Wer Hilfe benötigt, etwa beim Einkauf, ruft mit dem Telefon die Hotline von "Machbarschaft" an. Ein Computer zeichnet das Anliegen auf und platziert es in der App, die sich Helfer auf ihr Smartphone laden.
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Wer Hilfe benötigt, etwa beim Einkauf, ruft mit dem Telefon die Hotline von »Machbarschaft« an. Ein Computer zeichnet das Anliegen auf und platziert es in der App, die sich Helfer auf ihr Smartphone laden.

Hackathon

Bad Nauheimer bei Hackathon ausgezeichnet: Nachbarschaftshilfe per Anruf

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Dennis Beste hat beim digitalen Hackathon #WirVsVirus mitgemacht. Die dabei entstandene Hilfsplattform »Machbarschaft« ist als eines der besten Projekte ausgewählt worden und soll in wenigen Wochen an den Start gehen.

Mit einem Zettel im Aufzug hat alles angefangen. Den hat Dennis Beste zu Beginn der Corona-Krise aufgehängt. Damit hat er älteren Menschen seine Hilfe angeboten, etwa beim Einkaufen. Inzwischen arbeitet er an einer Plattform, die diesen Prozess vereinfachen soll.

Dennis Beste kommt aus Bad Nauheim und lebt seit über zehn Jahren in München. Aktuell in einem Mehrfamilienhaus. »Kurz nachdem ich den Zettel aufgehängt hatte, hat sich ein älteres Ehepaar bei mir gemeldet«, sagt Dennis Beste. »Sie waren dankbar und haben sich sehr über das Angebot gefreut.«

Das gab Dennis Beste einen Denkanstoß: »Die Methode mit dem Zettel funktioniert, bedeutet aber auch Aufwand für beide Seiten.« Zumal nicht jeder in einem Mehrfamilienhaus wohne. »Ich dachte mir, es muss doch auch irgendwie einfacher gehen, beide Seiten zusammenzubringen.« Seine Idee: Eine Hotline, die ältere Menschen anrufen können, um ihr Hilfegesuch aufzugeben. Das wird von einem Computer digitalisiert und verschriftlicht und potenziellen Helfern in der Nachbarschaft über eine App ausgespielt.

»Machbarschaft«: Idee von Dennis Beste kam gut an

Diesen Vorschlag hat Dennis Beste beim Hackathon #WirVsVirus eingereicht, zu dem unter anderem die Bundesregierung aufgerufen hatte. Seine Idee fand Anklang, und er ist als Pate ausgewählt worden. Ein Wochenende lang hat er gemeinsam mit anderen virtuell an der Umsetzung gearbeitet. Vor kurzem ist das Projekt »Machbarschaft« als eines der besten ausgewählt worden. Die Weiterentwicklung wird nun gefördert, und schon bald soll die Plattform nutzbar sein. »Wir wollen Hilfe zur Hilfe leisten.«

Online gebe es bereits viele Hilfsangebote, doch ältere Menschen seien oft nicht mit dem Internet vertraut. »Mit ›Machbarschaft‹ kann jeder das ihm vertraute Medium nutzen.« Ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, greifen wie gewohnt zum Telefon. Jüngere, die ihre Hilfe anbieten wollen, tun das per App. »Wir vereinen das Beste aus beiden Welten, analog und digital.« So könne man effizient arbeiten - und sicher. »Es sind viele Betrüger unterwegs, die die Situation ausnutzen«, sagt Dennis Beste. Deshalb müssen sich Helfer authentifizieren, etwa mit dem Personalausweis.

Insgesamt sind beim Hackathon 1500 Projekte zustande gekommen. »Dass wir ausgewählt wurden, ist überwältigend und macht uns unglaublich glücklich und stolz«, sagt Dennis Beste. Es zeige ihm, dass die Notwendigkeit da sei. Jetzt sei das Team umso motivierter, weiter an der Umsetzung zu arbeiten. »Das ist alles sehr aufregend«, sagt Dennis Beste. Gerne hätte er die Freude mit Familie und Freunden in Bad Nauheim geteilt. Doch die regelmäßigen Besuche müssen derzeit ausfallen.

»Machbarschaft«: Idee von Dennis Beste soll auch nach Corona-Krise helfen

Über 20 Leute arbeiteten an »Machbarschaft«. Die meisten kennt Dennis Beste bisher nur durchs Chatten oder Telefonieren. »In unserem Team sind Studenten, aber auch Ärzte und Manager. Wir sind alle unterschiedlich alt und haben unterschiedliche Nationalitäten.« Jeder bringe seine Fähigkeiten ein. Dennis Beste ist, wie die meisten anderen, ehrenamtlich dabei.

Die Plattform soll nicht nur während der Corona-Krise helfen, sondern auch darüber hinaus. Manche benötigten weiterhin Hilfe beim Einkaufen, andere bei Behördengängen, oder sie müssten zum Arzt gefahren werden. »Ältere Menschen sollen nicht lernen müssen, das Internet zu bedienen, damit ihnen geholfen wird. Wir Jüngeren müssen auf sie zukommen.« Die Plattform solle Menschen zusammenbringen, »sicher und schnell, wo Hilfe gebraucht wird.« Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. »Es ist toll, dass diese kleine Idee, die ich mir zu Hause ausgedacht habe, jetzt tatsächlich real wird.«

Zurzeit sind Hotline und App in der Testphase. Weitere Infos zu »Machbarschaft« gibt es unter www.machbarschaft.jetzt.

»Machbarschaft«: So geht es mit der Idee von Dennis Beste weiter

Unter dem Motto #WirVsVirus hatten die Bundesregierung sowie Akteure aus dem IT-Bereich Ende März zu einem sogenannten Hackathon aufgerufen. Dahinter steckte die Frage: »Wie können wir als Gesellschaft die Herausforderungen, die im Zuge der Corona-Krise entstehen, mit neuen Lösungen gemeinsam meistern?« Über 20 000 Menschen haben ein Wochenende lang an digitalen Lösungen gearbeitet. Gesucht waren »kreative Ideen, Programme und digitale Projekte aus vielen Lebensbereichen, die im Umgang mit der Corona-Pandemie helfen könnten«. Insgesamt sind dabei 1500 Projekte zustande gekommen. Eine Jury hat die relevantesten und vielversprechendsten ausgewählt. Darunter ist auch »Machbarschaft«, die Hilfsplattform, an der der Bad Nauheimer Dennis Beste mitarbeitet. Um die Lösungen möglichst schnell umsetzen zu können, ist unter der Schirmherrschaft von Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes, ein Förderprogramm zur Umsetzung gestartet. Die besten Projekte werden finanziell, aber auch mit Ressourcen, Expertenwissen und durch systematische Vernetzung unterstützt. Weitere Informationen gibt es unter www.wirvsvirushackathon.org.

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