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Stefan Feigenspan sagt, eine Modelleisenbahn sei nach wie vor ein spannendes Hobby. Gerade Kinder können dabei auch einiges lernen, "wenn sie ihren ersten Stromkreislauf bauen, Kabel zu Häusern legen und dann die Lichter angehen". 

Ein Alt-Herren-Hobby?

Mit Volldampf voraus - Ein Ladeninhaber erzählt vom Hobby Modelleisenbahn

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Früher freuten sich Kinder und Erwachsene über eine Modelleisenbahn. Spielen auch heute noch Menschen Lokführer, oder ist die Modelleisenbahn ein vom Aussterben bedrohtes Alt-Herren-Hobby?

Erst das Zischen der sich lösenden Bremse, dann das sich langsam steigernde "Tschuk-Tschuk", wenn die Lokomotive ihre Fahrtgeschwindigkeit aufnimmt, und schließlich das Erklingen der Hupe - jeder kennt die Geräuschkulisse einer Eisenbahn. Die meisten aus Film und Fernsehen, oder weil sie selbst schon mit einer gefahren sind. Es gibt aber auch Menschen, deren Hobby es ist, Modelleisenbahnen in der Wohnung ihre Runden drehen zu lassen.

"Manager, Vorstandsvorsitzende, Lehrer, Metzger und Schreiner" - das seien seine Kunden, sagt Stefan Feigenspan vom gleichnamigen Bad Nauheimer Spielwarengeschäft in der Parkstraße. "Einige sind in Rente oder gehen zur Schule, aber viele sind berufstätig." Die Modelleisenbahn sei für ihre Fans Gefühl und Lebenseinstellung. "Die einen haben seit ihrer Kindheit Modelleisenbahnen, andere kommen für ihre Kinder hier her, und wieder andere hat das Fieber aus ihrer Kindheit wieder neu gepackt - oft wenn sie dann in Rente gehen", sagt Feigenspan.

Mehr Interesse an Modelleisenbahnen

Das Geschäft mit den Modelleisenbahnen habe sich stark gewandelt, sagt Feigenspan. Sein Opa habe bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg welche verkauft. "Damals hatte beinahe jeder zweite Haushalt eine Eisenbahn zu Hause." In jeder Stadt habe es zwei, drei Geschäfte gegeben, die Modelleisenbahnen angeboten hätten. Diese Zeiten seien aber vorbei. Heute sei Feigenspan eines der wenigen Geschäfte in der Region, das Modelleisenbahnen führe. "Die übrigen kann man an einer Hand abzählen."

In den letzten Jahren könne man aber wieder einen Aufschwung feststellen. Feigenspan macht dafür zwei Entwicklungen verantwortlich: Zum einen die Eröffnung des Miniatur-Wunderlandes in Hamburg im Jahre 2001. Dadurch seien wieder vermehrt Menschen auf Modelleisenbahnen aufmerksam geworden und das Image von einem altbackenen Hobby wieder modernisiert worden. Zum anderen habe die Umstellung der Anlagen von analog auf digital für eine neue Begeisterung gesorgt: "Jetzt können Figuren Holz hacken, sich in Häusern bewegen und Eisenbahnen einzeln angesteuert werden. Das bietet ganz andere Möglichkeiten."

Anfangsschwierigkeiten bei der Umstellung von analoger zu digitaler Steuerung

Die Umstellung sei am Anfang schwierig gewesen. Es habe viel Skepsis bei den eingeschworenen Modelleisenbahn-Fans gegeben. "Das ist vielleicht vergleichbar mit dem Elektroauto heute", sagt Feigenspan. Irgendwann habe es dann den Durchbruch gegeben, und "wer heute mit dem Hobby beginnt, der macht das mit einer Digitalsteuerung". Alte Züge kann man auch auf die neue Technik aufrüsten lassen. "Wir können unsere Kunden da an einen Lok-Doktor vermitteln."

Das Hobby vermittele technische Kenntnisse, und gerade für Kinder sei es spannend, "wenn sie ihren ersten Stromkreislauf bauen, Kabel zu Häusern legen und dann die Lichter angehen". Dabei wachse man in die Technik hinein. Ein Starter-Set gebe es schon für unter 100 Euro, und es sei einfach im Aufbau. Dann könne man seine Anlage erweitern.

Feigenspan sieht Vorteile des Einzelhandels gegenüber Internethändlern

Wenn einen das Modelleisenbahn-Fieber packe, gebe es kein Halten mehr. "Wir sagen immer, eine Eisenbahn ist nie fertig", erzählt Feigenspan. Die Leute setzten sich selbst Projekte, und wenn sie damit fertig seien, komme das nächste. Während eines Projektes komme jemand auch fünf Mal in vier Wochen vorbei. "Das läuft dann wie bei ›Stuttgart 21‹: Man fängt an zu bauen und stellt fest, dass hier und dort noch was fehlt." Feigenspan sieht hier auch einen Vorteil des Einzelhandels im Vergleich zu Internethändlern. "Wenn einem Kunden etwas fehlt, kann er sich ins Auto setzen, in den Laden kommen und direkt zu Hause weiterbasteln."

Bei Feigenspan gibt es nicht nur Modelleisenbahnen und Zubehör, sondern auch viele andere Spielwaren. "Wir leben nicht nur von der Eisenbahn, wir leben von allem. Reich wird man damit nicht."

Längst nicht alle Kunden, die sich für das Hobby Modelleisenbahn interessieren, haben zu Hause eine eigene stehen. Manche sammeln die Züge für die Vitrine oder lesen die Fachzeitschriften. Er selbst habe auch keine Modelleisenbahn zu Hause, sagt Feigenspan: "Als Geschäftsmann habe ich leider keine Zeit für das Hobby."

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