Die Möglichkeit, wieder einkaufen zu können, nehmen einige Kunden dankend an. Die Geschäfte treffen dazu Sicherheitsvorkehrungen.
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Die Möglichkeit, wieder einkaufen zu können, nehmen einige Kunden dankend an. Die Geschäfte treffen dazu Sicherheitsvorkehrungen.

Corona-Lockerungen

Bad Nauheimer Geschäfte öffnen wieder: Einkaufen mit Einschränkungen

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Viele Bad Nauheimer Geschäfte durften gestern wieder öffnen. Auf die ersten Kunden mussten sie nicht lange warten. In der Innenstadt war einiges los. Manche Betreiber sehen die Lockerungen allerdings mit gemischten Gefühlen.

Ja, wir haben wieder geöffnet.« Kirsten Rühs lächelt, während sie dem Kunden am Telefon die frohe Botschaft überbringt. Seit Montag darf sie in ihrer Buchhandlung in der Bad Nauheimer Karlstraße wieder verkaufen. Erlaubt ist das für alle Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern.

»Ich freue mich, dass ich wieder öffnen darf«, sagt Rühs, nachdem sie aufgelegt hat. In den vergangenen Wochen hat sie ihre Bücher per Lieferservice zu den Kunden gebracht. Jetzt dürfen sie wieder selbst stöbern. Das tun am Montagvormittag auch einige. Manche mit, andere ohne Mundschutz.

Kommt ein Kunde dem anderen zu nah, weist Rühs freundlich darauf hin, Abstand zu halten. »Ich versuche schon, aufzupassen«, sagt sie. »Schließlich will ich meinen Laden nicht in ein paar Tagen wieder zumachen müssen, weil es nicht funktioniert.«

Bad Nauheimer Geschäfte trotz Corona wieder geöffnet: Sehtest mit Visier

Eine Kundin reicht ihren Einkauf über die Theke. Sie trägt einen Mundschutz. »Es fühlt sich schon komisch an«, sagt sie. »Aber ich bin froh, mal wieder etwas anderes sehen zu können.« Im Internet zu bestellen komme für sie nicht infrage. Angst, sich beim Einkaufen anzustecken, hat die 56-Jährige nicht. »Wenn man genug Abstand hält, kann nichts passieren.«

Abstand halten heißt es auch bei Schuh-Spahr in der Parkstraße, der seine Kunden gleich mit einer Rabattaktion lockt. »Wir müssen unsere Sommerschuhe an den Mann beziehungsweise an die Frau bringen«, sagt Marc Spahr. Er habe während der Schließung zwar ein paar Modelle online verkauft, »trotzdem haben wir hohe Verluste.« Deshalb ist er froh, sein Geschäft wieder öffnen zu können. »Die Kunden freuen sich auch, dass sie wieder raus können.« Um sie und sich selbst zu schützen, steht am Eingang Desinfektionsmittel bereit.

Bei Optik-Bölke gehen am Montagvormittag ebenfalls Kunden ein und aus. Das Team rund um Anne Flor-Spuri war auch in den vergangenen Wochen erreichbar, allerdings nur drei Stunden am Tag und in Notfällen, wenn zum Beispiel die Brille repariert oder das Hörgerät gereinigt werden musste. »Dafür sind die Kunden auch dankbar«, sagt Flor-Spuri. Sie trägt selbst einen Mundschutz, wie alle ihre Mitarbeiter, die in zwei Schichten arbeiten. Außerdem warten sie auf Schutz-Visiere. »Damit können wir dann auch wieder Seh- oder Hörtests durchführen.« Das sei im Moment wegen des geringen Abstands nicht möglich. Draußen soll es bald einen Batterie-Automaten für Hörgeräte geben.

Bad Nauheimer Geschäfte trotz Corona wieder geöffnet: Kunden nutzen Chance, um rauszukommen

Stefan Feigenspan hat angesichts der Lockerungen gemischte Gefühle. »Ich hoffe, es funktioniert«, sagt der Spielwarenhändler, der ebenfalls einen Mundschutz trägt. Vor der Theke hängt eine Plexiglasscheibe, Markierungen führen die Kunden durchs Geschäft. »Ich hoffe, dass nur die Leute kommen, die auch wirklich etwas brauchen«, sagt er. Nur so könne man das Risiko gering halten.

»Ich hab mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie es wohl werden wird«, sagt Samantha Beyersdorf vom Paradiso Trendstore. »Aber bisher bin ich positiv überrascht.« Ein paar Interessierte seien am Montag bereits gekommen. »Sie sagen, sie kommen lieber jetzt, bevor wir dann doch wieder schließen müssen«, erzählt sie. Bisher würden alle vorbildlich Abstand halten. Eine Kundin schaut sich gerade eine Hose an. »Mein Lebensgefährte hat einen Arzttermin. Ich nutze die Zeit, um einfach mal wieder zu stöbern«, sagt die 66-Jährige. Sie trägt keinen Mundschutz. »Ich habe keine Angst, mich anzustecken«, sagt sie.

Beim Juwelier Purper herrscht am Montagvormittag noch nicht viel Betrieb. Dabei ist der kleine Laden frisch renoviert. »Schmuck ist ein Luxusprodukt«, weiß Christian Purper. »Wir müssen abwarten, wie es für uns läuft.« Er hätte sich allerdings mehr Informationen gewünscht. »Wir als Geschäftsleute erfahren wenig, wie es weitergeht und was die genauen Regeln sind.«

Der Goldschmied verkauft auch Eheringe. Doch zurzeit fallen viele Hochzeiten aus oder werden verschoben. »Die Ringe gravieren wir um.« Purper hofft, dass es bald wieder bergauf geht, spätestens, wenn das Weihnachtsgeschäft ansteht. »Sonst kann es für uns und einige Kollegen wirklich eng werden.«

Bad Nauheimer Geschäfte trotz Corona wieder geöffnet: Regeln befolgen

Einzelhandelsgeschäfte mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern sowie der Kfz-, Fahrrad- und Buchhandel dürfen seit Montag wieder öffnen. Das ist mit Abstands- und Hygienevorschriften verbunden, auch in Bad Nauheim. Die Stadt gibt klare Empfehlungen: Maximal ein Kunde darf pro angefangene 20 Quadratmeter Verkaufsfläche eingelassen werden. Weitere Kunden müssen vor dem Laden warten. Dabei ist stets ein Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. »Es besteht keine Maskenpflicht, wir appellieren allerdings - genau wie Bundes- und Landesregierung -, dringend eine Mund-Nasen-Bedeckung bei Einkäufen zu tragen«, sagt Bürgermeister Klaus Kreß. Er stehe hinter der Entscheidung, dass man sich in gewissem Maß wieder normal bewegen könne. Den Einzelhändlern empfiehlt die Stadt außerdem, Wartebereiche und Wartelinien einzurichten. Wenn möglich sollten Ein- und Ausgänge getrennt und Barrieren im Kassenbereich errichtet sowie das kontaktlose Zahlen ermöglicht werden.

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