Henning Stahl bereitet als "Vogelstimmentrainer" Naturinteressierte auf die Prüfung zum NABU-Naturführer vor. "Mit der richtigen Methode kann man jedes Jahr etliche Vogelstimmen neu dazulernen und kommt dann irgendwann auf mehr als 100 Arten", sagt der Bad Nauheimer. 	FOTO: NICI MERZ
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Henning Stahl bereitet als »Vogelstimmentrainer« Naturinteressierte auf die Prüfung zum NABU-Naturführer vor. »Mit der richtigen Methode kann man jedes Jahr etliche Vogelstimmen neu dazulernen und kommt dann irgendwann auf mehr als 100 Arten«, sagt der Bad Nauheimer. FOTO: NICI MERZ

Natur auf der Spur

Bad Nauheimer Henning Stahl ist »Vogelstimmentrainer«

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
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Lernen kann so einfach sein. »Das Gehirn muss an das Bekannte anknüpfen«, sagt der Bad Nauheimer Henning Stahl. Sein Wissen gibt er weiter - als »Vogelstimmentrainer«.

Das Wort »Vogelstimmentrainer« gibt es eigentlich gar nicht, sagt der aus Niedersachsen stammende Henning Stahl. Erfunden hat das Frank-Uwe Pfuhl von der Umweltwerkstatt Wetterau in Assenheim. Er suchte nämlich einen Begriff, mit dem man das beschreiben kann, was Henning Stahl für die Umweltwerkstatt Wetterau in Niddatal-Assenheim macht: In seinem Fachgebiet Ornithologie bereitet Stahl Naturinteressierte auf die Prüfung zum NABU-Naturführer vor. Dazu gehört es, Vogelstimmen im Gelände zu erkennen und zu bestimmen. Bei mehr als 120 Vogelarten in Deutschland scheint das eine sehr schwierige Aufgabe.

Lernen mit Methode

Doch Stahl hat sich über die Jahre als Lehrer Methoden angeeignet, wie das Lernen passgenau funktionieren kann. Er nennt es gehirngerechtes Lernen. Dabei wird an das Bekannte angeknüpft und dies vielfältig mit Neuem verbunden.

Für die angehenden NABU-Naturführer heißt das, sie gehen mit Henning Stahl ins Gelände. Die fünf Vogelarten mit ihren Gesängen, die jeder Teilnehmer schon am besten kennt, werden zur Ausgangsbasis: »Daran knüpfe ich an, das bauen wir aus. Jedes Jahr kann man so etliche Stimmen neu dazulernen und kommt dann irgendwann auf mehr als 100 Arten«, sagt Stahl.

Er möchte den Teilnehmern beibringen, wie man lernt, und erstellt dazu mit ihnen individuelle Lernpläne. »Damit setze ich sie aufs richtige Gleis«, meint er. Stahl sieht dabei drei Lernschwerpunkte: Es gibt Menschen, die lernen vorwiegend mit den Augen - sie haben bei den NABU-Exkursionen oft das Fernglas dabei.

Andere nehmen die neuen Eindrücke hauptsächlich auditiv, also mit den Ohren wahr. Die dritte Gruppe lernt am besten durch Begreifen und Schreiben - sie führt meist ein Notizbuch für Zeichnungen und Stichpunkte mit sich.

Menschen hätten naturgemäß alle diese Fähigkeiten, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Und wer selbst wisse, welcher Lerntyp er oder sie vorwiegend sei, habe es bei neuen Dingen einfacher. »Wenn man an dem anknüpft, was man schon kennt, und dies mit seinen individuellen Stärken ausbaut, lernt man leichter fürs ganze Leben«, sagt Stahl.

Kleine Kinder profitieren

Seit 1989 ist die Umweltwerkstatt Wetterau als gemeinnütziger Verein, mit Sitz in Assenheim, in der Umweltbildung tätig. Dazu gibt es rund 60 öffentliche Veranstaltungen im Jahr. Die Bandbreite reicht von Vorträgen über Führungen bis hin zu Praxis-Seminaren. Das alles hat sich coronabedingt verändert, und vieles wurde ins Internet verlagert. Der NABU bietet dort regelmäßig Online-Seminare an: »Mit erstaunlicher Resonanz«, wie Stahl findet. Waren es vor Corona zwischen zwei und fünfzehn Personen, die zum Beispiel zum »Offenen NABU-Treff am Montag« nach Assenheim ins Alte Rathaus kamen, so hatten sich kürzlich mehr als 40 Personen online angemeldet.

Was für Erwachsene interessant ist, sollen künftige NABU-Naturführer auch Kindern und Jugendlichen näherbringen. Dazu hält Stahl das Seminar »Vogelkunde für Kids«. Dabei sind die Teilnehmer eigentlich von 9 bis 17 Uhr beschäftigt und gehen davon drei Stunden ins Gelände. In diesem Jahr war das nicht erlaubt, aber im nächsten Frühling soll es weitergehen.

Und die Absolventen dieser Seminare wenden das Gelernte erfolgreich an: Eine fertige NABU-Naturführerin etwa arbeitet mit gehirngerechten Methoden in einem Kindergarten. »Die Erzieherinnen und Eltern sind erstaunt, was die kleinen Kinder schon bald wissen und welche Fortschritte sie mit dieser Methode machen«, sagt Stahl.

Sein vogelkundliches Wissen gibt Henning Stahl in jedem Frühjahr außerdem in NABU-Vogelstimmenwanderungen in der Wetterau weiter.

Unterwegs ist er dabei mit Wandergruppen in Dorheim, Friedberg oder Assenheim. Immer mit offen Augen und besonders mit offenen Ohren, damit er den Teilnehmern vielleicht einen Vogel vorstellen kann, den sie bisher noch nicht kannten.

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