Besprechungen finden trotz Corona statt (v. l.). Elke und Holger Straub (Sitzungspräsident) und Harald Ströhle (Vorsitzender).
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Besprechungen finden trotz Corona statt (v. l.). Elke und Holger Straub (Sitzungspräsident) und Harald Ströhle (Vorsitzender).

Ohne Fasching

Bad Nauheimer Hiesbach-Karnevalisten und die Saison, die keine ist

  • vonCorinna Weigelt
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Karnevalisten sind immer gut drauf - zumindest in der fünften Jahreszeit. Die beginnt normalerweise am 11. 11., aber in diesem Jahr ist nichts normal, auch bei den Bad Nauheimer Hiesbach-Aktiven.

An Ideen mangelt es nicht, doch die Pandemie macht alles zunichte: Schon früh haben die Bad Nauheimer Hiesbach-Karnevalisten die Faschings-Kampagne 2020/2021 abgesagt. "Wir haben im Juli gemerkt, dass alles noch länger dauern wird, und im August dann die Absage offiziell bekannt gegeben", sagt Sitzungspräsident Holger Straub. Weder der 11. 11. noch der Karneval im Februar werden groß gefeiert. Für Narren sicherlich eine Enttäuschung. "Für die Entscheidung gab es aber Verständnis", sagt Straub. "Die Gesundheit unserer Mitglieder geht vor", wie der Vorsitzende der Hiesbach-Karnevalisten, Harald Ströhle, deutlich macht.

Hinter einer Kampagne mit Kostümsitzungen steckt bekanntlich viel Arbeit. Organisation und Planungen, ein bühnenreifes Programm, Verträge oder GEMA (bezüglich der Musikrechte) - an vieles müssen die Faschingsvereine da denken.

Hierzu ein umfangreiches Sicherheits- und Hygienekonzept zu erarbeiten, wäre schwierig. "Damit ist ja auch zusätzlicher Personalaufwand verbunden", erläutert Ströhle, der sich auch Gedanken um den Alkoholkonsum in der Faschingzeit macht. "Da fallen Hemmungen", das Einhalten des Abstands werde da schnell vergessen, Tanzen im Raum wäre unmöglich. Überhaupt hätte man nur wenigen Gästen Einlass gewähren können. Viele Argumente, die letztendlich nicht nur bei den Hiesbach-Aktiven zu einer Absage geführt haben: Deutschlandweit wird 2021 auf Fasching verzichtet.

Rückblickend lief es gerade noch glatt

"Wir sehen uns aber nicht als Verlierer", sagt Ströhle. Im Grunde habe man sogar Geld gespart. Auch die Mitglieder zeigen sich verständnisvoll. Rückblickend lief alles zur letzten Saison gerade noch glatt. "Wir hatten unsere Kostümsitzungen, erstmals mit Selbstbewirtung", erinnert sich Straub. "Auch das Heringsessen hat danach noch stattfinden können." Die Kampagne konnte somit abgeschlossen werden.

Dann kamen die Corona-Einschränkungen. Die Stammtische wurden erst mal eingestellt, die Neuwahlen der Jahreshauptversammlung verschoben. "Auch die Tanzgruppen konnten sich nicht treffen", sagt Elke Straub von den Labbeduddl. "Wir haben frühzeitig allen Gruppen vermittelt, dass sie nicht proben sollen", erklärt Holger Straub. Im Sommer habe man dann gezielter diskutiert, wie es weitergehen solle. "Normalerweise werden da auch schon immer die Orden bestellt", erklärt Ströhle.

Bewusst habe man daher früh mit anderen Vereinen Kontakt aufgenommen, überlegt, was zur kommenden Faschingssaison machbar wäre. Man entschied sich, alles auf null zu drehen, die Kampagne offiziell abzusagen und diese Entscheidung in der Presse bekannt zu geben.

Kerbbaum gestellt - auch ohne Kerb

"Jeder hat die Hintergründe verstanden." Große und auch kleine Vereine entschieden sich einer nach dem anderen ebenso für Absagen. "Es gibt keine offiziellen Richtlinien, nur Empfehlungen seitens des Bundes für Karnevalisten", wie Ströhle erklärt. Jeder müsse daher für sich Entscheidungen treffen, orientiere sich an den Kreisen und der eigenen Kommune.

Nun müsse man schauen, wie sich alles weiterentwickle. Sorgen bereite der Hiesbach dazu das Vereinsleben. "Die Gemeinschaft lebt nun ein Jahr ohne Fasching", sagt Straub. "Danach muss man alles wieder in Schwung bringen", ergänzt Ströhle. Einzelne kleine Gruppentreffen habe es im Laufe der Zeit gegeben, da privat viele freundschaftlich verbunden seien. An Kreativität mangele es da nicht. So hat sich auch die Blaue Kolonne privat getroffen, um traditionell einen Kerbbaum zu stellen - ganz ohne Kerb. "Das Bäumchen steht auch immer noch", sagt Harald Ströhle und lacht. Den Humor haben die Hiesbach-Aktiven nicht auf Eis gelegt. Die Pandemie beschert den Karnevalisten viele kreative Ideen rund um Corona. "Und die landen dann 2022 in der Bütt."

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