1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Bad Nauheim

Bad Nauheimer Elektromeister rastet aus und sticht zu

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bad Nauheim/Friedberg (lk). Seine berufliche Existenz steht auf dem Spiel. Ein Kunde hat kurzfristig Änderungswünsche. Der Elektromeister ist im Stress, grübelt noch am späten Abend über Schaltplänen. Plötzlich ein lautes Geräusch.

Etwas klatscht gegen die Fensterfront seines Büros in der Bad Nauheimer Altstadt. Der 56-Jährige läuft auf die Straße, sieht erst einen, dann drei Männer. Es kommt zum Streit und zum Schlagabtausch. Der Elektriker zieht sein Taschenmesser und sticht zu. Einen Gegner erwischt er am Hals, den anderen am Oberkörper.

Rund neun Monate liegt der Vorfall zurück. Am Dienstag wurde der Mann vom Friedberger Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte berichtete, nachdem es an jenem Abend im Oktober »einen Wahnsinnsschlag« gegen die Scheibe gegeben habe, sei er aus seinem Büro gelaufen, habe einen Mann gesehen und diesen gefragt, was das solle. Der habe ihn als »alten Sack« bezeichnet. Nach einem Wortgefecht seien zwei weitere Männer hinzugekommen und hätten auf ihn eingeschlagen. Um sich zu verteidigen, habe er das Messer gezogen. »Ich habe wohl auch zwei von ihnen erwischt.« Er sei zurück ins Büro gelaufen. Einer der Männer habe sich vom angrenzenden Restaurant einen Stuhl geschnappt und damit gegen seine Bürotür geschlagen. »Kurz darauf kam die Polizei.« Das Trio sei betrunken gewesen.

Die angeblichen Angreifer, alle Ende 20, wurden als Zeugen gehört. Einer berichtete, er sei an jenem Tag mit Freunden, seiner Frau und deren Eltern auf der Kerb gewesen. Er habe Alkohol getrunken. Auf dem Rückweg sei er gestolpert und mit der Schulter gegen die Scheibe des Büros des Elektromeisters gestoßen. Er sei weitergegangen, hinter ihm sei ein Kumpel gelaufen, der kurz darauf vom 56-Jährigen angegriffen worden sei. »Es kam zum Gerangel.« Er habe eingegriffen, um die beiden zu trennen. Dabei erwischte ihn das Messer des Elektromeisters am Hals. »Unsere Gruppe ist nicht auf ihn losgegangen«, versicherte er. Nach der Messerattacke habe er zwei Wochen nicht arbeiten können. »Ich hatte einen Schock.«

Auch sein Kumpel, zweimal hatte der Elektriker ihm mit dem Messer in den Oberkörper gestochen, kam zu Wort. Er bestätigte die Aussage seines Freundes. Die Messerstiche habe er zunächst als Schläge wahrgenommen. »Dann habe ich gemerkt, dass ich kaum noch atmen konnte. Mein Pullover ist ganz nass geworden – vom Blut.

« Der Elektromeister hatte die Lunge des 29-Jährigen erwischt. Der Rettungswagen brachte ihn ins Krankenhaus. Dort blieb er zwei Wochen, lag zunächst auf der Intensivstation. Ein Mediziner berichtete, die Verletzungen, die der Angeklagte den beiden Männern zugefügt hatte, seien potenziell lebensgefährlich.

Amtsanwalt Martin Sorg sah keine Notwehrsituation gegeben. Der Elektromeister habe überzogen gehandelt und sich in zwei Fällen der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Acht Monate auf Bewährung sollten es sein. Verteidiger Michael Müller plädierte auf Freispruch. Sein Mandant sei angegriffen worden, habe sich »mit einem Kneipchen«, nicht mit einer Machete oder einem Springmesser, lediglich verteidigt.

Schöffen und Richter sahen das anders. Sie verurteilten den Mann zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Zudem muss der 56-Jährige 1000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen. Bange begründete: Der Bad Nauheimer habe nicht in Notwehr gehandelt, sondern vielmehr die Auseinandersetzung gesucht.

Auch interessant

Kommentare