Auf die große Tempo-30-Zone im Westen Bad Nauheims wird nur an den Zufahrten (das Bild zeigt die Ringstraße) hingewiesen. Welche Straßen genau zu der Zone gehören, ist selbst langjährigen Anwohnern nicht immer bekannt.
+
Auf die große Tempo-30-Zone im Westen Bad Nauheims wird nur an den Zufahrten (das Bild zeigt die Ringstraße) hingewiesen. Welche Straßen genau zu der Zone gehören, ist selbst langjährigen Anwohnern nicht immer bekannt.

Keine klare Linie

Verwirrung um Tempo-30-Zone

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Flächenhaftes Tempo 30 in Bad Nauheim - dieser Beschluss war 2016 gefasst worden. Bei der Umsetzung vermissen manche Bürger die klare Linie, kritisieren zu viele Ausnahmen von der Regel.

Das Innenstadt-Viertel rund um Terrassenstraße und Burgallee war eine der ersten Tempo-30-Zonen in der Bad Nauheimer Kernstadt. Doch nach wie vor haben Autofahrer dort Probleme mit der Rechts-vor-links-Regel. Jeden Tag kann etwa beobachtet werden, wie die Vorfahrt von Pkw, die aus der Franz-Groedel- auf die Terrassenstraße abbiegen, missachtet wird.

Ähnlich sieht es im Westen der Kernstadt aus, wo seit zwei Jahren eine große Tempo-30-Zone existiert. Sie umfasst unter anderem die Altstadt, endet im Süden an der Hochwaldstraße und im Osten in Höhe der Mittelstraße. Selbst manche langjährigen Bewohner wissen nichts von dieser Zone, wie das Beispiel einer Dame zeigt.

Sie wohnt seit 30 Jahren in der Gutenbergstraße und wurde mit ihrem Wagen kürzlich im Haagweg geblitzt, weil sie 8 km/h zu schnell war. »Weder im Haagweg noch in der Gutenbergstraße steht ein Tempo-30-Schild«, sagt die Bad Nauheimerin. Nach Erhalt des Strafzettels telefonierte sie mit dem Rathaus und erfuhr von der Regelung. »Es weiß doch kein Mensch, welche Straßen zu der Tempo-30-Zone gehören«, kritisiert die Anwohnerin.

Tatsächlich gibt es nur an den Zufahrten Schilder, die auf den Beginn der Zone hinweisen, etwa an der Ecke Mittelstraße/Ernst-Ludwig-Ring oder Hochwaldstraße/Jahnstraße. Das entspricht den Vorschriften, wie Erster Stadtrat Peter Krank betont. Nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) seien »Häufungen von Verkehrszeichen« zu vermeiden. »Somit ist das Aufstellen von Tempo-30-Beschilderungen innerhalb von Tempo-30-Zonen unzulässig«, erläutert der Verkehrsdezernent.

Fahrbahnmarkierungen seien denkbar. Bei der Vielzahl der Tempo-30-Zonen wäre damit aber enormer Finanzaufwand verbunden. Krank: »Deshalb ist eine Erinnerung auf der Straße durch Markierung - die ohnehin keine rechtliche Wirkung entfalten würde - aus meiner Sicht obsolet.«

Auch für Ortsunkundige sieht der Erste Stadtrat kein Problem, selbst wenn sie beim Einfahren in die Zone die Schilder übersehen. In allen Städten setze sich Tempo 30 immer mehr durch. Abseits der Vorfahrtsstraßen müsse ein Fahrer grundsätzlich damit rechnen, sich in einer Tempo-30-Zone zu befinden.

In der Zone im Westen von Bad Nauheim gibt es eine Sonderregelung, die ebenfalls von der StVO gedeckt ist. Dort gilt nämlich keineswegs überall die übliche Rechts-vor-links-Regel. Ein Beispiel ist der Haagweg, auf dem Verkehrsteilnehmer Vorfahrt haben. Laut Krank wurden bei Einführung dieser Tempo-30-Zone im Jahr 2018 die bestehenden Vorfahrtsregeln übernommen.

Erweiterung: Stadt wird ausgebremst

Grund: Stadtbusse sollen nicht an jeder Einmündung anhalten müssen. »Wir ermöglichen einen regelmäßig und pünktlich verkehrenden Buslinienverkehr«, sagt der Erste Stadtrat. Genau aus diesem Grund lasse die StVO Ausnahmen von der Rechts-vor-links-Regel zu. Trotzdem sorgt das bei manchen Verkehrsteilnehmern für Verunsicherung.

Einige Bürger fragen sich zudem, warum die Tempo-30-Zone im Westen nicht um das Gebiet zwischen Hochwald- und Ringstraße erweitert wird. Krank hatte einen solchen Schritt geplant: »Das wurde mehrfach geprüft.« Dabei stieß er allerdings auf Widerstand des Regionalen Verkehrsdienstes. Nach dessen Ansicht herrscht in Hochwald- und Ringstraße kein »typischer Wohnstraßen-Charakter«. Es handele sich um Vorfahrtsstraßen, in denen relativ schnell gefahren werde. »Sollten sich Lockerungen seitens des Gesetzgebers ergeben, wird angestrebt, auch diese Straßen in die Tempo-30-Zone zu integrieren«, betont der Verkehrsdezernent. Derzeit müssen die Fahrer mit einem unübersichtlichen Mix aus Tempo 50 und Tempo 30 zurechtkommen.

Und noch eine Regelung stößt auf Kritik. »Warum gilt im Eleonorenring über weite Strecken Tempo 30, ausgerechnet vor der großen Ampelkreuzung dann Tempo 50«, fragt sich die Dame aus der Gutenbergstraße. In der Parkstraße gibt es ebenfalls unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten. Gerne würde Krank vereinheitlichen, doch er darf nicht. Im Eleonorenring, einer Durchgangsstraße, sei laut Gesetz nur im Umfeld von Kita und Schule Tempo 30 möglich. In der Parkstraße dürfe die Stadt lediglich in Abschnitten, wo besonders viele Autos und Fußgänger unterwegs seien, 30 km/h vorschreiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare