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